Clemens Tönnies hat unter den Schalke-Fans wenige Freunde.
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Clemens Tönnies hat unter den Schalke-Fans wenige Freunde.

Clemens Tönnies

Schalke 04 und Clemens Tönnies: Ein Verein als Schlachthof

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Auf Schalke sehen die Fans die Werte des Ruhrpottklubs in Gefahr und machen gegen die Führung um Clemens Tönnies mobil.

Es ist eine Saison zum Vergessen – mal wieder. Schalke 04 macht es seinen Anhängern nicht leicht. In den vergangenen zehn Spielen holten die Knappen drei Unentschieden – und mussten sich sieben Mannschaften geschlagen geben, darunter den Abstiegskandidaten Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf. Die Bilanz einer katastrophalen Rückrunde mit nur acht erzielten Toren: Platz elf in der Liga mit einem Rückstand von 30 Punkten auf den Erzrivalen Dortmund – Lichtjahre.

In Krisen rücken manche Klubs zusammen. Nicht so auf Schalke. Kurz vor Ende der Saison zeigen sich tiefe Gräben zwischen dem Verein und seinen Fans. Selbst die treuesten Anhänger haben inzwischen genug. Während des letzten, bedeutungslosen Spiels gegen Freiburg am Samstag (15.30 Uhr) wollen Schalke-Fans mit einer Menschenkette um das Vereinsgelände demonstrieren – gegen Missstände und Fehlentwicklungen, wie mehrere Fan-Organisationen am Dienstag mitteilten. Das Motto „Schalke ist kein Schlachthof! Gegen die Zerlegung unseres Vereins“ richtet sich gegen die Vereinsführung um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.

Wenige Stunden zuvor hatten die „Ultras Gelsenkirchen“ ihrem Ärger Luft gemacht. Im Internet veröffentlichten sie einen Brandbrief. Anlass war nicht nur die sportliche Talfahrt der Königsblauen, sondern vor allem das Verhalten der Schalker Chefetage, die den Verein „Woche für Woche der Lächerlichkeit preisgeben“.

Das Schreiben listet die Verfehlungen der Schalker Führung aus Sicht der Fans detailliert auf: Der Schalker Ehrenrat – ein Gremium ohne Transparenz; die finanzielle Situation des Klubs – erschreckend; der Aufsichtsrat – seiner Kontrollverpflichtung nicht nachgekommen.

Auch andere Schalke-Fans positionierten sich. Die Gruppe „Schalker Block5“ veröffentlichte eine Stellungnahme im Stil einer Traueranzeige unter der Überschrift: „Wir trauern um die Werte unseres FC Schalke 04“. Auch dort: Wut und Ratlosigkeit. Die Tradition des sozialen Kumpel-Klubs werde „nur aus PR-Gründen“ aufrecht gehalten.

Die Schalker Führung war zuvor mit Ausgliederungsplänen für die Profiabteilung in die Kritik geraten. Außerdem sorgte ein „Härtefallantrag“ für die Rückzahlung bereits bezahlter Tickets für Entsetzen, die Entlassung von 24 altgedienten Busfahrern für Empörung. Im vergangenen Jahr fiel der Aufsichtsratsvorsitzende Tönnies mit rassistischen Aussagen auf, nun steht er als Fleisch-Unternehmer wegen eines massenhaften Coronavirus-Ausbruchs in der Kritik.

Ob es der Schalker Führung in absehbarer Zeit gelingen wird, die Gräben zwischen Verein und Fans zuzuschütten, ist fraglich. Zu tief scheint der Frust bei vielen Anhängern zu sitzen. „Die gesamte Saison ist eine moralische Bankrotterklärung“, bilanzieren die „Ultras Gelsenkirchen“. Zur neuen Saison fordern sie daher eine „Rückbesinnung auf alte Tugenden“ und einen Neuanfang: „Wir haben keinen Bock mehr auf Ausreden oder Entschuldigungen.“

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