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Freigestellt: Trainer Christian Gross. dpa
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Freigestellt: Schalke-Trainer Christian Gross.

FC Schalke 04

Der Sturz ins Bodenlose

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der FC Schalke 04 setzt seine Sportliche Führung vor die Tür und leitet damit die Planungen für Liga zwei ein.

Gelsenkirchen – Jetzt hat Christian Gross, kaum 62 Tage im Amt, gerade mühsam, die Namen seiner Schalker Spieler gelernt, schon ist er wieder weg, freigestellt am gestrigen Sonntagmorgen nach einer 1:5-Niederlage beim Aufsteiger VfB Stuttgart, gemeinsam mit Vorstand Jochen Schneider, Lizenzspielerbetreuer Sascha Riether und, Achtung, Athletiktrainer Werner Leuthard. Und er kann einem ja beinahe Leid tun, dieser längst aus der Zeit gefallene Ex-Trainer der peinlichsten Schalker, die es je gab, der viel mehr Auslaufmodell war als Hoffnungsträger, Sinnbild für ein grandioses Scheitern in Gelsenkirchen-Buer. Wie konnte Jochen Schneider nur auf die Idee kommen, einen Coach zu installieren, der die vergangenen zehn Jahre Teams in der Wüste in Saudi-Arabien und Ägypten angeleitet hat, man ahnt jetzt auch, warum.

Das war ja nur die letzte Fehlentscheidung des heillos überforderten Schwaben Schneider, eines Mannes, der auf seinen letzten Stationen, in Stuttgart und Leipzig, im zweiten Glied stand, und offensichtlich keiner ist für die erste Reihe, keiner, der ein mittelständigen Unternehmen alleinverantwortlich führen kann. All die Fehler, die auf Schalke in den letzten Jahren gemacht wurden, würden mindestens ein Lehrbuch füllen. Jetzt sollen übergangsweise der frühere Manager des Hamburger SV und bisherige Leiter des Schalker Nachwuchsleistungszentrums, Peter Knäbel, die Nachfolge Schneiders antreten, der ohnehin am Saisonende ausgeschieden wäre. Bis Saisonende springt Ex-Profi Gerald Asamoah als Teammanager ein.

Schalke 04: Jetzt gegen Mainz 05

Wer das taumelnde Team hingegen auf das nicht ganz unwichtige Spiel gegen Mainz 05 am Freitag vorbereitet, ist unklar. Klar ist aber: Der neue Mann wird der fünfte Trainer in einer Saison, das wäre Rekord in der Bundesliga-Geschichte. Spötter haben schon gerechnet, dass S04 bald mehr Trainer habe als Punkte, neun Zähler sind es nach 23 Spielen. David Wagner, Manuel Baum, Huub Stevens und Gross mühten sich vergeblich. Von Baum, dem Taktik-Nerd, ist immerhin ein Bonmot überliefert. Schalke sei „wie eine neue Ketchup-Flasche, auf die man nach dem Öffnen erst noch klopfen muss, damit etwas herauskommt.“ Sie klopfen heute noch.

Immerhin konnte mit allerhöchster Anstrengung verhindert werden, nicht auch noch den Uralt-Negativrekord von Tasmania Berlin (31 Spiele ohne Sieg) gebrochen zu haben. Seit 55 Jahren stand kein Bundesligist zu diesem Zeitpunkt der Runde schlechter da als Schalke, 2018 immerhin noch Vizemeister. Der SC Freiburg ist 2005 mal mit 18 Zählern abgestiegen. Ob S04 so viele Punkte noch holt?

Schalke 04: Hoher Schuldenberg

Schalke 04, ein Klub mit viel Tradition und glorreicher Geschichte, den Manager Rudi Assauer einst aus dem Dunstkreis von Skandalen und Chaos in moderne Zeiten geführt hat, dieser Klub ist gerade dabei, sich selbst zu zerlegen. Sportlich, wirtschaftlich (mit mehr als 200 Millionen Schulden) und gesellschaftlich-moralisch am Boden, ein Desaster. Der FC Schalke 2021 erinnert auf erschreckende Weise an das Schalke vor Assauer – an Führungslosigkeit und fehlende Kompetenz auf allen Ebenen.

Die letzte Schäbigkeit ist die Spielerrevolte gegen Gross, angeführt von den erst im Winter in einer Verzweiflungstat angeheuerten Sead Kolasinac, Shkodran Mustafi und dem Dauerverletzten Klaas-Jan Huntelaar, die den Coach beim Vorstand anschwärzten, hinterher aber nicht mal Rückgrat hatten, zu ihrem Tun zu stehen. Ob das die darüber berichteten Medien erfunden hätten, ist Ex-Nationalspieler Mustafi gefragt worden, „wahrscheinlich“, hat er frech geantwortet.

Schalke 04: Der zweiten Liga entgegen

Für die Chronik des angekündigten Abstiegs und den Sturz ins Bodenlosen trägt freilich Jochen Schneider nicht die alleinige Schuld, Vorgänger Christian Heidel, der 160 Millionen Euro für diese Mannschaft ausgeben hat, die jetzt ungebremst in die Zweite Liga rast, und der untragbar gewordene, zurückgetretene Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies, der auf die falschen Sportchefs setzte, tragen ebenso die Verantwortung. Pikanterweise gilt Heidel beim nächsten Schalker Gegner Mainz 05 als Hoffnungsträger.

„Die getroffenen Entscheidungen sind nach den enttäuschenden Auftritten gegen Dortmund und Stuttgart unausweichlich geworden“, sagte Aufsichtsratschef Jens Buchta. Er leitete damit die Planungen für den vierten Bundesligaabstieg ein. Immerhin hat der FC Schalke 04 ausreichend Zeit, sich auf die Zweite Liga einzustellen und entsprechende Weichen zu stellen - ob sie das hinbekommen, ist angesichts der letzten Jahre nicht gewiss. (Thomas Kilchenstein mit dpa)

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