Trostlosigkeit pur: Schalkes Torwart Markus Schubert (rechts) und Daniel Caligiuri verlassen nach dem Spiel das Stadion.
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Trostlosigkeit pur: Schalkes Torwart Markus Schubert (rechts) und Daniel Caligiuri verlassen nach dem Spiel das Stadion.

Krise

Schalke in Trümmern

Die Knappen sind nach dem 1:2 in Düsseldorf das schwächste Rückrundenteam.

Die Arbeitsbeziehung zwischen David Wagner und dem FC Schalke 04 begann stürmisch und verheißungsvoll. Knapp elf Monate später wird die erste ernsthafte Krise von Woche zu Woche schlimmer. Ob sie überwunden wird, scheint nach dem 1:2 (0:0) bei Fortuna Düsseldorf am Mittwoch, das teilweise einem Offenbarungseid gleichkam, fraglich. Der Druck auf Wagner wird größer, der Unmut auf Schalke vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den nächsten Abstiegskandidaten Werder Bremen wächst.

Sportvorstand Jochen Schneider stattete am Tag danach dem Trainer mit einer Jobgarantie aus. „Man sollte jede Krise nutzen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen“, sagte Schneider bei Sky und kündigte an: „Wir werden gemeinsam mit David Wagner zur neuen Saison den roten Faden wieder aufnehmen und da weitermachen, wo wir im Januar, Februar unterbrochen wurden.“

Schalke ist nach einer starken Hinrunde (Platz fünf) seit zehn Bundesligaspielen ohne Sieg und auf den neunten Rang abgerutscht. Schneider gab zu, dass der Europapokalaspirant in einer „handfesten Krise“ stecke. An Wagner, der in der ersten Saisonhälfte „begeisternden“ Fußball spielen ließ, will der Manager festhalten. Eine Trainerdiskussion „wäre fehl am Platze“.

Schneider verwies erneut auf die Verletztenmisere vor der Corona-Zwangspause. „Uns ist in den vergangenen Monaten eine Achse weggebrochen“, sagte er. Die extrem defensive Taktik in Düsseldorf, als die Schalker in der ersten Halbzeit auf unfassbar niedrige 22 Prozent Ballbesitzquote kamen, verteidigte er als „vollkommen richtigen“ Ansatz. Wagner sei trotz der sportlichen Krise „gefestigt, aber auch angriffslustig und motiviert, den Bock wieder umzustoßen“.

Und doch bleibt die Zwischenbilanz von zehn sieglosen Spielen in Serie mit 3:24 Toren für das schlechteste Rückrundenteam der Liga. Hätte es nicht die starke Hinserie gegeben, müsste der Tabellen-9. ernsthaft um den Klassenverbleib bangen. Die Hoffnung auf Schalke war groß, die Krise, die Anfang des Jahres begonnen hatte, während der zehnwöchigen Corona-Pause überwunden zu haben. Stattdessen setzte es drei Klatschen in Dortmund (0:4), gegen Augsburg (0:3) und in Düsseldorf. An eine Europapokalrückkehr ist aktuell nicht zu denken.

Mutlose Mauertaktik

Die total verunsicherten Schalker hatten es gegen den nach wie vor vom Abstieg bedrohten Drittletzten mit einer Mauertaktik versucht. „Angesichts der schwierigen Situation ist das für die Mannschaft die einzig richtige Variante, um erfolgreich zu sein“, rechtfertigte sich Wagner und fügte einen Satz hinzu, der aufhorchen ließ: „Für alles andere haben wir derzeit keine Möglichkeiten.“

Gemeint waren mangelndes Selbstvertrauen und viele verletzte Stammspieler. Doch Experten wie der frühere Didi Hamann auf Sky werteten es als „Armutszeugnis“, dass gegen einen Abstiegskandidaten kein anderes Spiel drin sei, zumal noch etliche Nationalspieler auf dem Platz standen. Dramatischer dürfte sein, dass es Schalke bei der Fortuna nicht schaffte, nach der glücklichen Führung durch Weston McKennie (53.) nicht wenigstens einen Punkt mitzunehmen. „Dass das in unserer Situation noch mehr wehtut als ohnehin schon, das ist auch klar“, räumte Wagner ein.

„Die Wucht dieses Klubs mit der Emotionalität der Fans“, begeistern mich“, hatte der 48-Jährige nach seinem Einstand auf Schalke im vergangenen Jahr geschwärmt. Die Hinserie beendete S04 mit 30 Punkten gleichauf mit dem Erzrivalen Borussia Dortmund. Nach elf Spielen der Rückrunde trennen beide Klubs Welten. Die Wucht des Vereins bekommt Wagner nun in die andere Richtung zu spüren.

Natürlich hat die Krise auch Gründe, die Wagner kaum verantworten kann. Da ist zum Beispiel das ungeheuere Verletzungspech. In Düsseldorf fehlten in Amine Harit, Omar Mascarell, Suat Serdar, Benito Raman und Benjamin Stambouli fünf Leistungsträger. Da ist die Torhüterproblematik, die Wagner moderieren muss, seitdem der eigentliche Stammkeeper und Kapitän Alexander Nübel überraschend angekündigt hat, in der kommenden Saison lieber bei Bayern München auf der Bank sitzen zu wollen und dies nun auf Schalke tut. Markus Schubert (21) als Ersatz mag Talent haben, patzte gegen Düsseldorf vor dem 1:1 durch Hennings aber erneut. Dafür kann Wagner nichts. (sid/dpa)

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