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RB Leipzig: Schlechte Gewinner

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Von: Jan Christian Müller

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Schlecht gelaunter Gewinner: Domenico Tedesco.
Schlecht gelaunter Gewinner: Domenico Tedesco. © Jan Woitas/dpa

Selbst in der Stunde ihres größten Erfolgs können Verantwortliche von RB Leipzig nicht aus ihrer Haut: Sie nörgeln und bestätigen ihr mieses Image. Ein Kommentar.

Man kennt im Sport, vordringlich im professionellen Fußball, den Typus des „schlechten Verlierers“ ja leider zur Genüge. Er zeichnet sich, statt eigene Fehler selbstkritisch zu analysieren, vordringlich aus durch öffentliches Mokieren über den vorgeblich Hauptschuldigen: den Schiedsrichter. Der neue deutsche Pokalsieger RB Leipzig hat diesem wenig vorbildhaften Gewese nun einen neuen Spin hinzugefügt, den man in dieser ausgeprägten Form so noch nicht kannte: den des „schlechten Gewinners“.

Kurze Zündschnur bei Oliver Mintzlaff

Offenbar kümmert es die Protagonisten des Retortenklubs wenig, dass ihre überregionalen Sympathiewerte weiterhin ausbaufähig sind. Oder aber, die ständige Nörgelei an ihrem - dank der hohen Kunst der Winkeladvokatie umgesetzten - Konstrukt führt zu einer Art Trotzeffekt. Nach dem Motto: Wenn uns sowieso so viele Menschen nicht mögen, erfüllen wir halt deren Erwartungshaltung möglichst vollumfänglich.

Das könnte erklären, weshalb Trainer Domenico Tedesco eine Aura verbreitet, die die Älteren unter uns verdächtig an Henry Fondas undurchdringliche Maske in Sergio Leones Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ erinnert.

Oder auch, wie sich RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff nach dem Pokalsieg geriert. Geht zum Referee und teilt diesem im Moment des größten Triumphs der doch sehr überschaubaren Klubhistorie mit, er sei nicht zufrieden mit dessen Performance gewesen. Stellt sich danach vors TV-Mikrofon und wiederholt diese Kritik in einer maximal unvorteilhaften Form der Selbstgerechtigkeit.

Der Sarkasmus des Domenico Tedesco

Bald darauf erscheint Tedesco im Fernsehen und nörgelt an einer (leider) regelkonformen Handspielentscheidung herum, ehe er sich voller Sarkasmus („Muss ich sagen: Respekt!“) an einem in einer komplexen Zweikampfsituation nicht gegebenen Strafstoß am Unparteiischen abarbeitet.

Man kann sich vor dem Hintergrund dieses Gebarens der Gewinner unschwer vorstellen, wie sich die Herren im Angesicht einer Niederlage verhalten hätten, Aber auch so haben zumindest zwei Pokalsieger an diesem Abend verloren. Und zwar völlig ohne Not.

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