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Keine Ausreden: Ole Werner tritt in Kiel zurück.
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Keine Ausreden: Ole Werner tritt in Kiel zurück.

Kommentar

Schwäche ist Größe

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Ole Werner tritt beim Fußball-Zweitligisten Kiel zurück, in der Branche breitbeiniger Männer ist so ein Schritt selten – aber er zeugt von Stil und Größe. Ein Kommentar.

Der überraschende Verzicht des Ole Werner auf das Traineramt beim Zweitligisten Holstein Kiel ist ein bemerkenswerter Schritt, er zeugt von einer beeindruckenden Konsequenz und nötigt mindestens Respekt ab. Ole Werner, gebürtiger Kieler, seit bald einem Vierteljahrhundert im Klub, den er vor ein paar Monaten ums Haar in die Bundesliga geführt hätte, hat sehr deutlich gespürt, dass er es nicht mehr schaffen würde, dem ins Taumeln geratenen Klub weiter Impulse zu verleihen.

Er hat das selbst umschrieben, er hat von „neuen Reizen“ gesprochen, die nicht den erhofften nachhaltigen Effekt zeitigten. Der 33-Jährige hat damit indirekt eingestanden, keine Lösung mehr zu wissen, die Mannschaft nach vier 0:3-Niederlagen aus sieben Spielen noch in ruhige Gewässer zu führen.

Im Grunde hat er eingeräumt, was in der Branche breitbeiniger Männer kaum einer zugibt, schon gar nicht freiwillig: Dass es eben auch Phasen gibt, in denen ein Trainer ratlos ist, am Ende des Lateins, dass es Momente der Schwäche gibt. Dass ein Fußballlehrer sein Team, aus welchen Grund auch immer, nicht mehr erreicht, dass es Abnutzungserscheinungen geben kann.

Wann hat das im Profigeschäft einer der Protagonisten zuletzt zugegeben? Die übliche Vorgehensweise ist: Weitermachen, immer weiter - bis der Klub die Reißleine zieht und einem nicht ohne goldenen Handschlag den Stuhl vor die Tür stellt.

Ole Werner hat es darauf nicht angelegt. Das passte nicht zu ihm, dem etwas anderen Coach, der nach Banklehre das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erlangte, der monatelang durch Indonesien und Australien reiste und dort als Gärtner arbeitete, später als Statist beim Tatort und Germanistik und Wirtschaftswissenschaften studierte, um dann als Jugendtrainer bei den „Störchen“ zu beginnen. Dazu liegt ihm dieser Verein zu sehr am Herzen, er wusste ja: Holstein hätte ihm, längst eine Institution, nie gekündigt, dazu sind seine Verdienste als Trainer, nicht nur der ersten Mannschaft, viel zu groß: Klassenerhalt in Liga zwei geschafft im ersten Jahr, den FC Bayern spektakulär aus dem DFB-Pokal geworfen, in der Relegation am 1. FC Köln gescheitert. Sie wissen in Kiel, was sie an Ole Werner haben. Doch Holstein ist auch einer der großen Verlierer der Pandemie. Wegen mehrerer Quarantäne-Aufenthalte hatte Werners Team in der Endphase neun Spiele in 29 Tagen zu absolvieren. Am Ende war die Elf leer, ausgequetscht wie die berühmte Zitrone.

Es gibt sehr plausible Gründe, warum Holstein einen Stotter- Start hingelegt hat, allein der Verlust der drei Besten - Serra (zu Bielefeld), Lee (Mainz), Meffert (HSV) - ist kaum zu kompensieren, die Neuzugänge schlugen nicht ein. Als Ausrede hat Werner das nie verwendet, nicht mal als Erklärung. Er hat sein Ego weit hintangestellt, er hat persönliche Konsequenzen gezogen. So viel Selbstreflexion ist selten.

Es hat mit Größe zu tun.

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