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Fröhlich und seine Schiedsrichter wollen künftig härter gegen Lamentieren, Reklamieren und Rudelbilden vorgehen.

Fußball-Bundesliga

Die Schiedsrichter ziehen eine neue rote Linie

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Das Lamentieren und Zeitschinden der Fußballprofis soll ein Ende haben, die Unparteiischen wollen konsequenter durchgreifen. Verhaltensvorbilder finden sich gerade bei der Handball-EM. Ein Kommentar.

Beim Schiedsrichterchef des Deutschen Fußball-Bundes handelt es sich um einen ausgesucht freundlichen Mann. Er heißt Lutz Michael Fröhlich und war früher ein Fifa-Referee, der mit sanfter Tour auf dem Platz für Ordnung sorgte. Bis der in der Regel fröhliche Berliner mal unfröhlich wird, muss schon einiges passieren. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass der Sportliche Leiter der Eliteschiedsrichter nach deren Trainingscamp im portugiesischen Lagos eine deutliche Botschaft an die Bundesligaprofis und deren Trainer verbreitete.

Diese Botschaft ist nach allem, was man nicht nur in der abgelaufen Vorrunde gesehen hat, längst überfällig. Fröhlich und seine Schiedsrichter wollen künftig härter gegen Lamentieren, Reklamieren, Rudelbilden, unter Druck setzen des Schiedsrichters, Vortäuschen von Fouls, Zeitverzögerungen und Kartenfordern vorgehen. Denn, so Fröhlich: Derartiges Benehmen färbe „von den Topligen auf den Fußball der breiten Basis ab“. Diesen „negativen Signalen“ wollen Deutschlands Bundesliga-Unparteiische endlich vehementer entgegentreten und laut Fröhlich „durch konsequentes Vorgehen gegen Unsportlichkeiten und übermäßig aggressives Verhalten“ einen „klaren Weg gehen“.

 Lutz Michael Fröhlich.

Tatsächlich hat sich die Kultur der alltäglichen unerträglichen Respektlosigkeit gegenüber dem Schiedsrichter in keiner anderen Sportart so tief eingenistet wie im Fußball. Einzelne gewalttätige Exzesse im Amateurfußball sind Ausfluss dieser Rücksichtslosigkeit. Fröhlich hat zudem richtig erkannt, dass sich Spieler in Uefa-Wettbewerben durchweg besser zu benehmen wissen, weil ihnen bekannt ist, dass sie andernfalls härter dafür sanktioniert werden. Gleiches gilt für Trainer, die sich im Bundesligaalltag oft verhaltensauffälliger zeigen als an den europäischen Feiertagen.

Gerade erhält ein Millionenpublikum im Land bei den Spielen der Handball-EM wunderbaren Anschauungsunterricht, wie man sich auf dem Spielfeld nahezu vorbildlich verhalten kann; wie man Schiedsrichterentscheidungen auch dann als richtig anerkennt, wenn sie gegen einen ausgesprochen werden; wie man mit Gegenspielern umgeht, mit denen man sich im Zwist um den Ball gerade noch im Infight befand, vor allem auch: Wie man aus Furcht vor einer unmittelbaren Zeitstrafe nicht eine einzige Sekunde verzögert.

Im Fußball dagegen wird gerade das Ballwegtragen nach Freistoßentscheidungen nach wie vor als Bagatelldelikt behandelt, wiewohl es schon vor Jahren kurzzeitig Anstrengungen gegeben hatte, dem allseits nervigen Zeitschinden durch konsequentes Verwarnen ein Ende zu bereiten.

Es wird nun interessant sein zu beobachten, ob Fröhlichs Ankündigungen in die Tat umgesetzt werden, und zwar flächendeckend in beiden Bundesligen und so nachvollziehbar und ausnahmslos, dass die Profis sich an dieser roten Linie orientieren können. Diese Konsequenz ist unbedingt notwendig, um unteren Ligen als Vorbild zu dienen. Den Worten müssen Taten folgen.

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