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Mochte zum Schluss nicht mehr hinsehen: Ex-Köln-Coach Achim Beierlorzer.

Köln - Hoffenheim 1:2

Schluss mit lustig

Nach der Trennung von Trainer Achim Beierlorzer und Sportchef Armin Veh taumelt der 1. FC Köln führungslos in die Karnevalszeit.

Auf das traditionelle Training in Karnevalskostümen am Elften im Elften verzichtet der 1. FC Köln in diesem Jahr – die Situation bei dem taumelnden Fußball-Bundesligisten ist also wirklich ernst. Rechtzeitig zu Beginn der närrischen Zeit am Montag muss der FC einen neuen Sport-Geschäftsführer und einen neuen Trainer finden.

Die Einheit am Montag um 10 Uhr werden die beiden Interimstrainer Andre Pawlak und Manfred Schmid leiten – und die Spieler anders als in den vergangenen Jahren nicht mit Pappnase oder im Ringelhemd auflaufen. Das wäre angesichts der jüngsten Entwicklungen im Klub auch völlig unangebracht – oder aber besonders angebracht. Je nach Sichtweise.

Das bittere 1:2 (1:0) gegen die TSG Hoffenheim am Freitagabend hatte das Aus von Trainer Achim Beierlorzer besiegelt, was der Tabellenvorletzte am Samstagmittag nach einer Krisensitzung mitteilte. Schon 15 Stunden vorher, unmittelbar mit Abpfiff, war verkündet worden, dass Sportchef Armin Veh, dessen Abschied zum Saisonende längst feststand, mit sofortiger Wirkung geht.

Der Schritt, den „hoch kompetenten Trainer“ Beierlorzer zu entlassen, sei zwar bedauernswert, sagte Frank Aehlig, der nach Vehs Abschied nun vorläufig die sportliche Leitung übernommen hat. Allerdings sei die Trennung angesichts der schlechten Ergebnisse alternativlos: „Es ist unsere Aufgabe, alles dafür zu tun, dass der FC seine Ziele erreicht.“ Wie geht es nun weiter? Klar ist, dass Bruno Labbadia nicht als Ersatz für Beierlorzer kommen wird. Aehlig bestätigte zwar, dass er Labbadia angerufen habe, aber: „Er hat mir gesagt, dass es für ihn im Moment keine Option ist.“

Zu den von Kölner Medien ins Spiel gebrachten Tayfun Korkut und Pal Dardai äußerte sich Aehlig nicht. Korkut (45) hat bei seinen Stationen in Hannover, Kaiserslautern, Leverkusen und zuletzt Stuttgart nicht nachhaltig Erfolg gehabt, und der langjährige Hertha-Coach Dardai (43) soll ab kommendem Jahr wieder als Jugendtrainer bei den Berlinern arbeiten.

Wer auch immer die Nachfolge antritt – er wird eine verunsicherte Mannschaft vorfinden. Diese hatte für ihre Leistung am Freitagabend gegen einen starken Gegner erneut Komplimente bekommen. Aber eben keine Punkte, diesmal nach einem besonders zynischen Spielverlauf. Tief in der Nachspielzeit des zerfahrenen Spiels korrigierte Schiedsrichter Robert Kampa seine Ursprungsentscheidung, Freistoß für Köln, mit Hilfe des Videoschiedsrichters zu – Elfmeter für Hoffenheim. Jürgen Locadia traf in der 98 Spielminute zum TSG-Sieg.

Der zweitschlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte hat aber andere Gründe als dauerndes Pech mit Spielentwicklungen. Köln hat die ligaweit schwächste Offensive und kassiert im Schnitt zwei Tore pro Spiel – und hat neben den guten, aber ertraglosen Auftritten gegen die Topteams auch absolute Aussetzer geliefert. Etwa gegen Hertha (0:4), Fortuna Düsseldorf (0:2) und im Pokal beim Viertligisten 1. FC Saarbrücken (2:3). Es wartet also viel Arbeit – zunächst muss der FC aber das Personal finden, mit dem er diese Probleme angehen will.

Zu wünschen bleibt den Kölnern, dass sie sich auf dieser Suche glücklicher anstellen als bei der Trennung von der sportlichen Leitung. Beschlossen war das sofortige Veh-Aus schon vor dem Spiel gegen Hoffenheim, kommuniziert wurde es erst unmittelbar danach. Die 90 Minuten verfolgte Veh, der seit Donnerstagabend Bescheid wusste, außer Dienst neben seinen vormaligen Geschäftsführerkollegen Alexander Wehrle und Präsident Werner Wolf. Die Führung durch Jhon Cordoba in der ersten Halbzeit nahm er ohne jede Regung hin. Innerlich schien er längst woanders zu sein als im wilden Köln. (sid/FR)

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