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Schade drum

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Von: Jakob Böllhoff

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Auch einer, der Spiele ganz alleine entscheidet: Giovanni Reyna. Foto: AFP
Auch einer, der Spiele ganz alleine entscheidet: Giovanni Reyna. Foto: AFP © AFP

Immer mehr entscheidet die Klasse Einzelner Fußballspiele. Wohl dem, der einen Alleinemacher hat. Ein Kommentar.

Es gibt zahlreiche gute Mannschaften in der Fußball-Bundesliga, das hat das vergangene Wochenende wieder einmal gezeigt. Der Tabellenletzte zum Beispiel, der FC Schalke 04, zeigte eine sehr ansprechende Teamleistung beim Topteam Eintracht Frankfurt. Auch der FC Augsburg machte beim Spiel bei Borussia Dortmund viel richtig und spielte attraktiven Fußball – untrügliche Zeichen dafür, dass Trainer Enrico Maaßen Wertarbeit leistet in der Fuggerstadt, genau wie Kollege Thomas Reis in Schalke.

Ach ja, ihre Spiele haben beide trotzdem verloren am Wochenende, Schalke 0:3 in Frankfurt, Augsburg 3:4 in Dortmund.

Warum? Weil der Mannschaftssport Fußball sich verlässlich selbst verrät, weil irgendwann nämlich nur noch eines hilft: die Klasse des Einzelnen.

Das dritte Dortmunder Tor gegen Augsburg: eine schöne Soloaktion des 18-jährigen Engländers Jamie Bynoe-Gittens. Das vierte: ein unschlagbarer Schuss US-Amerikaners Giovanni Reyna, 20. Zwei unverschämt talentierte Spieler, die „FC Augsburg“ bis vor Kurzem vermutlich noch für einen erfundenen Klubnamen bei einem Videospiel hielten.

In Frankfurt leiteten Jesper Lindström und Rafael Borré mit feinen Aktionen den Frankfurter Sieg ein, während Schalkes ehrbare Gruppenanstrengungen stets in den unbeholfenen Füßen seiner Angreifer endete. Was soll man da machen als Trainer, außer flehentliche Blicke zum Manager werfen: kannst du mir vielleicht auch mal einen kaufen, der was alleine machen kann?

Aber die Alleinemacher sind heiß begehrt und teuer. Die großen Klubs reißen sie früh an sich, oft schon im Jugendalter. Die kleinen Klubs müssen sich deshalb etwas einfallen lassen, und manchmal wirken die Versuche befremdlich. Augsburg hat vor genau einem Jahr mit großem Trara den 19-Jährigen US-Amerikaner Ricardo Pepi für erstaunliche 17,5 Millionen Euro aus Dallas gekauft. Ein Risikogeschäft, bei dem die Zukunft zeigen muss, ob es sich auszahlt. Fürs Erste wurde Wunderknabe Pepi in die Niederlande weitergereicht, beim FC Groningen soll er sich an den europäischen Fußball gewöhnen, um dann irgendwann in Augsburg zum Unterschiedsspieler werden zu können, vielleicht.

Wer einen hat, verliert ihn schnell, im Zweifel nach England. Dorthin hat der SC Freiburg gerade sein größtes Talent ziehen lassen, mehr als 20 Millionen Euro legt der Mittelklasseklub FC Brentford für Kevin Schade hin, einen 21-Jährigen, der sehr schnell rennen kann und sehr hoch springen und dem es regelmäßig gelingt, den Ball ins Tor zu befördern. Schade hat in Freiburg zirka fünfmal gezeigt, dass er talentiert ist. Dann hat er sich verletzt und ein Dreivierteljahr gefehlt. Hat genügt für den großen Transfer auf die Insel.

Was ihn hierzulande weiterhin interessant macht? Schade ist Deutscher und deshalb bestimmt bald A-Nationalspieler. Denn die Alleinemacher sind eine rare Spezies, nicht nur in Augsburg oder Schalke. Sondern tragischerweise auch in sämtlichen deutschen Auswahlteams.

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