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Bundesliga

Schalke trennt sich von Weinzierl

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der weithin unbekannte Trainer Domenico Tedesco folgt beim FC Schalke 04 auf den glück- und erfolglosen Markus Weinzierl.

Irgendwann wurde selbst der Gralshüter des deutschen Fußballs zu einer Einschätzung zum freitäglichen Trainerbeben in der Bundesliga, genauer gesagt an den Standorten Leverkusen und Schalke, gebeten. Der frühere Nationalspieler Heiko Herrlich regiert seit Freitag unterm Bayer-Kreuz, und auf Schalke wird ein ganz junger, unverbrauchter Mann die Scherben einer völlig verhunzten Spielzeit aufkehren. Domenico Tedesco, 31 Jahre alt, der Senkrechtstarter unter den Fußballlehrern, beerbt den entlassenen Markus Weinzierl.

Und also sprach der deutschen Bundestrainer Joachim Löw, angesprochen auf den urplötzlich zum Heilsbringer aufgestiegenen Ex-Coach des Zweitligisten Erzgebirge Aue: „Er ist ja erst drei Jahre im Profibereich. Schalke ist nicht ganz so einfach, da sind hohe Erwartungen und ein gewisser Druck.“ Und weiter: „In Aue hat er in der kurzen Zeit sehr gute Arbeit gemacht.“ Das kann man so sagen. Tedesco hat im Erzgebirge etwas vollbracht, was kaum einer erwarten konnte: den Sturz in die dritte Klasse verhindert. Und das mit einem Punkteschnitt von 1,82 Zählern. Fast schon wundersam.

So etwas bleibt nicht unbemerkt, gerade in der Branche, die so überhitzt ist und nach stets neuen Gesichtern lechzt. Bayer Leverkusen soll Interesse an dem Deutsch-Italiener gehabt haben, dann aber schaltete sich der Schalker Sportvorstand Christian Heidel aus seinem Urlaub in Miami ein und grätschte dazwischen. Für den 54-jährigen Manager war klar, dass er sich von Markus Weinzierl trennen würde. Der Bayer, erst vor einem Jahr für knapp vier Millionen Euro aus seinem Vertrag in Augsburg herausgekauft, war für Königsblau nicht länger tragbar, er hatte eine völlig gesichtlose und konzeptlose Mannschaft geformt und auf Platz zehn der Bundesliga einfahren lassen. Eine nicht hinnehmbare Platzierung für die Gelsenkirchener. Das gegenseitige Vertrauen war ohnehin tiefer Skepsis gewichen. Die Trennung von Weinzierl war beschlossen, Heidel informierte den Coach am Freitagmorgen über seine Entscheidung. Am Abend stimmt dann noch der Aufsichtsrat der Entlassung zu, die Schalke teuer zu stehen kommen wird: Weinzierl, mit einem Vertrag bis 2019 und einem jährlichen Grundgehalt von rund 2,75 Millionen Euro ausgestattet, muss abgefunden werden, das Gesamtpaket kann sich für die Knappen schnell mal auf mehr als zehn Millionen Euro belaufen – Gegenwert: gleich null.

Nun also soll der unbeleckte Tedesco dem Revierklub neues Leben einhauchen – so wie es fast jedes Jahr ein anderer Fußballlehrer versuchte. Auch Christian Heidel hat das an der Spitze des Klubs bislang nicht ändern können. Wer aber ist dieser Tedesco? Er gilt als hochbegabt, kommunikativ, taktisch extrem versiert, einer, der die Spieler mitnimmt, mit ihnen auf Augenhöhe diskutiert, aber dennoch eine Autorität darstellt. Er ist ein Fachmann und Experte, aber einer mit pädagogischem Gespür und Empathie. Das ist heutzutage extrem wichtig. Er ist rhetorisch geschult, gebildet, sprachgewandt, neben Deutsch und Italienisch spricht er auch Spanisch und Englisch.

Erst seit März arbeitet Tedesco, bis dahin Jugendtrainer beim VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim, im Profifußball, in Aue, wo er einen Vertrag bis 2018 besitzt. Aues Präsident Helge Leonhardt ahnte bereits, dass er seinen Ausnahmekönner nicht lange im Erzgebirge halten wird. „Tedesco gehört irgendwann als Trainer in die Bundesliga“, sagte Leonhard noch am Donnerstag dem Fußballportal „Sportbuzzer“. Auch menschlich fand sich der in Rossano/Italien geborene Tedesco in Aue gut zurecht. „Wir haben fast ein Vater-Sohn-Verhältnis, ein blindes Vertrauen“, sagte Leonhardt. Bei den Spielern kam seine Art gut an. „Er ist dabei aber kein Professor.“

Technisch und taktisch erinnert Tedesco stark an Julian Nagelsmann und kann wie der Hoffenheimer Coach während eines Spiels auch dreimal das System ändern. „Es ist für mich enorm wichtig, die Mannschaft und die Spieler in den Vordergrund zu stellen. Eine klare Idee zu haben, ist schön und gut. Wichtig ist, dass wir uns aufgrund der Qualität der Spieler, wie die Spieler Fußball spielen können, wie sie Fußball spielen möchten, strategisch positionieren. Das ist eine Stellschraube“, sagte er kürzlich.

Tedesco wuchs bei Stuttgart auf, kickte   in der Kreisliga A beim ASV Aichwald, studierte, um Wirtschaftsingenieur zu werden. Er ist gut befreundet mit Nagelsmann, mit dem er bei seiner Trainerausbildung 2015/16 den Fußballlehrerschein erwarb – als Jahrgangsbester und mit Auszeichnung. Beide bildeten während der Schulungen eine Fahrgemeinschaft. „Ich weiß diesen Titel einzuschätzen. Die beste Note ist nicht immer der beste Trainer“, sagte Tedesco. (mit sid)

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