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Nicht mehr länger Schalke-Trainer: David Wagner.

Kommentar

Schalker Schwermut

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Schalke 04 befindet sich nicht erst seit der Entlassung von David Wagner in verzweifelter Schieflage. Ein unverbrauchter Coach wie Manuel Baum könnte eine Chance bekommen. Der Kommentar.

Die moderne Medienwelt bringt es mit sich, dass am Sonntagmorgen keine 25 Kilometer voneinander entfernt vier Männer sich gleichzeitig gegenüber saßen. Beim Stammtisch „Doppelpass“ warb Stefan Effenberg dafür, dass sein Gegenüber Peter Neururer genau der Richtige wäre, um Schalke 04 wieder auf Kurs zu bringen. Dem Belobigten war anzusehen: Er sah das ganz genauso. Bei der Talksendung Sky 90 machte sich derweil Didi Hamann verbal bärenstark für seinen gegenüber Ralf Rangnick, der am besten zum neuen Kopf von Schalke 04 würde. Rangnick sah nur mittelmäßig begeistert aus angesichts derartiger Berufsaussichten in einem der atmosphärisch unruhigsten, sportlich darbendsten und finanziell angeschlagensten Klubs der Liga,

Der große Bogen von Feuerwehrmann Neururer zu Stratege Rangnick zeigt, wie hochkomplex die Situation in Gelsenkirchen-Buer nach der Beurlaubung von David Wagner ist. Der ganze stolze Klub befindet sich ja nicht erst seit dem Wochenende in verzweifelter Schieflage. Ohne diese tiefgreifende Krise hätte Wagner schon die neue Saison nicht mehr als Knappen-Chefcoach erleben dürfen. Zu fatal war die Rückrunde gelaufen, während Wagner sich weit entfernt davon präsentierte, praktikable Lösungen zur Stabilisierung einer wankenden Mannschaft zu finden. Seine Betontaktik hinterließ Spuren der Hoffnungs- und Trostlosigkeit.

In die neue Spielzeit wurde Schalke 04 allein durch das Prinzip Hoffnung getragen, noch dazu belastet durch die Rückkehr der vier zuvor verliehenen Profis Fährmann, Rudy, Bentaleb und Uth, die lieber gar nicht zurückgekommen wären und die auch niemand zurückhaben wollte, weil sie mit ihren Gehältern den Etat belasten. Und weil sie keine Freunde des Ex-Trainers waren. Eine „mission impossible“, zum Scheitern verurteilt. Wagner hatte sich längst abgenutzt.

Ein neuer, unverbrauchter Chefcoach, eher Manuel Baum als Peter Neururer, hat nun also die schöne Chance, das ja nicht ganz untalentierte Team von dessen Schwermut zu befreien. Dann müsste ein Abstieg recht komplikationslos zu verhindern sein. Um einen wie Rangnick für die großen Linien zu gewinnen, müsste indes viel mehr passieren. Vor allem müsste mehr Geld durch einen Umbau vom Verein in einer Kapitalgesellschaft in die Kasse, um mit Investoren aus der Handlungsdefensive zu finden. Denn als Sanierer wäre Rangnick der falsche Mann. Als Visionär dagegen genau der Richtige.

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