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Untendurch: Mats Hummels gegen Ajax-Keeper Andre Onana.

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Schlechte Laune bei den Bayern

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Die Münchner rätseln über ihren Leistungsabfall ? und Trainer Kovac will sich erst sortieren.

Der Trainer war gut drauf. Er hielt Hof, das gefällt ihm am besten, denn er ist ein ziemlicher Narzisst. Er gab freudig Auskunft, wie das 1:1 zwischen dem FC Bayern und Ajax Amsterdam zu bewerten sei, die Deutungshoheit beansprucht er für sich, dann formte er mit den Händen einen Trichter vor dem Mund und pustete, bis sein Kopf bedenklich rot zu leuchten begann. Er imitierte einen Elefanten. Die niederländischen Journalisten, für die er gerade Hof hielt, lachten. Louis van Gaal war gut drauf.

So, wie der 67-Jährige am Dienstag in den Katakomben der Münchner Arena auftrat, war es leicht, zu vergessen, dass er ja gar nicht mehr Trainer ist. Weder bei Bayern noch irgendwo sonst. Er schaute das Spiel seiner beiden ehemaligen Klubs als Privatier, aber natürlich war er danach als Gesprächspartner gefragt.

Ob es ein Wiedersehen mit Uli Hoeneß gegeben habe, mit dem er zu seiner Zeit in München einen bilderbuchmäßigen Alphatierkampf ausgetragen hat? Ja, sagte van Gaal, „es war sehr warm. Ich habe ihn umarmt.“ Er war eigentlich schon zur Tür draußen, dann machte er noch einmal kehrt, um einen Gedanken loszuwerden: „Ich weiß, dass der FC Bayern Uli viel zu verdanken hat. Dass wir nicht miteinander klargekommen sind, ist das Leben. Das passiert anderen Leuten auch.“

Einen Kommentar zur Lage der Bayern verkniff sich van Gaal. Das Schlitzohr meinte nach dem dritten sieglosen Spiel der Münchner nacheinander auf die Frage, was nun passieren müsse, nur: „Das müssen Sie den Uli fragen.“ Da lieferte er ein wahres Bonmot. Bei den Bayern hat nach dem 1:1 gegen Ajax nämlich das große Rätseln eingesetzt, warum es nach sieben Pflichtspielsiegen plötzlich zum Leistungsknick gekommen ist. Da ist jeder Meinungsbeitrag willkommen, sicher nicht zuletzt der von Hoeneß.

Niko Kovac saß seinerseits bedenklich ratlos auf dem Podium der Pressekonferenz. Er müsse das „jetzt erst mal verarbeiten“, sagte der Trainer, „ich muss meine Gedanken sortieren und sehen, warum die Leistung in den letzten drei Spielen so war, wie sie ist.“ Es sei nicht nur für ihn überraschend, „sondern wir alle haben uns das anders erwartet“. Man müsse, so der Coach, jetzt versuchen, „diese drei Spiele zu vergessen“.

Einen Plan hatte nur Ajax

Einfach einmal die Löschtaste drücken erscheint allerdings zu simpel. Und die kritischen Töne gewinnen unversehens an Schärfe, auch intern. Die Münchner steuern auf eine interessante Phase zu, unerwartet früh und unvermutet: Nicht nur im Umfeld wird man sorgfältig beobachten, wie der Münchner Neuling Kovac nun reagiert. Auch die Spieler haben Antennen, zumal in einem Kader wie dem FC Bayern, der viele Routiniers beschäftigt. Der Lackmustest läuft: welche Farbe hat Kovac?

Das Problem zieht sich nun schon länger, sagte Joshua Kimmich: „Wir haben viel Ballbesitz, aber keine Ideen in Richtung Tor. Bei Ajax hatte man das Gefühl, dass sie einen klaren Plan mit und ohne Ball haben.“ Erik ten Haag meinte, man habe die Hausherren „hoch abgefangen, das hat ihnen nicht gefallen“. Es hätte nicht viel gefehlt, und Amsterdams Coach hätte einen Sieg feiern dürfen.

Die Bayern sind hinten unsicher und vorne nicht kaltschnäuzig, und so, wie James bereits wenige Minuten nach Spielende das Weite suchte, gibt es zumindest einen unzufriedenen Hochkaräter, der besänftigt werden muss. „Wir haben einen großen Willen, machen aber gerade vieles falsch“, sagte Thomas Müller, „wir haben Fußball nicht mit so viel Spaß gespielt, wie Ajax das ausgestrahlt hat. Es bringt uns jetzt nichts, wenn wir in Selbstkritik zerfallen. Die Stimmung ist aber nicht prickelnd, das kann man sich ja vorstellen“, so  Müller. Gute Stimmung herrscht nur bei Männern wie Louis van Gaal.

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