Bayern_231020
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Gut gemacht: Leon Goretzka und Robert Lewandowski.

Champions League

Schock schnell verdaut

  • vonJosé Carlos Menzel López
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  • Hanna Raif
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Die Bayern siegen trotz Serge Gnabrys Corona-Infektion souverän und senden beunruhigende Botschaften an die Konkurrenz.

Die Aussagen „sehr zufrieden“ und „zum Genießen“ fielen am Mittwoch nach Abpfiff, und das war für alle Beteiligten eine kleine Genugtuung. Denn für diejenigen, die die 24 Stunden vor Anpfiff beim FC Bayern verfolgt oder gar miterlebt hatten, hatte dieses 4:0 gegen Atletico Madrid gleich zwei eindeutige Botschaften gesendet. Die erste ging an die europäische Konkurrenz, der das Team von Hansi Flick gezeigt hatte, dass die Triple-Form auch in der neuen Spielzeit anhält. Die andere, an diesem Tag vielleicht wichtigere, ging an alle da draußen. Sie lautete: Selbst Corona zur Unzeit kann diese Bayern nicht stoppen.

„Es war schon ein Schock“, sagte Leon Goretzka, als er auf den positiven Test von Serge Gnabry angesprochen wurde. Natürlich sei dem Torschützen zum 3:0 klar gewesen, „dass es irgendwann bei uns einschlagen wird. Denn es war wie eine Lawine, die an einen immer näher herangekommen ist.“ Allerdings, so führte Flick aus, sei die Tatsache, „dass es so schnell und vor so einem Spiel passiert“, doch unglücklich gewesen. Dass die Mannschaft die Schreckensmeldung „gut weggesteckt und eine gute Leistung gezeigt“ habe, war für die Bayern an diesem Abend eine schöne Momentaufnahme, dürfte sie aber vor allem positiv für die Zukunft stimmen. Denn auch wenn Karl-Heinz Rummenigge hofft, „dass das ein Einzelfall war und wir weiter mit voller Kapelle antreten können“: Ausgeschlossen ist es freilich nicht, dass sich weitere Profis bei Gnabry infiziert haben, bevor sich der Nationalspieler in häusliche Quarantäne begab.

Appell an Spieler

Die Diagnose hatte die Bayern am Tag vor dem Spiel recht früh ereilt, intern ging man aber nie davon aus, dass die Partie abgesagt oder verlegt werden müsse. Dennoch zitterten die Verantwortlichen so lange, bis das Gesundheitsamt München nach einem Telefonat mit Gnabry sowie Befragungen zu den Hygienemaßnahmen an der Säbener Straße grünes Licht gab – und die Corona-Tests der übrigen Spieler negativ waren. Angst vor dem eigenen Ergebnis habe zumindest er nicht gehabt, sagte Goretzka. Ein wenig Bammel aber gehört dieser Tage dazu. Auch gestern, auch heute, auch morgen, wenn Eintracht Frankfurt in München gastiert. Die Bayern testen nun noch engmaschiger als vorher – und appellierten an ihre Spieler.

„Die Sinne noch mal schärfen“ will Rummenigge, „damit wir noch mal ohne großen Schaden rauskommen“. Der Vorstandsboss erinnert sich noch gut an den Re-Start der Bundesliga im Mai, der für alle anderen Ligen und Wettbewerbe des Kontinents als Vorbild galt. Er erinnert sich aber auch an die Zeit davor – und sagte daher: „Ein nochmaliger Lockdown für den Fußball wäre ein Drama.“ Auch Flick mahnte öffentlichkeitswirksam und eindringlich: „Wir müssen uns weiterhin an die Hygieneregeln halten, gucken, dass wir Masken tragen, Abstand haben. Anders können wir uns nicht schützen.“

Eine „Kontaktperson 1“ hat es zu Gnabry nicht gegeben, sonst hätte das Gesundheitsamt eingegriffen. Dennoch muss man weiter abwarten, was passiert. Die Bayern hoffen, auf dem Platz weitermachen zu können wie bisher. Mit nahezu allen Mann – auch Leroy Sané steht kurz vor einer Rückkehr. Und „bravourös, souverän, erfolgreich“, wie Flick am Mittwoch formulierte.

Gnabry, der symptomfrei ist, sah wie alle Fans vor dem TV, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist. „Die Effizienz war enorm gut, ein Tor schöner als das andere. Das lassen wir so stehen“, sagte Flick mit Blick auf die Treffer von Coman (28./72.), Goretzka (41.) und Tolisso (66.). Der Auftritt rund zwei Monate nach dem Finalsieg von Lissabon sei nun „die Messlatte“. Flick stellte klar: „Das wollen wir auch in der Bundesliga und im Pokal sehen.“ Dabei ging es dem 55-Jährigen gar nicht unbedingt um das Offensivspiel, sondern vor allem um „die Präsenz in den Zweikämpfen“. Jeder wollte, jeder rannte, jeder kämpfte. Flick konnte also tatsächlich 90 Minuten lang „einfach genießen“.

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