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Auch vom Auftreten her sehr italienisch: Ukraines Nationalcoach Andrej Schewtschenko.
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Auch vom Auftreten her sehr italienisch: Ukraines Nationalcoach Andrej Schewtschenko.

Ukrainischer Nationaltrainer

EM 2021: Schewa, der Halb-Italiener

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die Fußballlegende ist stark geprägt von seiner erfolgreichen Zeit als Profi beim AC Mailand. Im Viertelfinale gegen England peilt er mit der Ukraine die große Überraschung an.

Ob Andrej Schewtschenko auch schon mal die Sehenswürdigkeiten von Rom abgeklappert hat? Während Touristen ja unbedingt Colosseo, die berühmte Arena der Antike, Campidoglio, den Kapitolsplatz, oder Fontana di Trevi, den berühmten Brunnen, besichtigt haben wollen, führte es ihn zumeist ins Stadio Olimpico. Insgesamt sieben Jahre, von 1999 bis 2006, verbrachte der Nationaltrainer der Ukraine in der Serie A. Seine beste Zeit als Fußballer erlebte der edle Techniker in Italien. Sein Spiel, voller Ästhetik, mit dem Faible für Raum und Zeit, war wie maßgeschneidert dafür, um die Herzen auch jener Tifosi zu erobern, die nicht zum AC Milan hielten.

Im rot-schwarzen Dress setzte „Schewa“ zeitweise die Maßstäbe: Champions-League-Sieger 2003, Europas Fußballer des Jahres 2004. Und als er in Mailand auch noch das Model Kristen Pazik kennenlernte, die Tochter eines ehemaligen amerikanischen Baseball-Pitchers, und die beiden nach einigen gemeinsamen Jahren ohne Trauschein fast unbemerkt in einem Golfklub in Washington D.C. heirateten, war er endgültig ein halber Italiener. So manche Episode von damals wird nun wieder hervorgeholt, wenn der berühmteste Fußballer der Ukraine zum EM-Viertelfinale gegen England (Samstag 21 Uhr/ARD) in die Hauptstadt seiner einstigen Wahlheimat zurückkehrt.

Der Weltmann, adrette Kleidung, sportliche Figur, feiner Teint, war damals wie heute bester Botschafter eines nicht nur wegen des kriegerischen Konflikts mit Russland oft leidgeplagten Landes. Wie sehr die 41 Millionen Einwohner nach einem verbindenden Erlebnis lechzen, machte eine vor Pathos nur so strotzende Facebook-Botschaft von Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj nach dem Viertelfinaleinzug deutlich. Die identitätsstiftende Facette des Fußballs war bereits bei der von Ukraine und Polen gemeinsam ausgerichteten EM 2012 zu erleben, als die ukrainische Nationalelf im Olympiastadion von Kiew die Schweden mit 2:1 schlug. Doppeltorschütze damals, der zwischen Olympiastadion und Prachtmeile Kreschatik ein mittleres Erdbeben auslöste: eben Schewtschenko. Der Nationalheld.

Es war im Nachhinein richtig, dass der ukrainische Fußballverband, übrigens ein tief in die Politik verzweigtes Gebilde, den 111-fachen Nationalspieler nicht sofort zum Nationaltrainer machte. Bei der EM 2016, als die Ukraine in der Vorrunde gegen Deutschland verlor, reiste das Idol noch als Assistent mit. Dass sich damals die internationalen Medien allein um den aus seiner Zeit beim FC Chelsea auch bestens Englisch sprechenden Schewtschenko kümmerten, war vielleicht sogar gewollt. Nach dem torlos und trostlos verlaufenden Turnier in Frankreich bekam er die Verantwortung übertragen.

Kreative Disziplin

Es war nicht gleich alles Gold, was unter seiner Obhut glänzte – die Ukraine verpasste die WM 2018 in Russland, was politisch sicher einige Spannungen aus dem Championat nahm – aber allmählich kommt durch, was der aus einem 400-Seelen-Dorf mit dem unaussprechlichen Namen Dwirkiwschtschyna stammende Schewtschenko will: taktische Disziplin, die die Entfaltung individueller Klasse erlaubt. Italienische Schule eben. Spielkontrolle mittels Ballbesitz wechseln sich bei seiner Mannschaft mit langen Passagen, in denen dieses Kollektiv tief steht und auf Konter lauert – gut zu besichtigen im Abnutzungskampf gegen Schweden, als der Nobody und Joker Artjom Dowbik in Überzahl erst in der Nachspielzeit der Verlängerung traf.

„Wir müssen die Spieler physisch und mental wieder aufbauen. In diesem Kampf gegen Schweden haben sie sehr viel Energie gelassen“, sagte Schewtschenko danach. Das Wichtigste sei nun, „die richtige Taktik zu wählen. Wir werden versuchen, England zu überraschen.“ Und genau dafür könnte ja die Premier-League-Erfahrung helfen, die zwei seiner wichtigsten Spieler mit in die Ewige Stadt bringen. Der bei Manchester City spielende Alexander Sintschenko, 24, und der für West Ham United auflaufende Andrej Jarmolenko, 31, der auf seiner ersten Auslandsstation bei Borussia Dortmund nicht glücklich wurde, sind jene Spieler, die an guten Tagen den Unterschied machen und Andrej Schewtschenko ausgerechnet im Stadio Olimpico den größten Triumph seiner recht jungen Trainerkarriere bescheren können. (Frank Hellmann)

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