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Schalke 04: Königsblaue Abrissbirnen

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Von: Ingo Durstewitz

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Schalker Torjäger: Simon Terodde.
Schalker Torjäger: Simon Terodde. © Tim Rehbein/dpa

Nach dem Aufstieg setzt der stolze Malocherklub Schalke 04 auf große Burschen und tritt demütiger auf als früher.

Nur ein Jahr hat es gedauert, ehe der Betriebsunfall korrigiert und die königsblaue Welt wieder heile war. Vergessen die schändliche Vorsaison voller Skandale, Fettnäpfchen und monströser Negativserien, die im Abstieg mündete. Gefühlt eine Ewigkeit her. Schalke 04, der stolze Malocherklub aus dem Pott, ist wieder da, zurück im Revier, dort, wo er nicht nur dem eigenen Selbstverständnis nach hingehört: im Oberhaus. Den Aufstieg hat S04 recht souverän eingetütet, als Meister. Aber wie geht es weiter? Gleich volle Pulle Kurs Europa? Sieht nicht so aus, der Klub ist demütig geworden. Nur der Klassenerhalt zählt. Wohltuend.

Wie stark ist der Kader?

Das ist die große Frage, die selbst der besonnene und umsichtige Sportchef Rouven Schröder nicht gesichert beantworten kann. Auf jeden Fall ist der Umbruch schon wieder gewaltig, elf neue Spieler haben die Gelsenkirchener geholt. Auffällig: Viele sind richtige Kanten, hünenhafte Athleten. „Groß-Einkauf“, titelte der „Kicker“ zweideutig. „Wir wollen uns als Schalke 04 nicht kleinmachen“, sagt Trainer Frank Kramer. „Dabei hilft es, große und wuchtige Kerle in seinen Reihen zu haben.“ Ob das reicht?

Worauf steht der Trainer?

Frank Kramer ist ein absoluter Realist, ein kluger Mann, 50, früher mal Lehrer, einer, der weiß, wie er Menschen anzupacken hat. Dennoch war die Enttäuschung riesig, als er auf Schalke präsentiert wurde. Die Fans hatten sich etwas anderes erhofft, einen klangvolleren Namen, eine schillernde Persönlichkeit und nicht einen, der kurz vor dem Abstieg sogar bei Arminia Bielefeld rausgeflogen ist. Das Gehetze ging gar so weit, dass Vorstand Peter Knäbel zur Ordnung rief: „Persönliche Anfeindungen im Netz gehören sich nicht. Da gibt es eine rote Linie.“ Das sind allerlei Nebenschauplätze für den früheren DFB-Coach Kramer, der sich am Machbaren orientiert und seine Mannschaft zu einer robusten, widerstandsfähigen Einheit formen will, die gerade über Standards erfolgreich sein soll. Klingt nicht so, als würden die Schalker die Sterne vom Himmel spielen. Müssen sie ja auch nicht.

Die Wechsel

Zugänge: Alex Kral (Spartak Moskau), Cedric Brunner (DSC Arminia Bielefeld), Maya Yoshida (Sampdoria Genua), Sebastian Polter (VfL Bochum), Alexander Schwolow (Hertha BSC, Leihe), Tom Krauß (RB Leipzig), Justin Heekeren (Rot-Weiß Oberhausen), Florent Mollet (HSC Montpellier), Tobias Mohr (1. FC Heidenheim), Thomas Ouwejan (AZ Alkmaar, nach Leihe fest verpflichtet), Ibrahima Cisse (KAA Gent U21), Rodrigo Zalazar (Eintracht Frankfurt, nach Leihe fest verpflichtet), Marvin Pieringer (SC Freiburg, nach Leihe fest verpflichtet), Leo Greiml (Rapid Wien), Ozan Kabak (Norwich City, Leihe beendet), Amine Harit (Olympique Marseille, Leihe beendet), Can Bozdogan (Besiktas, Leihe beendet), Rabbi Matondo (Cercle Brügge, Leihe beendet), Nassim Boujellab (FC Ingolstadt, Leihe beendet).

Abgänge: Rabbi Matondo (Glasgow Rangers), Levent Mercan (Karagümrük, nach Leihe fest verpflichtet), Hamza Mendyl (OH Leuven, war an Gaziantep FK verliehen), Timo Becker (Holstein Kiel, war zuvor an Hansa Rostock verliehen), Reinhold Ranftl (Austria Wien, Leihe), Dries Wouters (KV Mechelen, erneute Leihe), Martin Fraisl (Vertragsende), Salif Sane (Vertragsende), Marc Rzatkowski (DSC Arminia Bielefeld), Ko Itakura (Manchester City, Leihe beendet), Andreas Vindheim (Sparta Prag, Leihe beendet), Darko Churlinov (VfB Stuttgart, Leihe beendet), Yaroslav Mikhailov (Zenit St. Petersburg II, Leihe beendet).

Wo hapert es noch?

Spielerisch ist es dünn, was Königsblau anbietet. Bezeichnend, dass Aufstiegsheld Rodrigo Zalazar als der beste Fußballer gepriesen wird. Er ist bei Eintracht Frankfurt gewogen und für zu leicht für die Bundesliga befunden worden. Man wird sehen.

Wer sticht heraus?

Die beiden Stürmer, Zweitliga-Dauerknipser Simon Terodde und der aus Bochum gekommene Sebastian Polter. „Terodde ist ein Schleicher, Polter die Abrissbirne“, hat Kramer sein Duo beschrieben, das Tore garantiert – zumindest in Liga zwo. Aber in der Premiumklasse? Hmm, Zweifel sind angezeigt. Held im Hintergrund: Mike Büskens, Vereinslegende und Aufstiegstrainer, der wieder ins zweite Glied zurückgetreten ist. Respekt.

Was ist drin?

Der Klassenerhalt, mit Ach und Krach. Nicht schlimm. Schalke wird mit seiner ganzen Wucht zurückkommen, nicht sofort, aber auf Sicht. Die neue Demut steht dem immer noch hochverschuldeten und früher zu Großmannssucht neigenden Verein sehr gut.

Die Bundesliga-Serie und alle veröffentlichten Tipptabellen finden Sie unter: fr.de/tipptabelle

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FR-Tipptabelle © FR

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