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Verrenkt sich jetzt als Sportdirektor für Mainz 05: der ehemalige Trainer Martin Schmidt.
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Verrenkt sich jetzt als Sportdirektor für Mainz 05: der ehemalige Trainer Martin Schmidt.

FSV Mainz 05

Schockmoment als Triebfeder

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Christian Heidel und Martin Schmidt wollen bei Mainz 05 wieder „Feuer“ reinbringen.

Murmeltiertag bei Mainz 05: Christian Heidel und Martin Schmidt saßen einträchtig im Pressekonferenzraum, um virtuell die Gründe ihrer Rückkehr zu erläutern. Hätte nur noch gefehlt, dass der just bei Paris Saint-Germain vor die Tür gesetzte Thomas Tuchel erschienen und als Trainer vorgestellt worden wäre. Aber das hier ist kein Wünsch-Dir-Was, sondern das Abstiegsgespenst der Fußball-Bundesliga. Und es ist ja ehrlicherweise schon verrückt genug, dass Heidel und Schmidt, die im Mai 2016 zuletzt gemeinsam Mainz 05 vertraten, auch jetzt wieder Mainz 05 vertreten. Viereinhalb Jahre später.

Einen neuen Trainer suchen sie noch gemeinsam und zeigten sich optimistisch, dass dieser nach der zu erwartenden Abreibung am Sonntag bei Bayern München das Training leiten wird. Schmidt dementierte nicht, dass es sich dabei um Bo Svensson handeln könnte, der eine Mainzer Vergangenheit als Spieler und Nachwuchscoach hat und beim österreichischen Zweitligisten FC Liefering ausgelöst werden müsste. Svensson müsste dann nicht mit dem Minuskapital einer möglichen Klatsche in München loslegen. Diesen Job übernimmt freundlicherweise Junioren-Cheftrainer Jan Siewert.

Jan Siewert, ehemals Trainer in Huddersfield, coacht nun erst einmal Mainz 05.

Der neue Chefcoach soll einen langfristigen Vertrag unterschreiben. Heidel als neuer Vorstandsmann für Strategie, Sport und Kommunikation und Schmidt als hierarchisch darunter angesiedelter Sportdirektor verpflichteten sich zunächst nur bis Juni 2022. Sie wollen erst mal schauen, wie es sich mit dem Aufsichtsrat leben lässt, der am 9. Februar bei einer virtuellen Mitgliederversammlung neu gewählt wird. An den nicht überall übermäßig beliebten, wenngleich stets sehr selbstbewusst auftretenden Aufsichtsratschef Detlev Höhne ist das eine Botschaft, die dieser kapiert haben sollte.

Nach dem Rücktritt von Sportvorstand Rouven Schröder hatte Heidel am Morgen des Heiligabends von seinem Zweitwohnsitz Mallorca Schmidt angerufen und dem Schweizer seinen Plan eröffnet. Zwei Tage später war man sich einig - und will nun alles daransetzen, die vom ansässigen Fußballverein ziemlich genervten Bürgerinnen und Bürger wieder hinter Mainz 05 zu bekommen. „Jetzt muss die ganze Stadt aufstehen“, forderte Heidel in seiner Blut-Schweiß-und-Tränen-Ansprache, vergaß aber nicht anzufügen, dass er „nicht der Messias und nicht der Heiland“ ist. Der 57-Jährige, der sich nach seinem Schlaganfall aus dem Sommer 2019 gesundheitlich wieder tipp-top hergestellt fühlt, zeigte sich „schockiert“, wie die Leute mit Mainz 05 in den Sozialen Netzwerken umgehen. „Das kenne ich von Mainzern nicht. Hier geht es in eine falsche Richtung.“ Diese Richtung wieder umzudrehen, sei „der Grund, warum ich gekommen bin“. Er traue sich „zu versprechen, dass die Mannschaft den Rasen umpflügen wird“. Eine kühne Vorgabe für eine Truppe ohne Hirn und Halt.

Schmidt nannte die Strategie ein „Vorwärts zu den Wurzeln“. Mainz 05 müsse sich wieder über „Balljagen, Pressing und Tempofußball“ definieren. Dumm nur, dass das genau das Gegenteil dessen ist, was zuletzt geboten wurde. In Gesprächen mit Ex-Sportchef Schröder wollen Heidel und Schmidt nun ausloten, wo es hapert. Letzterer scheint die grobe Antwort schon zu kennen: „Es ist viel Qualität in der Mannschaft, aber es muss Teamspirit und Feuer rein.“

Schmidt, der nach seinem guten ersten Profitrainerjob in Mainz wenig erfolgreiche Engagements in Wolfsburg und Augsburg erlebte, hat sich laut Selbstauskunft schon seit längerem damit beschäftigt, die Seiten ins Management zu wechseln. Als Betriebswirtschaftler, der zwei Unternehmen aufgebaut hat, fühle er sich dafür gewappnet. „Ich bringe viel mit, und das, was mir noch fehlt, quetsche ich aus Christian raus.“

Heidel erläuterte auf Nachfrage noch seine Lebenssituation als Pendler zwischen Mallorca und Mainz. Lebensgefährtin und Tochter würden auf der Insel wohnen bleiben, er selbst sehe seinen Lebensmittelpunkt in Mainz mit gelegentlichen Flügen nach Spanien. Und er erklärte, dass er sich bei seiner Entscheidung auch wegen der enormen Erwartungshaltung enorm „unter Druck gefühlt“ habe. Einem Druck, den er bei einem anderen als seinem Herzensverein wohl nicht standgehalten hätte.

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