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Huub Stevens soll den Karren bei Schalke 04 aus dem Dreck ziehen.

Schalke 04

Blau-weiße Herzenssache

Der Schalker Interimstrainer Huub Stevens will zeigen, „dass wir eine Familie sind“

Mit „alten und bewährten Tugenden“ wollen Jahrhunderttrainer Huub Stevens und Eurofighter Mike Büskens mit dem abgestürzten Vizemeister Schalke 04 die Karre aus dem Dreck ziehen und den Klub für die zuletzt grauenhaften Auftritte in der Liga und beim 0:7-Debakel in der Champions League bei Manchester City rehabilitieren. Viel Zeit bleibt ihnen nicht.

„Wir befinden uns in einer äußerst prekären Situation. Es muss allen Spielern klar sein, dass wir uns im Abstiegskampf befinden“, sagte Stevens bei seiner Comeback-Pressekonferenz am Freitagmittag. Der Kulttrainer, der zum dritten Mal bei den Königsblauen auf die Kommandobrücke rückt, erwartet von der Mannschaft schon am Samstag gegen RB Leipzig (15.30 Uhr) ein anderes Gesicht: „Wir wollen wieder eine Mannschaft sehen, die kämpft und Leidenschaft zeigt. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, gemeinsam mit den Fans, und wieder zeigen, dass wir eine Familie sind.“

Das wünscht sich auch sein Co-Trainer Büskens („Huub hat den Hut auf“), der unter Stevens 1997 mit S04 den Uefa-Cup gewann und bei Schalke ebenfalls zum dritten Mal als Notstopfen einspringt. „Wir müssen alle ein gemeinsames Ziel verfolgen und brauchen dafür reichlich Energie. Wir beide wollen da jetzt vorangehen“, sagte der 50-Jährige, bevor er am Nachmittag mit seinem Chef unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Abschlusstraining leitete. Dabei waren auch der neue Co-Trainer und Spielanalyst Matthias Kreutzer und der neu installierte Teammanager, Ex-Profi und Fanliebling Gerald Asamoah.

Und auch die zuletzt von Tedesco aussortierten Mark Uth und Amine Harit nahmen an der ersten Einheit unter dem neuen Trainerduo teil. „Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Wir werden vor dem Spiel gegen Leipzig einige Gespräche führen und dann Entscheidungen treffen“, sagte Stevens. Dies gelte auch für die Torwartfrage. „Einer wird zwischen den Pfosten stehen“, sagte der „Knurrer von Kerkrade“ trocken zum Zweikampf zwischen dem etatmäßigen Kapitän Ralf Fährmann und U21-Nationaltorhüter Alexander Nübel, den Tedesco mit Beginn der Rückrunde zur Nummer eins gemacht hatte.

Tipps von Tedesco

Vor seinen Personalentscheidungen will Stevens auch den Rat seines Vorgängers einholen. „Er hat ja die Vorbereitung auf Leipzig begonnen, die wir nun fortführen.“ Bereits am Donnerstagabend hatte Stevens den Kontakt zu dem kurz zuvor freigestellten Tedesco gesucht: „Ich habe direkt nach der Aufsichtsratssitzung mit ihm lange gesprochen. Die Freundschaft zwischen Domenico und mir bleibt bestehen. Er hat eine ehrliche Arbeit geleistet“, berichtete der Nothelfer, der gemeinsam mit Büskens bis Saisonende in der Verantwortung steht und erst danach wieder sein Mandat als Aufsichtsrat aufnimmt.

Stevens, der nicht zuletzt wegen seiner angeschlagenen Gesundheit (Herzrhythmusstörungen) im Februar 2016 sein Engagement bei der TSG Hoffenheim aufgegeben und seine Trainerkarriere eigentlich beendet hatte, fühlt sich für den neuerlichen Höllenritt mit Schalke gerüstet: „Wenn ich mit der Gesundheit ein Problem hätte, würde ich nicht hier sitzen. Mir geht es gut“, sagte der frühere Profi und fügte an: „Ich hoffe, dass es mir auch in drei Monaten noch gut geht.“ Schalke sei eine Herzensangelegenheit: „Ich bin ein Blau-Weißer. Wenn der Verein mich fragt, kann ich nicht nein sagen.“

Am Donnerstagabend hatte Schalke die Reißleine gezogen und sich von Tedesco getrennt, nachdem dieser noch das Vormittagstraining geleitet hatte. „Ich habe mich bei Domenico entschuldigt, dass der gestrige Tag so lief. Grundsätzlich ging da Qualität vor Zeit“, sagte der Sportvorstand Jochen Schneider zum Prozedere am Vortag. (sid)

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