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Vom Saulus zum Paulus

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Von: Thomas Kilchenstein

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Yussuf Poulsen trifft auch unter falschem Namen.
Yussuf Poulsen trifft auch unter falschem Namen. © dpa

Das Märchen um Yussuf Yurary.

Stürmer müssen im modernen Fußball vielfältige Aufgaben erledigen, Tore schießen ist nur ein Aspekt. Meist müssen sie anlaufen, nach hinten arbeiten und im eigenen Strafraum aushelfen, was bisweilen kontraproduktiv ist, weil Stürmer eben keine Abwehrspieler sind und entsprechend ungehobelt in Duelle gehen. Wie etwa der Däne Yussuf Poulsen, der unmittelbar vor der Halbzeitpause den Peruaner Cueva im Strafraum mit einem klassischen Fußfeger von den Beinen holte. Elfmeter, und damit schien die WM-Premiere des Yussuf Poulsen, der seit 2013 bei RB Leipzig in der Bundesliga spielt, die denkbar schlechteste Wendung zu nehmen. Was geht der auch so da hin!

Sekunden später war die Welt des Zopfträgers wieder in Ordnung, Cueva hatte den Strafstoß merkwürdig weit über die Latte gedroschen. Und das Märchen ging weiter: Nach einer knappen Stunde schoss just dieser Poulsen die Kugel mit links sehr überlegt zum 1:0-Auftakterfolg der Dänen ins Tor. Vom Saulus zum Paulus dauerte es nicht einmal ein Viertelstündchen. „In einer Sekunde bist du der Depp, in der nächsten der Held“, sagte Poulsen, der    nicht gerade als Tormaschine bekannt ist, in 30 Bundesligaspielen hat er viermal getroffen, das ist nicht viel für einen Angreifer. Da steht er bei RB im Schatten von Timo Werner und Emil Forsberg.

Der 24-Jährige trägt im Dress Dänemarks einen anderen Namen auf dem Trikot als in Leipzig, und zwar Yurary. Das ist sein zweiter Vorname, und es ist der Nachname seines Vaters Shihe aus Tansania. Der war an einer Krebserkrankung gestorben, als der Junior sechs Jahre alt war. „Das war schlimm für mich und meine Familie. Wir haben lernen müssen, ohne ihn zu leben. Heute verbinde ich jedes Spiel auch mit ihm“, sagte Poulsen. Weshalb er seinen Vater auf dem Dänen-Trikot ehrt.

Eigentlich wollte Poulsen, der am Tag vor dem Spiel Geburtstag hatte, Yurary auch bei RB auf dem Hemd haben. „Aber als ich den Vertrag unterschrieben habe, hatten sie schon die ‚Poulsen‘-Trikots gedruckt.“ 

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