VfB Stuttgart und HSV

Schwächelnde Schwergewichte

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Beim VfB Stuttgart brodelt’s, beim Hamburger SV wird Ruhe bewahrt und bei Arminia Bielefeld genießen sie den Moment.

Die Vorlage lieferte Tim Walter höchstpersönlich. So wollte der angeknockte Trainer des VfB Stuttgart nach der neuerlichen Enttäuschung, dem 2:2 in Hannover, bei seinem Team erkannt haben, dass die Debatte über ihn sich auch auf seine kickende Zweitligatruppe ausgewirkt habe. „Ein bisschen Blei in den Beinen“, attestierte er der Stuttgarter Elf, das habe gehemmt im Duell der beiden Ex-Erstligisten.

Nur elf Punkte sammelten die Schwaben damit in den vergangenen zehn Partien, zu wenig für den Aufstiegsfavoriten mit dem 40-Millionen-Euro-Etat, der deshalb auch von Platz eins auf drei abgerutscht ist. Und vermutlich vor allem zu wenig für den erst im Sommer verpflichteten Tim Walter, dessen anfangs benannte Vorlage alsbald eingenetzt werden könnte. Die Tendenz geht zur Trennung. „Es wird eine knallharte Analyse geben, es kommt alles auf den Tisch“, sagte Sven Mislintat. Der VfB-Sportdirektor meinte damit zwar nicht nur die Besetzung des Trainerpostens, sondern auch die Kaderzusammenstellung ganz allgemein, Nachfolger für den eigenwilligen und manchmal arg knorrigen Walter werden aber längst im Stuttgarter Umfeld gehandelt. Sandro Schwarz, zuletzt in Mainz, und Markus Anfang, ehemals in Kiel und Köln, sind Kandidaten.

Verstärkt wird das Frustempfinden beim VfB dadurch, dass auch die beiden Hauptkonkurrenten im Aufstiegsrennen gepatzt hatten am letzten Zweitligaspieltag des Jahrzehnts. Arminia Bielefeld, mit 34 Zählern ganz oben im Tableau und mit 65 Punkten in diesem Kalenderjahr saisonübergreifend das beste Team, bekam vom FC St. Pauli eine Abreibung verpasst. 0:3 hieß es aus Sicht der Almkicker unweit des Hamburger Kiez’ – und das verdient, zeigte die Arminia doch eine schwache Leistung. „Für St. Pauli lief von Anfang an alles richtig und wir liefen von Anfang an hinterher“, analysierte der Bielefelder Erfolgstrainer Uwe Neuhaus, dessen Mannschaft froh sein dürfte über die Weihnachtspause.

Letztmals hatte die Arminia am 1. Dezember in Darmstadt gewonnen (3:1), anschließend sprangen nur zwei Punkte bei drei Spielen heraus. „Wir sind nicht der FC Bayern oder Liverpool“, hatte Neuhaus schon vor dem Duell auf St. Pauli vor einer überzogenen Erwartungshaltung an den Sensationsführenden der Liga gewarnt. Denn natürlich konnte mit der Arminia vor Saisonbeginn nicht ernsthaft gerechnet werden im Aufstiegsrennen, ebenso wenig wie mit den aktuell in Schlagdistanz befindlichen Teams aus Heidenheim (4. Platz/30 Punkte) und Aue (5./29).

Stattdessen war und ist neben dem VfB (3./31) freilich der Hamburger SV der heißeste Kandidat auf den Sprung in die Eliteklasse des deutschen Fußballs. Die Hamburger legten als Zweiter mit 31 Zählern zwar auch keine einwandfreie Teilrunde hin, sind aber doch einigermaßen im Soll – vor allem stimmungsmäßig. Trotz des 2:2 in Darmstadt (siehe unten) und dem damit vierten sieglosen Spiel in Serie betonte Jonas Boldt, dass sich das Team „auf einem echt guten Weg“ befinde. Die Liga sei unglaublich eng, sagte der HSV-Sportvorstand in den Katakomben des Darmstädter Stadions, „aber bei uns wird Ruhe bewahrt.“ In Stuttgart dagegen brodelt es gerade gewaltig.

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