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„Islamfeindlich“: Saudischer Sportminister kritisiert Anspruch auf Alkoholverkauf

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Von: Niklas Kirk

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Alkohol und Rauchen töten jährlich mehrere Tausend Menschen in Deutschland laut dem aktuellen Bericht im „Jahrbuch Sucht 2022“.
Nicht überall so selbstverständlich wie in Deutschland: der Verkauf von Bier und anderen alkoholischen Getränken in Stadien © Pius Koller/IMAGO

In der Debatte um das Alkoholverkaufsverbot in den Stadien meldet sich der saudische Sportminister zu Wort. Auch im Hinblick auf die eigene WM-Bewerbung.

Frankfurt – Es war die letzte Kontroverse, vor Beginn des Turniers. Rund 48 Stunden vor Anpfiff des Eröffnungsspiels bei der WM 2022 wurde die vereinbarte Aufweichung des Alkoholverbots durch die FIFA wieder rückgängig gemacht. Im konkreten Fall geht es dabei um ein Verkaufs- und Konsumverbot in den Stadien, wobei die Regelungen auf den Fanfesten wo Alkohol ab einer bestimmten Uhrzeit ausgeschenkt werden darf, unberührt blieben.

Nachdem sich die vorausgegangenen Kontroversen um Menschenrechte und Arbeitsbedingungen gedreht hatte, sorgte diese Regeländerung für hitzige Debatten, auch wenn Einschränkungen von Bierverkauf in europäischen Stadien aus sicherheitsrelevanten Aspekten nicht unbekannt sind. Nun meldete sich der saudische Sportminister bezugnehmend im Falle einer eigenen WM-Austragung zu Wort. Sein Land gilt als Bewerberkandidat für die WM 2030 im Verbund mit Ägypten und Griechenland.

Saudischer Minister über mögliche WM-Bewerbung: „Wer möchte nicht Gastgeber einer Weltmeisterschaft sein?“

Erst Anfang November wurden die Ambitionen der Verbände für ein WM-Turnier auf drei Kontinenten offensiv nach außen getragen. In einem Interview mit der BBC im Rahmen der Weltmeisterschaft, äußerte sich der saudische Sportminister Abdulasis bin Turki al-Faisal zu einer möglichen Austragung seines Landes, ohne die Absicht allzu sehr zu konkretisieren. „Wer möchte nicht Gastgeber einer Weltmeisterschaft sein?“.

Dafür sprechen würde die saudische Vorgehensweise, ähnlich der katarischen, sich über finanzielles und organisatorisches Engagement im Weltsport eine Relevanz auf politischer Ebene zu sichern und zu vergrößern. Saudi-Arabien hat sich bereits in den vergangenen Jahren zunehmend als Ausrichter internationaler Sportveranstaltungen positioniert, unter anderem von Formel-1-Rennen und Box-WM-Kämpfen. 2029 soll das von Wüste geprägte Land auch die Asien-Winterspiele ausrichten. Der Wettlauf der konkurrierenden Nationen ist von der angespannten Lage durch Katars weitreichende Kooperationen mit Saudi-Arabiens Widersacher Iran geprägt.

Saudischer Minister über Alkoholkonsum im Sport: „Wir leben in unterschiedlichen Regionen der Welt“

Bezugnehmend auf die aktuelle stattfindende Debatte kritisiert al-Faisal den gestellten Anspruch von Alkoholverkauf und -konsum bei Sportveranstaltungen, im konkreten Fall, falls sein Land den Zuschlag für die WM 2030 bekommen sollte. Anders als in Katar ist Alkohol im benachbarten Saudi-Arabien vollkommen verboten. So argumentiert der Minister in einem Interview am Freitag (25. November) mit Sky Sport News „Die WM ist für jeden da, und wir leben in unterschiedlichen Regionen der Welt.“ Ländern oder ganzen Regionen den Verkauf von Alkohol aufzuzwingen, ungeachtet der kulturellen Gegebenheiten vor Ort, sei für ihn im konkreten Fall gar „islamfeindlich“.

Auch das Thema Homosexualität kam im Interview zur Sprache. Im Falle der hypothetischen Auftragung des Turniers durch Saudi-Arabien seien homosexuelle Fußballfans in Saudi-Arabien willkommen. „Wir gehen nicht herum und fragen: Bist Du homo- oder heterosexuell.“, dennoch gebe es in Regeln, die jeder zu befolgen habe. In Saudi-Arabien sind homosexuelle Handlungen per Gesetz strafbar und mit körperlichen Strafen bedroht.

Unterdessen gab der Rewe-Konzern das Ende seiner Kooperation mit dem DFB bekannt. Grund war der Verzicht der Nationalmannschaft auf die „one love“-Kapitänsbinde nach angedrohten Konsequenzen durch die FIFA. (nki mit dpa)

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