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Schlechte Stimmung bei den dänischen Fußballerinnen

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Von: Frank Hellmann

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Bildeten früher ein starkes Sturmduo für Dänemark: Nadia Nadim (links) und Pernille Harder.
Bildeten früher ein starkes Sturmduo für Dänemark: Nadia Nadim (links) und Pernille Harder. © IMAGO/ZUMA Wire

Stürmerin Nadia Nadim sorgt für Unmut, weil sie als Botschafterin für die Männer-WM in Katar auftritt.

Pernille Harder, das liegt in der Natur der Sache, zieht beim dänischen Nationalteam die Blicke auf sich. Kapitänin und Starstürmerin, Kämpferin für Gleichberechtigung und Verfechterin für Frauenrechte. Nebenbei macht die 29-Jährige auch auf Stimmungskanone, wie kürzlich ein Video belegt, in dem sie in kurzer Hose ein flottes Tänzchen in der Kabine hinlegt. Doch sie verschweigt nicht: „Manchmal gibt es auch harte Sachen. Es ist nicht immer nur ein ‚Tanz auf Rosen‘.“ Nun tobt nicht gleich ein Rosenkrieg beim ersten deutschen Gruppengegner, doch eine handfeste Auseinandersetzung hinter den Kulissen belastet das Binnenklima.

Sturmkollegin Nadia Nadim, mit der Harder vor fünf Jahren so prächtig harmonierte, als die unerschrockenen Däninnen erst Deutschland (2:1) im EM-Viertelfinale überrumpelten, hat sich dazu entschlossen, die Männer-WM in Katar zu bewerben. Die gebürtige Afghanin, die so gerne als Beispiel für Integration genommen und zur „Dänin des Jahres“ gewählt wurde, nimmt eine Rolle als Botschafterin für das Wüsten-Emirat ein, was zu einer fast tumultartigen Medienrunde führte. Die 34-Jährige gab zu, dass sie dafür Geld bekomme, „aber nicht sehr viel“.

Es herrsche ein brüchiger Burgfrieden im Teamhotel am Royal Richmond Park in London, heißt es. Verbandsdirektor Peter Möller zeigte sich „super verärgert und enttäuscht“ über Nadim, das gehe „gegen alles, wofür wir stehen.“

Und Harder sagte: „Ich hätte das nicht gemacht.“ Die Weltklasseangreiferin vom FC Chelsea, die einst beim VfL Wolfsburg (2017 bis 2020) ihr Profil schärfte und zur Persönlichkeit reifte, könnte in Katar ja beispielsweise ihre Partnerin Magdalena Eriksson nicht mal öffentlich küssen. Nadim beteuerte in einer Pressekonferenz, sie wolle sich dafür einsetzen, dass Harder und ihre Freundin genau das irgendwann dürfen. Wie ehrlich war diese Aussage?

Ehe die 100-fache Nationalspielerin Nadim (34 Tore) zu ihrem aktuellen US-Klub Racing Louisville in Kentucky ging, war sie zwei Jahre für Paris St. Germain am Ball. Auf ihrer Homepage erscheint noch immer das Bild, wie sie das Trikot jenes Klubs hält, der von einem katarischen Staatsfonds finanziert wird. So ist aus der Vorzeigefrau eine Reizfigur geworden.

Dabei hat sie so viel durchgemacht, um in einer anderen Welt anzukommen. Nachdem ihr Vater von den Taliban ermordet wurde, „beschloss meine Familie, aus Afghanistan zu fliehen“. Eigentlich wollten sie nach London, kamen mit gefälschten Pässen nach Italien, stiegen in einen Lastwagen. Doch Nadim strandete in Dänemark, wo ihr der Fußball den Halt vermittelte, um Karriere zu machen. Nadim hat neun Sprachen gelernt, ihr Medizinstudium an der Universität in Aarhus abgeschlossen.

Obwohl sie zuletzt noch die Folgen eines Kreuzbandrisses auskurierte, nominierte sie Nationaltrainer Lars Søndergaard für die EM. Doch obwohl sich inzwischen sogar UNESCO Dänemark und die Flüchtlingshilfe von Nadim distanziert haben, denkt der 63-Jährige nicht an einen Rauswurf. Nadim verhalte sich „extrem demütig.“

Wahrscheinlich will der dänische Coach das Problem aussitzen, denn Søndergaard weiß, dass der Teamgeist eigentlich die wichtigste Tugend für seine Auswahl ist. Zuletzt setzte er seine Nummer neun im Test gegen Norwegen (1:2) gar nicht ein. In seinem 4-3-3-System ist ohnehin alles auf Harder zugeschnitten, an den Flügeln spielen Rikke Madsen und die zuletzt zu Manchester United ausgeliehene Signe Bruun. Beide sind zehn Jahre jünger als Nadim, für die bei den dänischen Fußballerinnen generell kein Platz mehr scheint.

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