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Haben ähnliche Sorgen: Die Trainer Postecoglou (links) und Broos.

Confed Cup

Die Schönredner

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Die Trainer von Kamerun und Australien müssen die Entwicklungen ihrer jungen Teams verkaufen.

Trainer von jungen, aufstrebenden Mannschaften wie Kamerun oder Australien, die sich bei einem Turnier mit Giganten wie Deutschland oder Chile messen, müssen vor allem eines beherrschen: die Kunst des Schönredens. Die vielen Fehlpässe und Unzulänglichkeiten einfach ignorieren, sich auf die positiven Dinge konzentrieren wie Kampfgeist, Moral, die guten Szenen, und all das noch ein wenig überhöhen. Hugo Broos und Ange Postecoglou sind Meister in dieser Disziplin, wie sie nach dem 1:1 ihrer Teams im mit 35021 Zuschauern recht gut gefüllten Krestowski-Stadion bewiesen. Das Ergebnis lässt beiden noch die Chance auf ein Weiterkommen am letzten Gruppenspieltag, allerdings müssen sie gewinnen, um nicht vom anderen Ergebnis abhängig zu sein, Australien mindestens 2:0 gegen Chile und Kamerun 3:0 gegen Deutschland.

Sich nicht zu blamieren, war vor dem Confed-Cup das Minimalziel des Afrika- und des Asienmeisters, das haben sie bisher geschafft. Entsprechend rosig versuchten sie die Lage darzustellen. „Wir haben größtenteils das Spiel diktiert“, log Australiens Postecoglou nach der Partie, Kollege Broos hatte da schon mehr vorzuweisen, als er sagte: „Über 90 Minuten waren wir die bessere Mannschaft und hätten gewinnen müssen.“ Der Belgier verwies auf die 19:5 Torschüsse, welche die Statistik verzeichnete, allerdings kamen nur drei Versuche der Kameruner aufs Tor, darunter kurz vor der Halbzeit der schöne Treffer von Marseilles 21-jährigem Mittelfeldmann André-Franck Zambo Anguissa, dem besten Spieler seines Teams.

Bei den Australiern glänzte vor allem ein 20-Jähriger, der erst kurz vor Turnierbeginn aus dem Urlaub nachnominierte Alex Gersbach von Rosenborg Trondheim, der neben vielen guten Aktionen auch den Elfmeter erzwang, den Mark Milligan in der 60. Minute zum Ausgleich nutzte. „Alex war exzellent“, lobte Postecoglou, „großartige Technik, ein guter Performer, er hat ein paar schöne Bälle reingespielt.“ Neben Gersbach hatten auch Herthas Mathew Leckie und der um Struktur bemühte Aaron Mooy ihre Momente, doch insgesamt wirkten die Socceroos sehr viel harmloser als Kamerun mit seinen rasanten Kontern.

Die Jünglinge Anguissa und Gersbach stehen stellvertretend für ihre Teams, die sich in der Entwicklung befinden. Postecoglou war vor seinem Amtsantritt Australiens Juniorencoach, und er hat bereits 50 Spieler berufen. Vom alten Kader der Weltmeisterschaften 2010 und 2014 ist nur noch der 37-jährige Haudegen Tim Cahill übriggeblieben, fünf Leute aus der Startformation vom Donnerstag haben noch kein großes Turnier bestritten. „Dieses Team ist sehr jung und wird die nächsten vier bis sechs Jahre zusammenspielen“, sagt Postecoglou.

Fast flehentlich bitten beide Trainer um Geduld, die ihnen aber in der Heimat nicht immer zuteil wird. „Die Fans stehen hinter uns, es wäre schön, wenn die Medien das auch täten“, schimpfte kürzlich Verteidiger Trent Sainsbury. Zuletzt gab es trotz der gewonnenen Asienmeisterschaft 2015 viel Kritik an Postecoglou, ein respektabler Confed-Cup könnte seine Position stärken, wichtiger jedoch ist die WM-Qualifikation, wo im August das Schlüsselspiel gegen Japan ansteht.

Ähnlich ist die Situation für Hugo Broos, dessen Team zwei Qualifikationsspiele gegen Nigeria zu bestreiten hat, die nach Stand der Dinge beide gewonnen werden müssen, um nächstes Jahr erneut nach Russland zu dürfen. Im Falle eines Scheiterns dürfte es eng werden für den Belgier, der Kredit des überraschend gewonnenen Afrika-Cups im Februar scheint jedenfalls schon wieder aufgebraucht. Warum er denn nicht endlich einen vernünftigen Torjäger nominiere, fragte zornig ein Journalist aus Kamerun, nachdem Vincent Aboubakar, sonst der Torlieferant vom Dienst, seine sieben Versuche, teilweise aus bester Position, alle daneben gesetzt hatte. „Wenn es einen gäbe, wäre er dabei“, sagte Broos sichtlich genervt, das Land sei derzeit eben nicht so reich gesegnet mit großartigen Fußballern.

Ob es nicht bitter sei, so kurz nach einem Riesenerfolg schon wieder so heftig kritisiert zu werden, wurde er von einem wohlmeinenden australischen Journalisten gefragt. „Ach, das ist Kamerun, daran habe ich mich gewöhnt“, antwortete Broos, „du wirst Afrikameister, und alles ist gut, dann verlierst du gegen Chile, und die ganzen Fragen sind wieder da. Aber erst den Afrika-Cup gewinnen, dann den Confed-Cup und ein Jahr darauf Weltmeister werden, so funktioniert das nicht.“ Am Sonntag den Weltmeister schlagen, ist da schon ein deutlich realistischeres, wenn auch ehrgeiziges Ziel.

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