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Optimistischer Blick nach vorne: S04-Trainer David Wagner (Mitte rechts).

Bundesliga-Start

Die Suche nach dem Schalke-Gen

Mit dem neuen Trainer David Wagner wollen die Königsblauen zu sich selbst zurückfinden.

Dass die wohl treuesten Schalker Anhänger schon weit vor dem Ende der abgelaufenen Saison die „Schnauze voll“ hatten, wie sie öfters skandierten, war ein alarmierendes Zeichen. Doch den Klub-Verantwortlichen ging es ähnlich nach dem dramatischen Absturz des Vizemeisters auf Rang 14, der sogar bis kurz vor Schluss um die Klasse zitterte. Nun soll einmal mehr alles besser werden: Mit Jochen Schneider ist ein neuer Sportvorstand da, der den Klub breiter aufstellt. Ein neuer Trainer mit David Wagner, der Königsblau zu attraktiverem Fußball verhelfen und der Truppe das Schalke-Gen einimpfen soll.

Wie ist die Stimmung?

Noch verhalten. Auch wenn beim Schalker Trainingsauftakt mit dem neuen Coach Wagner über 1000 Fans am Platz waren, war von ihnen nichts zu hören. Es ist viel mehr eine abwartende Haltung, was es denn mit dem x-ten Umbruch in kürzester Zeit auf sich hat – und ob diesmal tatsächlich alles besser wird. Schließlich hatte der Klub diesen Eindruck schon mit dem gescheiterten Sportvorstand Christian Heidel versucht sowie Trainer Domenico Tedesco, der am Ende zu viele Probleme alleine meistern musste.

Immerhin haben die Königsblauen daraus gelernt, Heidels Nachfolger Schneider hat die richtigen Lehren gezogen und Verein sowie Staff um die Profi-Mannschaft breiter aufgestellt – unter anderem mit Ex-Profi Sascha Riether als Koordinator der Lizenzspielerabteilung –, damit sich die Fehler der jüngsten Vergangenheit nicht wiederholen. Schneider: „Wir wissen, dass wir in diesem harten Wettbewerb Bundesliga nur bestehen können, wenn jeder Einzelne von uns jeden Tag 100 Prozent für unseren Verein gibt.“

Wie stark ist der Kader?

Personell hat er sich bislang nicht allzu sehr verändert. Daher wird es vermehrt darauf ankommen, was Trainer Wagner aus seinen Spielern herauskitzeln kann. Zwar hat der Klub nun deutlich kommuniziert, nicht mehr mit den Transfer-Flops Hamza Mendyl, Yevhen Konoplyanka oder Nabil Bentaleb zu planen. Aber so lange diese Spieler auf der Gehaltsliste stehen und sie keine Ablöse generieren, hat Schalke nur begrenzten finanziellen Spielraum auf dem Transfermarkt. Die ersten Millionen hat Königsblau in Abwehrtalent Ozan Kabak (19), Offensivkraft Benito Raman (24) sowie Leihspieler Jonjoe Kenny (22) investiert, dazu kam U21-Keeper Markus Schubert von Dynamo Dresden.

Worauf steht der Trainer?

Laufen, laufen und laufen. Die Mannschaften von Wagner zeichneten stets aus, zu den laufstärksten der Liga zu gehören, mit den meisten Sprints und den intensivsten Läufen. Das soll sich auf Schalke nicht ändern. Sportvorstand Schneider wünscht sich einen aktiven, nach vorne gerichteten Fußball, „der darauf aus ist, dass die Spieler Lust haben, Zweikämpfe zu bestreiten“, sagte er. Stürmer Guido Burgstaller erklärte den Plan: „Nach Ballverlusten sollen wir uns den Ball schnell zurückerobern, dann schnell und einfach nach vorne spielen.“

Wo hapert’s noch?

An weiteren Verstärkungen. Die kann Schalke aber nur dann umsetzen, wenn sich auf der Abgabe-Seite noch etwas tut. Ein Linksverteidiger soll es noch sein, im Idealfall auch noch ein Stürmer der Marke Knipser. Dass Rechtsverteidiger Daniel Caligiuri in der Vorsaison mit sieben Toren Schalkes bester Schütze in der Liga war, sagt alles.

Doch die Millionen, die der Wechsel von Stürmer Breel Embolo nach Mönchengladbach einbrachte, sind bereits reinvestiert. Wagner sieht es gelassen: „Das Transferfenster ist noch lange geöffnet.“

Wer sticht heraus?

In den ersten Tagen fiel besonders Ahmed Kutucu,19, auf, der vor allem in der Endphase der abgelaufenen Serie kaum eine Rolle spielte. Er sprüht förmlich vor Spielfreude, bringt dazu eine gewisse Unbekümmertheit mit, ist sich für keinen Weg oder Zweikampf zu schade. Das Gute für Schalke: Wagner gilt als Coach, der (junge) Spieler besser machen kann. Schafft er es tatsächlich, Kutucu und einige andere stetig zu entwickeln, dürfte Königsblau noch viel Freude an ihnen haben.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Den Umständen entsprechend. Der Klub ist finanziell nach wie vor nicht auf Rosen gebettet, allerdings versprach Finanzvorstand Peter Peters, dass es auch in diesem Jahr wieder „ein ordentliches Budget für die Profimannschaft“ gebe. Das ist allerdings vorerst aufgebraucht. Der Klub ist in Sachen Transfers wie erwähnt nun auf Einnahmen durch Spielerverkäufe angewiesen. Schalke investiert daher „im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten“, erklärte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies: „Das wird auch ein bisschen dauern, bis wir die Mannschaft insgesamt umgebaut haben. Aber wir machen das schon.“

Was ist drin?

Mit dem Abstieg sollte Schalke diesmal nichts zu tun haben, ein einstelliger Tabellenplatz scheint realistisch – mindestens. Schafft es Wagner, dass seine Mannschaft den Spielstil schnell verinnerlicht und auf den Platz bringt, und dass das Team nicht durch etliche Nebenkriegsschauplätze aus dem Konzept gerät, könnte es Königsblau durchaus über die Europa League zurück ins internationale Geschäft schaffen.

Schalke 04: Zu- und Abgänge

Zugänge:  Markus Schubert (SG Dynamo Dresden), Benito Raman (Fortuna Düsseldorf), Ozan Kabak (VfB Stuttgart), Jonjoe Kenny (FC Everton, Leihe), Jonas Carls (FC Schalke 04 II), Pablo Insua (SD Huesca, Leihe beendet), Fabian Reese (SpVgg Greuther Fürth, Leihe beendet)

Abgänge:  Haji Wright (VVV Venlo), Ralf Fährmann (Norwich City, Leihe), Bernard Tekpetey (Fortuna Düsseldorf, Leihe, zuvor an SC Paderborn verliehen), Cedric Teuchert (Hannover 96, Leihe) Breel Embolo (Borussia Mönchengladbach), Sascha Riether (Karriereende), Benjamin Goller (SV Werder Bremen), Jeffrey Bruma (VfL Wolfsburg, Leihe beendet)

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