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Auf Schalke brennt's mal wieder

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Von: Ingo Durstewitz

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Tritt kräftig nach: Jewgeni Konopljanka geht auf Schalke-Trainer Markus Weinzierl los.
Tritt kräftig nach: Jewgeni Konopljanka geht auf Schalke-Trainer Markus Weinzierl los. © dpa

Beim FC Schalke 04 hängt sogar der Haussegen schief, wenn der Ball gar nicht rollt. Trainer Weinzierl steht in der Kritik.

In der schon traditionellen Umfrage des Fachmagazins „Kicker“ unter den Bundesligaprofis nach der Saison hat Schalke 04 zwar erneut einen Titel verpasst, aber immerhin ganz souverän zwei Spitzenplätze eingefahren. In der Kategorie „größte negative Überraschung“ wählten 248 Erstligaspieler Königsblau auf Rang drei (hinter Leverkusen und Spitzenreiter Wolfsburg, aber überraschenderweise vor dem HSV), und in der Rubrik „Trainerverlierer“ machte S04 die Vizemeisterschaft klar: Markus Weinzierl musste sich nur Roger Schmidt geschlagen geben. Endlich mal vorne dabei, der stolze Klub aus dem Herzen des Ruhrpotts.

Zieht man mal ein wenig Sarkasmus ab, dann muss man dennoch konstatieren, dass die Gelsenkirchener auch in der fußballlosen Zeit weiter eifrig Schlagzeilen schreiben, natürlich keine positiven, wie schon die gesamte Spielzeit über nicht, die die Knappen auf einem völlig enttäuschenden zehnten Platz abschlossen. Unter der Woche war es wieder einmal zu heftigen Turbulenzen gekommen, die selbst der urlaubende Sportvorstand Christian Heidel im fernen Miami spürte.

Edelreservist Jewgeni Konopljanka hatte in einem Interview schwere Vorwürfe gegen Weinzierl erhoben und ihn ehrabschneidend attackiert. Der Coach sei „ein Feigling“, und es sei sonnenklar, dass Weinzierl „nicht länger Trainer dieser Mannschaft“ sein sollte. „Ansonsten steigt Schalke in die zweite Liga ab.“

Der Fußballlehrer hatte dem 12,5 Millionen Euro schweren ukrainischen Nationalspieler in einem kurzen Gespräch mitgeteilt, dass er nicht mehr mit ihm plane. Konopljanka, erst vor einem Jahr aus Sevilla gekommen, hat daraufhin eigenem Bekunden nach geantwortet: „Glauben Sie, Sie bleiben länger in dem Verein als ich?“ Das zumindest ist ziemlich wahrscheinlich.

Klar ist: Das Tischtuch ist zerschnitten, sicher ist auch, dass der 27-Jährige seinen Abgang provozieren will. Erst einmal wird er aber eine empfindliche Geldstrafe zahlen müssen. Schalke 04 hat aber ansonsten kaum eine Möglichkeit, den Spieler zu sanktionieren, schließlich will der Revierklub zumindest einen Gutteil der zweistelligen Investitionssumme wieder einstreichen.

Die Attacke Konopljankas offenbart die tiefen Gräben, die sich in der gar nicht mehr heilen Welt in Gelsenkirchen-Buer auftun. Schon der scheidende Publikumsliebling Klaas-Jan Huntelaar hatte scharf gegen den früheren Augsburger Trainer geschossen: „Ich schleime mich nicht in die Mannschaft.“

Schalke 04, so viel ist klar, geht mit einem angezählten Trainer in die neue Saison, und es ist nicht zu erwarten, dass die Schonfrist ähnlich lange währen wird wie in der abgelaufenen Runde. Erst zum Ende der Saison hatte auch Manager Heidel seinen Trainer massiv unter Druck gesetzt: „Es gibt keine Ausreden mehr. Es muss geliefert werden.“ Und: „Ich möchte, dass die Mannschaft ein klares Konzept auf dem Platz zeigt. Ich habe es nicht erkannt.“

Sticheleien von allen

Trainer und Manager waren schon zuvor in Transferfragen uneins, man konnte den Eindruck gewinnen, dass beide nicht am gleichen Strang ziehen. Nun soll die Mannschaft nach Weinzierls Vorstellungen umgebaut werden. Denn der wiederum war mit den Aktivitäten seines direkten Vorgesetzten auf dem Spielermarkt nicht zufrieden, obwohl Heidel für 70 Millionen Euro shoppen gehen durfte.

In einem Gespräch mit der „Zeit“ sagte Weinzierl unlängst: Man könne sich als Trainer viele Gedanken machen, „am Ende sind Sie aber von der Qualität des Kaders abhängig“. In Richtung Heidel stichelte er: „Schalke 04 hat andere Ansprüche als Mainz 05. Das ist eine neue Aufgabe.“ Klingt jetzt alles nicht unbedingt so, als würde auf Schalke das Feuer schnell ersticken.

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