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Daneben: Der Schalker Torwart Markus Schubert erwischt den Ball nicht.

Patzer gegen den FC Bayern

Schuberts Tag zum Vergessen

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  • Hanna Raif
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Die schlechte Leistung des Keepers in München verschärft die Schalker Torwartdebatte. Kehrt Alexander Nübel nach seiner Sperre wieder zurück in den Kasten?

Eine Zeitnahme gibt es in den Katakomben der Münchner Fußballarena leider nicht, aber auch so war jedem Beobachter klar, dass am Samstagabend eine klare Bestzeit aufgestellt wurde. 20, vielleicht 25 Meter kann man als Mitarbeiterin der Pressestelle schon mal in unter drei Sekunden zurücklegen, wenn es wichtig ist. Und das war es. Denn Markus Schubert hatte gerade zu einem Statement angesetzt, als er mit den Worten „Komm, Schubi!“ in Richtung Mannschaftsbus gebeten wurde. Schalkes Torhüter, der Buhmann des Tages beim 0:5 gegen den FC Bayern, sollte lieber nichts sagen. Ein Glück taten das die anderen.

„Er hat schon bessere Spiele gemacht für uns“, kommentierte etwa David Wagner, der um Diplomatie bemüht war. Natürlich hob der Trainer der in diesem Topspiel so hoffnungslos unterlegenen Schalker hervor, dass „Markus ein paar super Aktionen hatte“ – und lag damit auch richtig. Trotzdem blieben freilich nicht die Paraden des 21 Jahre alten Ersatzkeepers im Gedächtnis, sondern die Patzer. Jener vor dem 1:0 durch Robert Lewandowski etwa, und natürlich auch die Slapstick-Einlage beim 5:0. Dazu kamen zahlreiche Unsicherheiten bei hohen Bällen und Abspielfehler. Alles in allem: Ein Tag zum Vergessen für den jungen Mann, der in Abwesenheit des gesperrten Alexander Nübel um einen Stammplatz kämpft.

Es war nicht unbedingt clever von den Schalker Verantwortlichen, den Unmut über den im Sommer anstehenden Nübel-Wechsel nach München zu einem Politikum zu machen. Noch vor Anpfiff in München hatte Clemens Tönnies betont, Schubert auch nach Nübels Rückkehr in der Startelf zu sehen, „wenn er weiter Topleistungen bringt“. Der Aufsichtsratschef, so betonte er, glaubt, „dass das auch die Erwartung der Fans ist“. Der Druck auf Schubert, der in München sein gerade mal fünftes Bundesliga-Spiel absolvierte, wurde so künstlich erhöht. Er hielt ihm nicht Stand, musste von den Kollegen am Ende aufgebaut werden. Und Wagner wird sich für die Entscheidung, wer am Freitag gegen Berlin im Tor steht, „in dieser Woche viel Zeit nehmen“.

Die Frage ist, ob man sich als ambitionierter Bundesligist erlauben kann, nach nicht sportlichen Kriterien zu entscheiden. Die Kapitänsbinde hat Nübel schon abgegeben, in seiner Abwesenheit wurde er nun beim Spiel in München zum heimlichen Gewinner. Neuer, bald Nübels Kollege (oder besser: Vorgesetzter), baute Schubert auf: „Auch ich war mal jung. Grundsätzlich ist es gut, solche Erfahrungen zu machen.“ Selbst „mit seiner allerbesten Leistung hätte Bayern gewonnen“. Für Schubert gehe es weiter. Auf welcher Position, wird sich zeigen.

Interessant wäre gewesen, was der Betroffene selbst zu sagen gehabt hätte. Kapuze im Gesicht, Handy in der Hand – immerhin: Wie er sich fühlte, sah man ihm an.

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