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Da geht´s lang: Sebastian Hoeneß. Hübner

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Sebastian Hoeneß bei TSG Hoffenheim: Der Name als Bürde und Hilfe

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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TSG Hoffenheim und FC Bayern München haben eine lange, nicht immer konfliktfreie Beziehung. Die nun um ein Kapitel reicher ist. Ein Kommentar.

Das Verhältnis der TSG Hoffenheim zum FC Bayern ist, nun ja, ein wenig ambivalent. Es gibt einen regen Austausch, der nicht immer ohne Donnergrollen abläuft. Erinnern wir uns gemeinsam: Im Januar 2011 fädelte Mäzen Dietmar Hopp voller Stolz vor Ort in München den 17-Millionen-Transfer von Luiz Gustavo zum FC Bayern ein, dummerweise ohne Wissen seines Trainers Ralf Rangnick. Es kam zum Eklat. Rangnick trat umgehend erzürnt zurück. Hoffenheim geriet in der Folge geraume Zeit konfus ins Straucheln.

Geräuschloser und professioneller wurde bald darauf die halbjährige Leihe von David Alaba von München nach Hoffenheim gemanagt, ebenso die Transfers von Niklas Süle (20 Millionen Euro), Sebastian Rudy (ablösefrei) und Sandro Wagner (für stolze 13 Millionen Euro) aus dem Kraichgau zu den Bayern. Nicht zu vergessen: Hansi Flick, als Sport-Geschäftsführer in Hoffenheim kreuzunglücklich, bekam den vorzeitigen Abschied durch die Hintertür schon nach acht Monaten im Frühjahr 2018 mit einer fetten Abfindung versüßt, ehe er unverhofft in München zum allseits gefeierter Trainermegastar mutierte.

Der rege Personenverkehr zwischen der Provinz und der Metropole nahm in diesem Sommer eine neue Wendung, als der FC Ruhmreich sich schamlos und unverzagt aus der überregional beispielhaften Hoffenheimer Nachwuchsabteilung bediente und dabei auch noch die Chuzpe besaß, Toptalent Armindo Sieb mitten in der Corona-Pandemie zur medizinischen Untersuchung mitsamt dreijährigem Vertragsabschluss ins bayerische Risikogebiet zu laden. Hoffenheim zeigte sich in Gestalt seines Sportchef Alexander Rosen angesichts derartiger rabiater Münchner Methodik not amused. Es flogen ein paar verbale Giftpfeile gen Süden.

Die nun bekanntgegebene Verpflichtung des Münchner U23-Erfolgstrainers Sebastian Hoeneß ist jedoch keineswegs als plumpe Retourkutsche zu interpretieren. So blöd sind sie in Hoffenheim nicht. Vielmehr passt der Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß präzise ins Anforderungsprofil der TSG: Er ist jung, kommunikativ, hat einen Blick für den Nachwuchs - und, potztausend, auch eine Hoffenheimer Vergangenheit, wenn auch eher ruhmlos in einer längst vergangenen Zeit 2006/07 mit fünf Einsätzen für die zweite Mannschaft in der Oberliga und deren drei Mal für die Erste in der Regionalliga.

Wenn der berühmte Name auch ein wenig Bürde ist, wie Sebastian Hoeneß selbst schon mal einräumte, so dürfte die Erfahrung von kleinauf im fußballaffinen Hoeneß-Haushalt noch mehr Hilfe bedeuten. Man darf gespannt sein, ob Hoeneß junior im Bayern-Nachwuchs ein paar gute Jungs für die TSG findet. Nebengeräusche inklusive.

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