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Gemeinsam sind wir stark: Die Freiburger Spieler bejubeln den jüngsten Sieg gegen Fürth.
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Gemeinsam sind wir stark: Die Freiburger Spieler bejubeln den jüngsten Sieg gegen Fürth.

SC Freiburg

SC Freiburg: Die Musterschüler der Bundesliga

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der SC Freiburg reist als Dritter zum FC Bayern, doch wichtiger ist der Vorbildcharakter für die ganze Bundesliga.

Es ist noch der Corona-Pandemie geschuldet, dass Gästefans nur fünf Prozent der verfügbaren Ticketkapazität erhalten. In der Regel kommt der SC Freiburg mit dieser Quote gut aus, doch an diesem Samstag reicht das Kontingent hinten und vorne nicht aus. Die knapp 4000 Karten für das Gastspiel beim FC Bayern waren in Windeseile ausverkauft. Gefühlt die halbe Studentenstadt wollte sich auf nach München machen, wo sich zum elften Bundesliga-Spieltag eine denkwürdige Konstellation ergibt. Der Sport-Club reist als ungeschlagener Dritter an.

„Das ist grundsätzlich angenehm“, sagt Trainer Christian Streich ungewohnt entspannt und räumt ein: „Unsere derzeitige Situation führt schon zu einer gewissen Gelassenheit.“ Es sei super, „dass wir mit dieser Form der Leichtigkeit nach München fahren können“. Hört sich so an, als könne der 56-Jährige alles sogar ein bisschen genießen.

Seine Spieler, das ist so üblich im Schwarzwald, halten derweil den Ball flach. Nicolas Höfler, einer der vielen unterschätzten Teamplayer, erklärte, dass die Mannschaft „realistisch genug ist, um zu wissen, gegen wen wir spielen und wie das Spiel im Normalfall aussieht“. Normalerweise gibt es bei den Bayern nicht viel zu holen. Vor drei Jahren, am 3. November 2018, reichte es zu einem 1:1. Die zwei anderen Punkteteilungen führen zurück ins Jahr 1997 und 1995. Damals coachte noch Volker Finke an der Seitenlinie, die zweite Langzeit-Ikone. Einen Sieg aber schafften weder Streich noch Finke.

Es gibt jetzt jedoch ein paar Zahlen, die Zuversicht nähren. Freiburg gestattete erst sieben Gegentore, Torhüter Mark Flekken wehrte 82 Prozent aller Torschüsse ab, deutlich mehr als Manuel Neuer, der einige Male in dieser Spielzeit nicht ganz so gut aussah. Dabei wird der Bayern-Tormann in der Nationalmannschaft jetzt auch vom derzeit in Doppelfunktion tätigen Freiburger Torwarttrainer Andreas Kronenberg angeleitet; jener Schweizer, der im Breisgau schon viele Ballfänger besser gemacht hat.

Neues Stadion nicht teuer

Nebenbei treffen die bislang fairsten Teams der Liga aufeinander. Ansonsten sind die beiden Klubs in völlig anderen Sphären unterwegs. Hier der Global Player, der einen Weltfußballer wie Robert Lewandowski und vielleicht bald auch Erling Haaland bezahlen kann (die Entscheidung bahnt sich die nächsten Wochen an); der Anteile an Weltkonzerne Adidas, Audi und Allianz abgetreten hat – und der ungeniert auch für Katar wirbt.

Der FC Bayern hat trotz pandemiebedingten Einbußen in 2019/2020 noch fast 700 Millionen Euro Umsatz gestemmt, 315 Millionen davon flossen als Gehälter an alle Angestellten, das Gros natürlich an die Stars. Die Bilanzzahlen des SC Freiburg lauteten jüngst: 110 Millionen Euro Gesamtumsatz, Jahresüberschuss 9,8 Millionen. Das Eigenkapital wuchs auf satte 93 Millionen. Wenn Vorstände aus Gelsenkirchen, Hamburg oder Bremen noch was lernen wollen, sollten sie mal ein Praktikum auf der Freiburger Geschäftsstelle machen. Ob der Personalaufwand gegenüber der Vorsaison (49 Millionen) gestiegen ist, will der Klub übrigens nicht kommentieren. Unter Berücksichtigung von Geisterspielen und Zusatzbelastungen durch den Stadionneubau ist der Gewinn eine Weltklasseleistung.

„Dass uns das als Verein gelungen ist, liegt an unserer konsequenten Transferpolitik und daran, dass der Verein sein Handeln weiterhin konsequent an seiner Gesamtstrategie ausrichtet, in der sportliche und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen Berücksichtigung finden“, teilte Vorstand Oliver Leki mit. Im Sommer 2020 brachte man ja das Kunststück fertig, mit Luca Waldschmidt, Robin Koch und Alexander Schwolow drei Leistungsträger für 35 Millionen Euro zu verkaufen, ohne darunter fußballerisch zu leiden. Doch weil sich auf Dauer auch etwas auf der Einnahmeseite tun musste, ist inzwischen ein neues Stadion in Betrieb, das – wie es sich in Freiburg gehört – klimaneutral betrieben werden kann, weil Fernwärme aus Industrieanlagen für C02-Neutralität sorgt.

Bei der Errichtung haben Stadt und Verein einen Doppelpass gespielt, der ebenso als beispielhaft gelten kann: Die Gesamtkosten blieben mit 76,5 Millionen für eine 34 700 Fans fassende Spielstätte in einem überschaubaren Rahmen. Die Stadt Freiburg brachte das Grundstück als Sacheinlage, der SC Freiburg eine ligaunabhängige Kapitaleinlage von 26,45 Millionen ein. Die Stadt legte noch einen Investitionszuschuss von 9,5 Millionen oben drauf, während die übrigen 40,5 Millionen über Darlehen finanziert wurden. Alles in allem sind das für jede Seite vertretbare Summen. Die Tagträumer in ihren Luftschlössern sitzen im deutschen Profifußball eben woanders.

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