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Klare Kante: Fanaktion im Schalke-Block beim Spiel gegen Drochtersen/Assel gegen Clemens Tönnies nach den rassistischen Aussagen des Aufsichtsratschefs.

FC Schalke 04

Schalke-Fans zeigen Tönnies Rot

Die Anhänger der Königsblauen zeigen am Rande des DFB-Pokals deutlich, was sie vom Klubboss halten.

David Wagner hatte die Hände in den Taschen seiner Hose vergraben, der Blick des neuen Trainers des FC Schalke 04 ging immer wieder Richtung Boden. Nein, die Fragen zu dem Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und den Auswirkungen auf sein Team gefielen Wagner überhaupt nicht.

„Unsere Fans sind nicht doof. Wenn sich einer hingestellt und gesagt hätte: ‚Ich find das cool, was da vorgefallen ist‘, dann wäre ich zum Zaun gelaufen“, sagte Wagner auf dem Dorfsportplatz in Drochtersen, nachdem die Schalker Anhänger die Bühne der ersten DFB-Pokalrunde genutzt hatten, um Tönnies nach dessen rassistischen Entgleisungen die Meinung zu geigen.

„Wir zeigen Tönnies die Rote Karte“ stand auf einem Banner im Schalker Fanblock, „Tönnies raus“ auf einem anderen. Ein Großteil der rund 2000 Anhänger hielt zudem Rote Karten mit dem Namen des mächtigen Fleischfabrikanten in die Höhe, der sein Amt derzeit für drei Monate ruhen lässt. Viele Fans hatten offenbar mehr Reue von Tönnies nach dessen Entgleisung erwartet.

Wagner ahnte nach dem so lange mühsamen 5:0 (1:0) in seinem Pflichtspieldebüt beim Regionalligisten SV Drochtersen/Assel wohl schon, dass die Causa Tönnies Schalke noch länger in Atem halten wird. Länger jedenfalls, als es den Verantwortlichen lieb ist. Am Sonntag, am sogenannten Schalke-Tag, dem Fanfest an der Arena mit rund 100 000 Anhängern, drohten weitere Proteste. Lizenzspielerkoordinator Sascha Riether appellierte dort an die Anhänger: „Wir haben Samstag eine Truppe gesehen, die alles gibt für S04. Jetzt wird es wichtig sein, dass wir uns nicht spalten lassen – egal was passiert.“ Er bezeichnete die Fans als „großen Joker“.

Sportvorstand Jochen Schneider hatte am Samstag in Drochtersen davor gewarnt, eine „Hetzjagd zu veranstalten“. Er „verstehe die Emotionen“ in der Debatte, aber man „dürfe es auch nicht übertreiben“. Schneider erwarte eine Diskussion auf einer „sachlichen Ebene“. Insgesamt habe der Fußball beim Thema Rassismus „enorme Fortschritte gemacht“, sagte der 48-Jährige.

Schneider könne sich noch an die „schlimmen Rufe“ erinnern, die es in der 1980er Jahren in den Stadien gegeben habe: „Es ist gut, dass wir in einer Zeit leben, in denen die Aussagen, die er (Tönnies, d. Red.) getätigt hat, nicht in Ordnung sind und die Leute sagen: ‚Nein, das geht so nicht‘. Da können wir alle froh sein.“ Die Gesellschaft müsse aber auch, nachdem der Sünder sich entschuldigt und Reue gezeigt habe, beweisen, dass „man dann auch verzeihen kann“.

Wagner wünscht sich, dass nun die Bundesliga in den Fokus rückt. „Ich respektiere, wenn weiter darüber gesprochen wird“, sagte der 47-Jährige, aber „wenn es 15.30 Uhr ist, dann geht es nur um Schalke 04 und darum, diese Mannschaft zu unterstützen.“

Die Geschichte des Spiels ist im Gegensatz zum Fall Tönnies schnell erzählt. Schalke tat sich gegen den Dorfklub lange schwer – setzte sich aber nach Toren von Steven Skrzybski (44.), Guido Burgstaller (61./83.), Daniel Caligiuri (65./Foulelfmeter) und Münir Levent Mercan (73.) letztlich souverän durch.

„Wir brauchen es auch nicht schlechter machen, als es war. Das war eine reife Leistung“, sagte Wagner und erinnerte daran, dass er noch nicht viel Zeit für Veränderungen hatte: „Wir sind sechs Wochen zusammen, das ist nichts im Fußball.“ Aber: „Wir gehen Schritte.“ Welchen Schritt die Fans von Tönnies erwarten, machten sie in Drochtersen mehr als deutlich. (sid)

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