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Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic. 

Bundesliga

Der Schuldige vom FC Bayern

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Bayerns Sportdirektor Salihamidzic erlebt gerade hektische Zeiten. Er wird verdächtigt, im Vertragspoker mit Manuel Neuer pikante Details ausgeplaudert zu haben.

Schweigen. Das ist die Devise, zu der sich die Bosse des FC Bayern entschieden haben. Da ist es freilich von Vorteil, dass der Ball in der Bundesliga noch ein paar Wochen ruht. Wer ständig Kameras vor und Diktiergeräte unter der Nase hat, kommt brisanten Themen nicht aus. Wer aber hinter verschlossenen Türen vor sich hin arbeitet, kann Themen setzen, wann, wie und wo er will.

Die Causa Manuel Neuer hat Karl-Heinz Rummenigge also mit warmen Worten („gehe von Einigung aus“) kommentiert, viel mehr wird da nicht kommen. Nicht von Oliver Kahn, der in seiner vier Monate langen Amtszeit sowieso erst ein einziges Interview gegeben hat (und öffentlich nicht als Buhmann gesehen wird). Und auch nicht von Hasan Salihamidzic, der zwar im Alltag gerne Stellung bezieht, in diesem Fall aber lieber nicht. Natürlich wird es dem 43-Jährigen missfallen, dass er – von Neuers Berater Thomas Kroth als zweiter Verhandlungspartner neben Kahn genannt – unter dringendem Verdacht steht, Details aus Vertragsverhandlungen ausgeplaudert zu haben. Aber ist es ist auch in diesem Fall so, wie es immer ist, wenn Geheimnisse die Runde machen? Wer sich verteidigt, macht sich verdächtig. Warum etwas sagen, wenn nichts zu sagen ist?

Davies ist ein Volltreffer

Man kann ihm das nicht verübeln – obwohl der Grat schmal ist. Denn die Personalie Salihamidzic ist seit ihrem Bestehen eine, die polarisiert. Knapp drei Jahre ist es nun her, dass aus dem „Brazzo“ einer lustigen Schafkopf-Idee der Sportdirektor Hasan Salihamidzic geworden ist, dem es nicht anders gehen soll als anderen Ex-Spielern. Wie schwer der Übergang von den kurzen in die langen Hosen ist, hat unter anderem Christian Nerlinger zu spüren bekommen.

Der Vor-Vorgänger von Salihamidzic war in den letzten Monaten seiner gerade mal drei Jahre währenden Amtszeit nahezu getrieben vom Wort „profilieren“. Die Bosse wollten mehr von ihm sehen, als er zu bieten hatte. Anders als Salihamidzic – für den Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung darum bat, „ihm eine Chance zu geben“ – wurde Nerlinger selten öffentlich verteidigt.

„Wie der junge Uli“ (Hoeneß), das sagte Rummenigge auch einst, und wenn solche Marken im Raum stehen, werden sie gerne als Gradmesser benutzt. Zur Erinnerung: Hoeneß startete 1979 mit sieben Millionen Mark Schulden, er ging 2019 mit einem prall gefüllten Festgeldkonto. Salihamidzic übernahm den seit dem Rückzug von Matthias Sammer vakanten Posten 2017 mit der Aufgabe, die Millionen an den richtigen Stellen in den Kader zu stecken. Eine Mannschaft im Umbruch, heißt es ja seitdem, und es passte diese Woche als Antwort auf die Neuer-Debatte nur zu gut, dass ausgerechnet Alphonso Davies seinen Vertrag verlängerte. Der Kanadier ist jener Transfer, der als Musterbeispiel gilt. Ein Volltreffer, ein echter Glücksgriff, zuzuschreiben: Salihamidzic.

„Ein guter Junge“, so nennt der Sportdirektor den 19-Jährigen, aber so bezeichnet er auch all die anderen Kadermitglieder gerne, sogar Alvaro Odriozola, seinen bis dato letzten Transfer. Das Leihgeschäft mit Real Madrid stand in der Winterpause sinnbildlich für den Gegenwind, der Salihamidzic nicht nur öffentlich, sondern auch ab und an in den geschlossenen Räumlichkeiten an der Säbener Straße entgegen weht. Der kleine interne Machtkampf mit Trainer Hansi Flick, der gerne noch ein bis zwei weitere Neuzugänge gehabt hätte, ist offiziell zwar ausgeräumt (Vermittler: Kahn), wird aber auch in der nächsten Transferperiode – egal wie sie inmitten der Krise aussehen wird – mitschwingen. Flick hat eine klare Vorstellung von seinem Kader, und er scheut nicht davor zurück, nein zu sagen.

Aus dem Vorjahr stehen zubuche: Benjamin Pavard (solide), Lucas Hernandez (lange verletzt), Ivan Perisic (guter Joker), Philippe Coutinho (wird nicht gekauft), Michael Cuisance und Fiete Arp (spielen keine Rolle). Tendenz: Ausbaufähig. Priorität haben nun die Verlängerungen, Hansi Flick und Thomas Müller waren ein guter Anfang. Wenn Salihamidzic im Juli zum Sportvorstand aufrückt, startet die nächste Reifeprüfung. Er kann nur hoffen, dass die Causa Neuer bis dahin tatsächlich gelöst ist. Wer um Leroy Sané oder womöglich doch Timo Werner pokert, braucht: Ruhe.

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