1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Schiri im Mittelpunkt

Erstellt:

Von: Hanna Reif

Kommentare

Gleich schlägt es ein: Bellingham tritt Davies ins Gesicht.
Gleich schlägt es ein: Bellingham tritt Davies ins Gesicht. © imago

Deniz Aytekin verzichtet auf eine Hinausstellung für BVB-Profi Jude Bellingham – das versteht nicht jeder.

Jude Bellingham und die Schiedsrichter – das ist ja so ein Thema für sich. Diesmal, nach dem 2:2 im Topspiel gegen den FC Bayern, gab sich der 19-Jährige aber deutlich kleinlauter als noch nach dem letzten Clasico. Zur Erinnerung: Damals hatte der frustrierte Engländer im BVB-Trikot für einen handfesten Eklat gesorgt, als er den unglücklichen Felix Zwayer öffentlich an seine Beteiligung im Manipulationsskandal erinnerte. Am Samstagabend hingegen musste er Deniz Aytekin danken, dass er nicht schon vor der Halbzeit mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war.

Selten hat man nach einer Partie einen so gefragten Referee gesehen wie Aytekin in Dortmund. Schnell geduscht und frisiert, dann ging es für den 44-Jährigen von TV-Kamera zu TV-Kamera. Gehetzt und mit seinem Ex-Kollegen und heutigen Experten Manuel Gräfe im Schlepptau sprach der gebürtige Franke – dessen Ansetzung schon für Diskussionen gesorgt hatte – in Dauerschleife über diese eine Szene, die sich kurz vor dem Halbzeitpfiff ereignet hatte. Im Fokus: Bellinghams rechtes und zu hoch gestrecktes Bein – und das rechte Auge von Alphonso Davies.

„Das war sicherlich keine Absicht, aber er kommt zu spät“, sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer und bewertete die Aktion als „spielentscheidend“. Obwohl Davies sofort zu Boden ging und mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hatte Aytekin auf eine Gelbe Karte verzichtet. Für den zuvor bereits verwarnten Bellingham war das Glück, für viele andere Beteiligten: unverständlich.

„Wir hatten vor vier Monaten eine Schulung. Wenn du einen Spieler mit einem hohen Fuß im Gesicht triffst, ist es eine glatte Rote Karte. Ich weiß nicht, ob das andere Regeln waren“, sagte der angefressene Julian Nagelsmann. Zu diskutieren, führte der Bayern-Trainer aus, gebe es da „nicht viel. Er tritt ihm volle Kanne ins Gesicht.“ Deshalb wäre sogar eine Gelbe Karte zu wenig gewesen: „Das ist Rot!“

Aytekin hatte Verständnis für diese Meinung, war aber um Aufklärung bemüht. Weil Bellingham den von hinten heraneilenden Davies nicht früh genug gesehen und dessen Kopf sich auch ein Stück nach unten bewegt habe, „hat mir die letzte Überzeugung gefehlt“. Er sei sich bewusst, dass er das Spiel mit dem Platzverweis für Bellingham entschieden hätte, blieb aber bei seiner Einschätzung. Immerhin fügte er an: „Vielleicht war es ein Tick zu viel Empathie. Ich kann jeden verstehen, der es anders sieht und anders auslegt.“

Dass später Kingsley Coman mit Gelb-Rot vom Platz musste, ging in der Debatte fast unter. Kahn fragte gestern per Twitter: „Wo war da die Empathie?“ Aytekin hatte eine klare Linie verfolgt, in dieser einen Szene aber wohl falsch entschieden. Für die Bayern war das doppelt bitter, weil Dortmund zurückkam – und Davies wie der an den Adduktoren verletzte Matthijs de Ligt nun auszufallen droht. Immerhin erreichte ihn in der Klinik eine Nachricht von Bellingham: „Ich will niemals jemanden verletzen.“

Auch interessant

Kommentare