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Danebengegriffen: Mainz-Keeper Zentner beim Tor zum 1:3 in Gladbach.

Mainz 05

Schläfchen zur Unzeit

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Der FSV Mainz verliert in Gladbach und ärgert sich vor allem über zwei Gegentore bei Standardsituationen. Auch Torwart Zentner sieht nicht gut aus.

Die Frage nach dem Spitzenspiel am nächsten Samstag in seiner Heimatstadt Leipzig umkurvte Marco Rose erst einmal elegant – denn viel lieber wollte Gladbachs Chefcoach über die Herrschaften vor Ort sprechen. „Mainz ist für mich Heimat und mein Ex-Verein. Ich habe heute viele liebe alte Bekannte getroffen. Mainz ist eine tolle Stadt, meine Tochter ist dort geboren – und ich drück‘ dem FSV ab jetzt die Daumen“, erwähnte der frühere Verteidiger, der neun Jahre für die Nullfünfer spielte und dort auch seine Trainerkarriere begann. Und erst als er die Botschaft an seinen früheren Klub formuliert hatte, sprach Rose über die Möglichkeit, mit einem Auswärtssieg bei RB demnächst den Tabellenführer zu überflügeln.

Stabile Flügel hätte beim 1:3 im Borussia-Park auch Gästekeeper Robin Zentner brauchen können – beim letzten Treffer der Gastgeber, zwei Minuten vor Schluss. Nach einer Kopfballabwehr weit vor dem Strafraum eilte Zentner wie vom Teufel gejagt zurück Richtung eigenes Tor, um die Finger noch irgendwie an den perfekten Heber des Gladbachers Florian Neuhaus aus knapp 40 Metern zu bekommen. Doch der Versuch schlug fehl – auch, weil dem Schlussmann der Rheinhessen das Timing beim Absprung vor der Kreidelinie misslang.

„Als Gladbach-Fan würde ich sagen: ein Zaubertor. Als Mainz-Angehöriger sage ich: Den kann er halten“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder, gratulierte Neuhaus zu seinem Kunstschuss – und analysierte dann Zentners Bewegungsablauf in den entscheidenden Sekunden: „Beim Zurückrennen kommen das Thema Orientierung und die Frage ‚Wie weit bin ich vom Ball entfernt?‘ ins Spiel. Dann ist er abgesprungen und hat plötzlich gemerkt, dass der Ball noch ein bisschen weiter von seiner Hand weg ist. Das war bitter, denn mit dem Tor waren wir raus aus dem Spiel.“

„Beautiful Trauma“ – der Titel der stimmgewaltigen US-Röhre Pink (die darin allerdings von einer zerstörerischen Liebe singt) wäre ein passende Überschrift über die gewaltige Gefühlsdiskrepanz zwischen dem verzweifelten Zentner und dem gewitzten Neuhaus gewesen. Zumal den ersten Ballfänger des FSV und seine Kollegen am Niederrhein die eigene Vergangenheit einholte. Schließlich hatte Zentner in Gladbach schon mal für eine hochkarätige Slapstick-Einlage gesorgt, als er im November 2017 bei einem Abspielversuch übersah, dass er den Ball zuvor Richtung eigenes Tor gespielt hatte – und so ein irrwitziges (aber immerhin folgenloses) Luftloch schlug. Während die Mainzer – das Team mit den meisten Gegentoren in der Liga – von den Fohlen gerade besonders schmerzhaft an ihr Hauptproblem erinnert wurden.

Denn die frühe Führung durch Robin Quaison kehrte sich für das Team von Achim Beierlorzer ins Gegenteil um, weil die abstiegsbedrohten Gäste bei zwei Freistößen in Tiefschlaf verfielen. Nutznießer war nach 24 und 76 Minuten jeweils Doppeltorschütze Alassane Plea. Im ersten Fall waren sich die ansonsten guten Defensivspezialisten Moussa Niakhaté und Jeremiah St. Juste uneins, Plea sagte ‚Merci‘. Beim zweiten schob Oscar Wendt den Ball schnell zu Patrick Herrmann – und nach dessen Flanke kam Quaison gegen Plea einen Schritt zu spät.

„Beim Ausführen von Standards waren wir wachsamer als der Gegner“, sagte Borussen-Trainer Rose schelmisch. Sehr zum Verdruss von FSV-Innenverteidiger Alexander Hack, der betonte: „Nach einem guten, intensiven Spiel tut das einfach weh. Zwei Gegentore nach Standards, beide mit dem Fuß erzielt, dürfen uns nicht passieren. Vor allem beim zweiten war bei uns gefühlt keiner wach. Das geht nicht – denn nur, wenn du in jeder Sekunde wach und aktiv bist, holst du Punkte. Aber so, wie wir gerade spielen, nicht.“

Bank-Chef Beierlorzer („Flanke, Schuss, Tor – das ist zu einfach“) zieht nun bereits vorsichtig in Erwägung, womöglich mal eine komplette Trainingseinheit nur mit dem Verteidigen von Freistößen zu füllen. Die Vorfreude auf das Heimspiel gegen die Bayern am nächsten Samstag will sich der gebürtige Franke durch die bedrohliche Lage im Liga-Keller aber keinesfalls nehmen lassen. „Das ist ein wunderbares Bundesligaspiel – bei uns in Mainz, vor ausverkaufter Kulisse“, schwärmt der 52-Jährige. „Das sollten wir genießen, so wie jedes Spiel. Und was am Ende dabei rumkommt, werden wir sehen.“

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