Soll versucht haben, mit gefälschtem Pass nach Paraguay einzureisen: Ronaldinho.
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Soll versucht haben, mit gefälschtem Pass nach Paraguay einzureisen: Ronaldinho.

Einwurf

Das Schwein trügt nicht

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Ronaldinho muss seinen 40. Geburtstag hinter Gitter in Paraguay verbringen. Dort macht der Brasilianer das, was er am besten kann: Fußballspielen und breit Lächeln. Der Einwurf.

Wie schlecht kann es schon stehen um eine Welt, in der Ronaldinho sein Lächeln noch hat und auf einem Bolzplatz feine No-Look-Hackenpässe spielt. Er trägt dabei Badeshorts und ein weißes Unterhemd. Als wäre die Zeit stehen geblieben, das Leben ein Videospiel, und der ganze Planet wäre Brasilien und sowieso ein großes Fußballfeld. Oh, wie der Schein trügt.

Die Welt war schon mal besser beieinander. Ronaldinho auch. Der Weltfußballer von 2005 wird 40 Jahre alt an diesem Samstag, und seinen Geburtstag wird er in einem Hochsicherheitsgefängnis in Paraguay feiern, wenn feiern das richtige Wort ist an dieser Stelle. Seit dem 6. März bewohnt er eine Zelle, zusammen mit seinem Bruder. Die beiden Brasilianer wurden festgenommen beim Versuch, mit gefälschten Pässen einzureisen, wobei sie dies bestreiten, natürlich, und überhaupt sagen nun viele Menschen, Ronaldinho und ein falscher Pass: Das geht ja gar nicht, das gibt’s ja gar nicht. Das kann ja gar nicht sein. Da muss man nur mal auf Youtube gehen, Zeit genug hat man ja jetzt, in diesen viralen Tagen. Auf Youtube wird man schnell herausfinden, dass Ronaldinhos Pässe immer die richtigen sind, ob mit Hacke gespielt oder mit sonst was, Hühnerauge vielleicht, und ob mit Hinsehen oder mit ohne.

Das wissen auch die Knackis in Paraguay. Doch zu Beginn, so wurde berichtet, wollte der Fußballstar nicht mitspielen bei den Gefängniskicks, weil er nicht das passende Schuhwerk dabei hatte. Anderswo hieß es (berichtet wird in Südamerika rund um die Uhr über das Thema), Ronaldinho habe an einem Turnier nur unter der Bedingung teilnehmen dürfen, dass er keine Tore schießt. Bei diesem Turnier erhält das Siegerteam als Trophäe übrigens ein komplettes Grillschwein, rund 16 Kilogramm schwer.

Halb so viel wiegt der Pokal der Champions League, die Ronaldinho 2006 gewann, mit dem FC Barcelona. Sein Leben ist zweifellos schwerer geworden seitdem, auch schwieriger. Doch stehe er jeden Morgen mit einem Lächeln in seiner Zelle, erzählen die redseligen Wächter aus dem Gefängnis in Paraguay, mit jenem unverwechselbaren Ronaldinho-Lächeln, das einst um die Welt ging, schneller, als ein Virus es jemals vermag.

Vielleicht hat er am Ende das Grillschwein genauso glücklich in den Himmel gereckt wie damals 2006 in Paris den Henkelpott der Champions League, vielleicht sogar glücklicher, denn im Gegensatz zum Schein trügt das Schwein nicht. Es schmeckt lecker. Aus dem Gefängnis überliefert ist allerdings nur dieses eine, pixelige Video, auf dem man rein gar nichts erkennt, aber Ronaldinho erkennt man trotzdem. Er schlendert da ein bisschen herum auf dem staubigen Platz, dann kommt die Kugel, dann kommt die Hacke. Und der Ball beginnt zu lachen.

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