Die sportliche Leitung auf Schalke plant die Einführung einer Gehaltsobergrenze.
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Die sportliche Leitung auf Schalke plant die Einführung einer Gehaltsobergrenze.

Kommentar

Scheinheiliges Schalke

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Es drängt sich der Verdacht auf, dass diese – vorgebliche – Deckelung der Gehälter nicht etwa einer gewissen Demut entsprungen, sondern einfach nur scheinheilig ist.

Man kann nicht wirklich behaupten, dass die Personalkosten des von einer Peinlichkeit zur nächsten taumelnden FC Schalke 04 mit den Leistungen auf dem Fußballplatz und also dem Tabellenstand korrespondieren. Der einstmals so stolze Arbeiterverein aus dem Ruhrpott wendet rund 124 Millionen Euro auf, um die Profis und die Mannschaft hinter der Mannschaft bei Laune zu halten. Nur vier Klubs geben mehr Kohle aus. In Gelsenkirchen stimmt indessen die Gegenleistung nicht.

Das Team des immer hilfloser wirkenden Trainers David Wagner hat zuletzt 16 Spiele hintereinander nicht mehr gewonnen, ist aus der Spitzengruppe bis kurz vor die Abstiegszone durchgereicht worden, und man muss es nicht böse meinen mit den Königsblauen, um zu folgern, dass sie über das Saisonende heilfroh sein können, ansonsten würden sie nämlich bald gegen Sandhausen oder Aue antreten.

Dabei lässt sich gut verdienen auf Schalke. Man muss sich nur mal vorstellen, dass rechtschaffene Fußballer wie Omar Mascarell, Benjamin Stambouli, Amine Harit, Matija Nastasic, Salif Sané, Nabil Bentaleb, Mark Uth oder Bastian Ozcipka allesamt um die vier Millionen Euro pro Jahr einstreichen. Viel Schotter für wenig Güteklasse.

Mit diesem Irrsinn soll Schluss sein. Die „SZ“ berichtet, dass sich die Sportliche Leitung mit Blick auf das ramponierte Image und den Schuldenberg in Höhe von fast 200 Millionen Euro darauf verständigt habe, eine Gehaltsobergrenze einzuführen. Diese soll bei 2,5 Millionen Euro liegen. Mehr werde einem kickenden Angestellten nicht mehr überwiesen. Klingt erst einmal spannend, aber auch populistisch, nach dem verzweifelten Versuch, vielleicht mal ein paar Pluspunkte zu sammeln, gerade jetzt, da die Branche im Allgemeinen und Schalke 04 im Besonderen in Bedrängnis gebracht wurden.

Für eine bindende Gehaltsobergrenze bedarf es einer europäischen Lösung, die es nicht gibt – und für eine selbst auferlegte Beschränkung braucht es keine Öffentlichkeit. Zudem: Wer will es kontrollieren? Durch übermäßig große Transparenz und Seriosität ist Schalke 04 in den vergangenen Jahren nicht auffällig geworden. So drängt sich der Verdacht auf, dass diese – vorgebliche – Deckelung nicht etwa einer gewissen Demut entsprungen, sondern einfach nur scheinheilig ist.

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