In Gelsenkirchen häufen sich die Schulden, und sportlich läuft es schief.
+
FC Schalke 04: In Gelsenkirchen häufen sich die Schulden, und sportlich läuft es schief.

Kommentar

Auf Schalke schmilzt der Schnee

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
    schließen

In Gelsenkirchen häufen sich die Schulden, und sportlich läuft es schief. Genau das ist der Nährboden, auf dem nun eine neue, unpopuläre Klubpolitik entstehen könnte. Ein Kommentar.

Zu einer Zeit, als im Fußball echte Manager das Sagen hatten und nicht Sportvorstände oder Vorsitzende der Geschäftsführung, wurden Missstände noch auf das Wesentliche heruntergebrochen. Vor allem auf Schalke war das so, wo der große Brachialrhetoriker Rudi Assauer sich stets auch für den einfachen Fan verständlich machen konnte. Seine Erfahrungen kumulierte der viel zu früh Verstorbene einmal in diesem einprägsamen Satz. „Wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt.“

Es sind kluge Worte, die bei den Knappen neue Aktualität erhalten. Man weiß nur gerade nicht, welcher Haufen der größere ist: der mit den wenigen Punkten oder der mit den vielen Schulden?

Laut einer justamente veröffentlichten Studie der Finanzexperten der Unternehmensberatung KPMG dürfen sich die Schalker nach wie vor zu den Top 15 der werthaltigsten Klubs weltweit zählen. 814 Millionen Euro müsste ein Investor dieser Rechnung zufolge zahlen, wollte er den ganzen Traditionsverein mitsamt seiner Verbindlichkeiten von rund 200 Millionen Euro übernehmen. Experten glauben, dass der FC Schalke 04 es nur dann zurück zu längst verblichenem Ruhm schaffen könnte, wenn er seine Profiabteilung aus dem Verein pellt und mit einem Verkauf von bis zu 49,9 Prozent der Anteile bis zu 400 Millionen Euro kassiert.

Es gibt im Klub einige Befürworter dieser Politik, zuletzt hat Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sie öffentlich gemacht. Das Thema spaltet Schalke 04 mit seinen mehr als 150 000 eher traditionsbewussten Mitgliedern tief. Die müssten sich mit einer Drei-Viertel-Mehrheit bereit erklären, den Rettungsanker auszuwerfen.

Es gibt, gar kein Zweifel, bessere Zeiten, um derartige Maßnahmen zu beschließen. Aber der Leidensdruck muss auf Schalke erst so groß sein wie derzeit, damit eine solche Diskussion überhaupt geführt werden kann. Die Beharrungskräfte wären sonst zu groß. Das ist die Crux.

Ohnehin darf man sich durchaus wundern, dass ausgerechnet am Ernst-Kuzorra-Weg jemand fürs Geld zuständig ist, der es doch tatsächlich zum zweiten Mann im deutschen Ligafußball gebracht hat: DFL-Vizepräsident Peter Peters. Seit Jahren hechelt Schalkes Schatzmeister Peters einer soliden Finanzierung hinterher. Das extrem wacklige Konstrukt überlebt bis heute abwechselnd mit Millionen-Anleihen, Nothilfen des schwerreichen Aufsichtsrats Tönnies oder Bürgschaften der Steuerzahler. Und gerade schmilzt wieder der Schnee.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare