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Sehnsucht nach dem Knipser

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Von: Thomas Kilchenstein

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Frust pur: Bayern-Spieler Leroy Sané.
Frust pur: Bayern-Spieler Leroy Sané. © AFP

Bayern München ist in der Liga seit vier Spielen ohne Sieg – Trainer Nagelsmann muss eine erste Bewährungsprobe bestehen.

Um mal gleich frisches Salz in bayrische Wunden zu streuen: Robert Lewandowski hat am Samstag zwei Tore erzielt, beim 3:0 des FC Barcelona gegen FC Elche, die Tormaschine kommt inzwischen in sechs Ligaspielen auf acht Treffer, und was schwärmen sie in der katalanischen Metropole über ihren neuen Superknipser. Aber das wussten die Bayern ja schon vor der 0:1-Pleite beim FC Augsburg - nach drei dünnen Unentschieden und einer Niederlage im vierten sieglosen Spiel hintereinander: Es ist die schwärzeste Serie im Bayern-Kosmos seit 20 Jahren. „Fassungslos“ ist Thomas Müller, die „Stimmung am Boden“, sagt Sportvorstand Hasan Salihamidzic, es wird - passend zum Wetter - immer dunkler beim Branchenführer, die Lust auf Maßbier und Wiesn ist allen gehörig verhagelt. Die Bayern, man muss es festhalten, stecken in einer respektablen Krise. „Ich mache mir meine Gedanken“, sagt Trainer Julian Nagelsmann düster, weil er spürt, dass die Kritik auch ihn, mit dem Boulevard verbandelt, nicht aussparen wird, „über alles, über mich, über die Situation“.

Bei den Münchnern ist der Zauber des bestaunten Saisonstarts mit rauschenden Siegen verflogen, als den – allerdings sehr dankbaren - Gegnern Frankfurt, Wolfsburg und Bochum 15 Tore eingeschenkt worden waren. Da waren schnell neue Lorbeerkränze geflochten worden für den neuen flexiblen Offensivstil ohne echten Mittelstürmer, aber mit Superstar Sadio Mané. Inzwischen überwiegt Skepsis, Fragen tauchen auf: Sind die Bayern schon entschlüsselt? Ist Mané, ein gelernter Flügelstürmer, doch nicht der passende Ersatz und womöglich über seinen Zenit hinaus? Warum hat ihn der FC Liverpool wohl abgegeben? Oder hat sich nach dem Auftakt-Spektakel eine gewisse Überheblichkeit bei den Dauer-Siegern eingeschlichen, in der Champions League halten sich die Bajuwaren ja durchaus schadlos, jeweils 2:0 gegen Inter und Barcelona. Nagelsmann hat durchaus einen „Laissez-faire“-Auftritt seiner Profis registriert. Ist der Fokus - nach zehn deutschen Meisterschaften in Folge menschlich verständlich - womöglich nur noch auf die Königsklasse gerichtet.

Eine Erkenntnis ist: Das Münchner Starensemble mit allerlei Zauberfüßchen hat den Kampf gegen giftige, gallige und grandios kämpfende Augsburger nicht angenommen, die Bayern bekommen Probleme mit Teams, die körperlich auftreten und „uns auf die Socken geben“, wie Salihamidzic sagte und folgerte messerscharf: „So wie wir heute gespielt haben, kann man in der Bundesliga nicht gewinnen.“

Leroy Sané etwa stellte vor dem einzigen Tor nach einem ruhenden Ball „aus, weiß nicht, 70 Metern“ (Nagelsmann) seine bekannte Unlust zur Schau, seriös verteidigen zu wollen, schon schob Neuzugang Merghim Berisha zum 1:0 (59) ein.

Andererseits hatten die Bayern 19 Torschüsse und 77 Prozent Ballbesitz, sie hatten Chancen in Hülle und Fülle, allein vier Situation allein Aug in Aug mit dem sensationell halten Rafal Gikiewicz, selbst Manuel Neuer stürmte am Ende mit und hätte ums Haar den Ausgleich geköpft. Aber sie schafften es nicht, den Ball über die Linie zu bugsieren.

Sieglos-Serie kein Zufall

Fehlt also doch der Mittelstürmer? Tut den Bayern der erzwungene, aber vergoldete Abgang von Lewandowski mehr weh als sie zugeben können? Vier Spiele ohne Sieg bei nur vier eigenen Toren ist ja kein Zufall. Vielleicht braucht es doch einen, der das Filigrane am Ende mit einem schnöden Schuss ins Tor veredelt, einen, den die Bajuwaren im Augenblick nicht haben.

Auffällig zudem: Die Hintermannschaft der Bayern, gerade erst mit 67 Millionen für Matthis de Ligt aufgerüstet, verströmt allenfalls eine Schein-Stabilität. Das Gros der Augsburger Angriffe, viele waren es nicht, war durchgängig brandgefährlich. Selbst dem VfB Stuttgart, bislang ohne Sieg in der Liga, gelangen in der Vorwoche zwei Treffer.

Jetzt, sagt Salihamidzic, gebe es keine Ausreden mehr, „jetzt müssen Siege her!“ Da haben die Bayern mal wieder Glück: Zunächst geht es nach der Länderspielpause gegen die schwächelnden Leverkusener, die immer den Kürzeren ziehen, wenn es gegen Bayern drauf ankommt, dann das Leichtgewicht Pilsen und schließlich im Klassiker gegen Borussia Dortmund. Wenn sie gereizt werden, sind Bayern meistens gut. mit sid, dpa

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