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Breel Embolo feiert sein Tor gegen Borussia Dortmund.

Schalke 04

Auf den Tischen getanzt

Ganz Schalke feiert den Derbysieg klassisch und fragt sich: Warum nicht immer so?

Egal, ob in der Kabine, auf der Rückfahrt im Bus oder anschließend in der Fan-Kneipe „Bosch“: Überall stimmte die Schalker Mannschaft ein lautstarkes „Derbysieger, Derbysieger“ an. Der Jubel über den Erfolg beim Revier-Rivalen Borussia Dortmund war so riesig, dass sich die Mannschaft spontan für diesen Besuch in der Vereinsgaststätte entschlossen hatte. Coach Huub Stevens genoss sein Bier, die Spieler tanzten mit den Anhängern auf den Tischen. „Der Trainer hat gesagt, dass er alle Getränke für euch bezahlt“, kündigte Kapitän Ralf Fährmann an.

Der Jubel kannte bei den Knappen keine Grenzen. Weil so gut wie niemand mit einem Erfolg des abgestürzten Vize-Meisters beim bisherigen Titel-Kandidaten aus Dortmund gerechnet hatte. „Wenn wir an uns glauben, ist alles möglich. Schalke ist ein bisschen verrückt“, sagte Vize-Kapitän Benjamin Stambouli.

Diesmal hatte tatsächlich nahezu alles gepasst bei den Königsblauen. Natürlich spielte Schalke nicht die Sterne vom Himmel, aber es fand gegen spielstarke Dortmunder die richtigen Mittel: Kompaktheit, Leidenschaft, Einsatz und Mentalität. „Mich freut es riesig, dass wir gemeinsam auf dem Platz standen und jeder für den anderen da war“, meinte Doppeltorschütze Daniel Caligiuri.

So groß der Jubel über den Sieg war und darüber, dem BVB wohl die Titel-Chance genommen zu haben, stellt sich weiterhin die Frage: Warum schafft es dieses Team nur in solchen Duellen, Charakter zu zeigen? Und auch, wenn viele nun denken, der Derby-Sieg entschädige für die miese Saison: weit gefehlt. Stevens: „Das macht die Saison nicht gut. Dass Schalke so weit unten reinrutscht, das darf uns nicht passieren.“

Noch deutlicher wurde Sportvorstand Jochen Schneider. Natürlich war auch der 48-Jährige erleichtert nach dem Sieg. Dennoch drückte er vehement auf die Euphorie-Bremse und öffnete allen Beteiligten, allen voran wohl der Mannschaft, die Augen. „Schalke 04 hat nach 31 Spieltagen 30 Punkte. Das ist ein Desaster“, sagte Schneider in aller Deutlichkeit. „Das ist ein Schnitt von weniger als einem Punkt pro Spiel. Das ist eine Katastrophe.“

Tedesco gratuliert

Der Nachfolger von Christian Heidel, der dieses Team zusammengestellt hat, redete dabei deutlich den Spielern ins Gewissen. „Da müssen sich alle die Frage stellen: ‚Warum nicht immer so?‘“ Schneider berichtete, dass er dabei auch an den beurlaubten Ex-Coach Domenico Tedesco gedacht habe: „Er war der Erste, der mir gratuliert hat. Er hat sich gefreut wie kein Zweiter.“ Schalkes Sportchef ließ durchblicken, dass vor allem die fehlende Einstellung nicht allein ein Problem des Trainers gewesen sei. Schließlich liefen die ersten Partien unter der Leitung von Stevens kaum besser.

Für ihn steht viel Arbeit an. Er muss mit der sportlichen Führung, die mit einem Sportdirektor und neuem Cheftrainer noch gefunden werden muss, ein neues Team formen, das Schalker Tugenden gerecht wird. Zumal Königsblau definitiv noch nicht gesichert ist. „Es kann noch alles schief gehen“, mahnte Stürmer Guido Burgstaller. Immerhin in der Hinsicht waren sich alle einig.

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