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Will weiterspielen, solange es ihm noch Spaß macht: Alex Meier, hier inmitten seiner Teamkollegen.

FC St. Pauli

Schwieriges leicht aussehen lassen

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Der Ex-Frankfurter Alex Meier trifft für St. Pauli im Schnitt alle 89 Minuten - auch im Stadtderby gegen den HSV?

Alex Meier wird dem Hamburger SV wehtun, er wird den Rothosen mit der Raute im Klubwappen einen einschenken – zumindest dann, wenn er sich selbst an seine Torquote hält. Seitdem Alex Meier im Januar auf die deutsche Fußballbühne, wenn auch nur ins Untergeschoss, zurückgekehrt ist, hat er in sechs Spielen schon fünfmal für den FC St. Pauli getroffen. Alle 89 Minuten, so die simplen Rechenspiele, legte er den Gegnern bisher einen Ball ins Netz. Dazu hat Meier, dieser 36 Jahre alte, aber noch immer nicht müde Stürmer mit Zöpfchen, gerade mal 14 Abschlüsse benötigt.

Wieso das denn immer alles so leicht bei ihm aussehe, wurde er deshalb dieser Tage von einem Reporter in Hamburg gefragt. Meier, so wortkarg wie er nun mal ist, zuckte nur mit den Schultern und antwortete: „Keine Ahnung.“ Äh, wie bitte? Was soll das denn heißen? Ob er es denn doch ein bisschen genauer erklären könne, hakte der unnachgiebige Reporter doch noch mal nach. „Naja, ich laufe irgendwohin und manchmal kommt der Ball dahin und manchmal auch nicht.“ Ahja, so ist das also. Alex Meier lächelte, der Reporter lachte. Jetzt wissen sie auch in Hamburg Bescheid.

Alex Meier ist ohne Wenn und Aber noch immer ein toller Angreifer. Sein gezielter Abschluss mit der Innenseite ist jahrelangem Training geschuldet. Sein Näschen, sich öfters als andere Stürmer dort aufzuhalten, wo sich Stürmer bestenfalls aufzuhalten haben, dagegen auch Talent. Und Erfahrung, wie der in Buchholz südlich von Hamburg geborene Meier selbst findet: „Mit 36 Jahren ist es normal, vor dem Tor ruhiger zu sein als noch mit 20.“

Nun also steht Meier und dem FC St. Pauli das bisher aufregendste Spiel dieser Zweitligasaison bevor. Am Sonntag (13.30 Uhr) empfangen die Kiezkicker den HSV. Die Gäste aus derselben Stadt sind Tabellenzweiter, mit einem Heimsieg könnte St. Pauli aber bis auf einen Zähler an den HSV heranrücken und somit selbst mächtig im Aufstiegsrennen zur Bundesliga mitmischen.

„Meine Torquote ist mir egal“

Meier, der selbst in jungen Jahren vier Spiele für den HSV absolvierte, ist dabei der große Trumpf, seine Qualitäten fordern dem Gegner Respekt ab. Gästetrainer Hannes Wolf warnte seinen Mannen jedenfalls eindringlich vor dem Bundesliga-Torschützenkönig der Saison 2014/15: „Er ist seit gefühlt 15 Jahren der Prototyp des Spielers, der aus ganz wenigen Chancen ganz viel macht. Da musst du extrem wachsam sein.“

Alex Meier wäre aber nicht Alex Meier, wenn er in diese Lobhudelei mit Inbrunst einstimmen würde. Vielmehr sei er einfach nur froh, dass er gesund ist und wieder spielen kann. „Ich wollte helfen, und das probiere ich weiterhin zu tun. Meine persönliche Quote ist mir egal.“

Bei aller öffentlicher Zurückhaltung sind diese fünf Tore in sechs Spielen aber natürlich eine Genugtuung für den Schlacks. Zum einen dafür, es sich selbst bewiesen zu haben, auch im vergleichsweise hohen Fußballeralter noch gut genug für die Profikickerei zu sein. Zum anderen auch, um bei manch Bedenkenträgern von Eintracht Frankfurt vielleicht doch den Ansatz eines schlechten Gewissens hervorzurufen.

Nach 379 Pflichtspielen und 137 Toren für die Hessen hatten die Bosse, allen voran Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner, dem langjährigen Kapitän keinen neuen Vertrag angeboten, ihn in der Art und Weise doch ziemlich unsanft vor die Tür gesetzt. Meier, der trotz seiner 14 Jahren im Verein bis heute noch nicht offiziell im Frankfurter Stadion verabschiedet wurde, hat darunter gelitten, aber er hat nicht aufgegeben.

Als Trainingsgast in Österreich und bei zwei Hamburger Oberligisten kämpfte er sich eindrucksvoll auf die deutsche Fußballbühne zurück. Wie lange er dort noch bleiben will, lässt er offen. Sein Vertrag in St. Pauli gilt bis Saisonende, eine Verlängerung „ist noch kein Thema“, wie Meier sagt. Aber: „Solange es mir Spaß macht und ich gesund bleibe, möchte ich gerne weiterspielen.“ Und im besten Fall am Sonntag gegen den HSV in der 89. Minute mal wieder genau dort stehen, wo der Ball hinkommt.

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