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Fotoprobe zur WM-Auslosung in Moskau: Die Fingernägel muss sich niemand abkauen - so spannend ist die Angelegenheit nicht.

WM-Auslosung

Schmierseife in die WM

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Wer Weltmeister werden will, muss ohnehin alle Konkurrenten aus dem Feld räumen. Und doch ist ein erfolgreiches Auftaktergebnis nicht unwesentlich. Ein Kommentar.

An diesem Freitagnachmittag blickt die Welt, die ein Fußball ist, nach Moskau, in den Kremlpalast. Dort werden bekanntermaßen die Gruppenspiele für das - trotz der Winterspiele in Südkorea - größte sportliche Ereignis des Planeten im Jahre 2018 ausgelost, nach Möglichkeit ohne Wärmeverluste und kalte Hände.

Klar, es sind wieder alle Großen des Fußballsports in die russische Kapitale geeilt, jeder will hautnah Zeuge sein, wenn die Kugeln rollen, keiner wird fehlen beim milliardenschweren Spektakel, das bis in die hinterletzten Winkel dieser Erde live und in Farbe übertragen wird.

Dabei hält sich die Spannung hierzulande doch in Grenzen. Deutschland gegen Peru, Iran oder Panama? Oder doch mit Kroatien, Ägypten oder Saudi-Arabien? Womöglich Spanien, Costa Rica und Nigeria? Wer sich das sprichwörtliche Losglück der Auswahl der besten Fußballer Deutschlands ins Gedächtnis ruft, braucht sicherlich nicht mit abgekauten Fingernägeln atemlos vor dem Fernseher zu sitzen.

Einer wie Olaf Thon, Weltmeister von 1990 - nach Gruppengegnern Jugoslawien, Vereinigte Arabische Emirate, Kolumbien - schon mal gar nicht: Der sagte im „Kicker“ kürzlich, es sei „völlig unerheblich, wer uns zugelost“ werde, Deutschland komme eh ins Finale. Viel mehr müssten die anderen Nationen bibbern, gegen die Löw-Truppe antreten zu müssen.

Doch ganz so locker-flockig war der deutsche WM-Weg ins Achtelfinale – außer bei der Heim-WM 2006 (Costa Rica 4:2, Polen 1:0, Ecuador 3:0) – bei den letzten Turnieren nie: 2002 (Saudi-Arabien 8:0, Irland 1:1, Kamerun 2:0) musste die DFB-Elf kämpfen, 2010 in Südafrika (Australien 4:0, Serbien 0:1, Ghana 1:0) sogar bangen, 2014 (Portugal 4:0, Ghana 2:2, USA 1:0) sich zumindest leicht sorgen. Im Endeffekt wird es bei Weltmeisterschaften, anders als bei einer EM, ohnehin erst ab dem Viertelfinale so richtig knackig. Erst dann hat sich die Spreu vom Weizen getrennt, erst dann treffen die Schwergewichte aufeinander - sofern sie noch im Turnier sind. Dann, wenn es darauf ankommt, muss ein Team in Form und bereit sein.

Ohnehin ist ja immer die Frage, was sinnvoller ist für einen erfolgreichen Turnierverlauf: eine (halbwegs) schwere Gruppe zu erwischen, um gleich von Anfang an gefordert und konzentriert zu sein. Oder mittels einer (vermeintlich) leichteren Gruppe nach und nach ins Turnier zu finden. Erfahrungsgemäß ist ein erfolgreiches Auftaktergebnis förderlich für den weiteren Verlauf des Turniers, das ist sozusagen die Schmierseife in die WM.

Und doch werden Joachim Löw und sein Team vermutlich nicht drum herumkommen, die Auslosung so zu nehmen, wie sie ist. Und wer Weltmeister werden will, muss ohnehin alle Konkurrenten aus dem Feld räumen. Ob nun Iran, Panama oder vielleicht Frankreich oder Brasilien. Aber nicht in der Gruppenphase.

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