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Mit Sorgen ins Topspiel: Trainer Domenico Tedesco ist mit Schalke krasser Außenseiter gegen City.

Schalke 04 - Manchester City

So schlecht wie lange nicht

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Vor dem Hit gegen Manchester City wird auf Schalke wieder über Sportchef Heidel diskutiert.

Christian Heidel hat es nicht leicht in diesen Tagen. Das fußballerisch höchst sparsame 0:0 gegen Freiburg am Samstag verpasste der Schalker Sportvorstand, weil er mit knapp 40 Grad Fieber zu Hause im Bett lag. Auch zu Wochenbeginn blieb Heidels Parkplatz vor der Geschäftsstelle verwaist. Und parallel dazu tobten die Spekulationen, wer dem gebürtigen Mainzer bei den Königsblauen demnächst wohl im Job nachfolgen werde.

Weder Klaus Allofs, nach seinem Aus als Geschäftsführer des VfL Wolfsburg im Dezember 2016 durchaus an einer neuen Aufgabe in der Bundesliga interessiert, noch Jonas Boldt (noch bei Bayer Leverkusen) bemühten sich dabei nachhaltig um ein Dementi, während Aufsichtsratschef Clemens Tönnies („Er ist krank, soll erst einmal auf die Füße kommen“) dem leitenden Angestellten Heidel vor dem herausfordernden Besuch von Manchester City vor allem die besten Genesungswünsche ausrichten ließ.

Am Mittwochabend gastiert der Spitzenreiter der Premier League – unter anderem mit dem Ex-Schalker Leroy Sané, dem Ex-Dortmunder und gebürtigen Gelsenkirchener Ilkay Gündogan und dem früheren Bayern-Coach Pep Guardiola – im Achtelfinalhinspiel der Champions League im Revier. Und für Schalke wäre es angesichts des aktuellen sportlichen Zustands beider Mannschaften bereits ein Erfolg, wenn es beim zweiten Duell am 12. März in Manchester zumindest noch ein bisschen spannend zugehen würde.

„Im Fußball gewinnt nicht immer der Favorit, das ist ja das Reizvolle daran. Wir glauben an unsere Chance – auch wenn sie vielleicht nicht riesig ist“, sagt Trainer Domenico Tedesco vorab tapfer. Während Heidel schon am Tag der Auslosung klar war: „Es gibt in diesem Wettbewerb kaum eine größere Herausforderung.“

Der Herausforderung, auch in Krisenzeiten Gelassenheit zu zeigen und die eigenen Pläne nicht gleich beim ersten scharfen Gegenwind wieder über den Haufen zu werfen, schien der traditionell unruhige Klub vom Berger Feld im vergangenen Herbst endlich einmal gewachsen zu sein: Der 33-jährige Tedesco, in seiner Premiersaison mit S04 Vizemeister geworden, überstand die fünf Auftaktniederlagen in der Bundesliga ebenso unbeschadet wie die Tatsache, dass es auch nach diesem Horrorstart keine nachhaltige Wende zum Guten gab.

Im Gegenteil: Mit ihren 23 Punkten aus 22 Spielen sind die Schalker momentan so schlecht wie seit 20 Jahren nicht. Die Abgänge der Leistungsträger Leon Goretzka, Thilo Kehrer und Max Meyer konnten nicht kompensiert werden. In der Winterpause verließ zudem der in der Vorsaison so wichtige, dann aber in die zweite Reihe gerückte Innenverteidiger Naldo (36) den Verein in Richtung Monaco. Hinzu kamen zahlreiche Verletzungen sowie ein unerwartet schleppender Verjüngungsprozess im Team – so dass Bank-Vorsteher Tedesco inzwischen seufzt: „Wir wussten nicht, dass es so schwierig werden würde.“

Erinnerungen an Magath

Darüber hinaus machten sich die Blau-Weißen das Leben selbst wieder schwer. Zwei Wochen vor Weihnachten ärgerte Klubboss Tönnies, bis dahin bemerkenswert zurückhaltend, Christian Heidel damit, dass er laut über die Verpflichtung eines externen Experten nachdachte, der künftig bei der Kaderplanung behilflich sein könnte. Der Sportvorstand reagierte verschnupft, äußerte seine Zweifel, ob es der richtige Weg sei, derartige Überlegungen öffentlich zu machen. In den zweieinhalb Jahren seiner Tätigkeit auf Schalke hat Heidel 154 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Zugleich knüpfte er die Erfüllung seines bis Juni 2020 laufenden Vertrags in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gerade an Bedingungen. „Anspruch und Möglichkeiten müssen im Einklang stehen. Was wir brauchen, sind aber auch die notwendigen wirtschaftlichen Möglichkeiten, um an die Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen.“

Der letzte Titel der Knappen – der Gewinn des DFB-Pokals – liegt acht Jahre zurück. Und in diesen Wochen beschleicht den Klub das Gefühl eines Déjà-vu: Auch im Frühjahr 2011 wankte Schalke, das in allen drei Wettbewerben vertreten ist, als amtierender Vizemeister durch die Liga, entließ Mitte März den in Personalunion als Trainer und Manager werkelnden Felix Magath. Während es der Verein auf internationaler Ebene bis ins Halbfinale der Champions League schaffte – parallel dazu aber fast abgestiegen wäre und am Ende auf Rang 14 strandete.

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