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Saudi-Arabien im Fußball-Rausch: Scheichs wollen Liverpool und ManU kaufen

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Von: Niklas Kirk

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Herbst 2021: Newcastle-Fans bejubeln den Einstieg des stinkreichen Investors aus Saudi-Arabien.
Herbst 2021: Newcastle-Fans bejubeln den Einstieg des saudischen Investors, hinter dem ein Staatsfonds steht. © Imago

2021 übernimmt ein saudischer Staatsfonds Newcastle United. Der Sportminister signalisiert nun Unterstützung für weitere Übernahmen durch Investoren.

Frankfurt – In einem Interview mit der BBC, auf das sich der Guardian in einem Bericht bezieht, will der saudische Staat nun private Investoren ermutigen weitere Anteile bei namhaften Premier-League Klubs zu kaufen, mit Unterstützung der Regierung. Denn nach dem Inhaberwechsel beim FC Chelsea stehen auch Manchester United und der FC Liverpool möglicherweise zum Verkauf.

Der erste Fall einer saudischen Übernahme eines Premier League Clubs sorgte für Aufsehen und trug mitunter skurrile Früchte. Als der saudische Staatsfonds „Public Investment Fund“ im Oktober 80 % der Anteile an Newcastle United übernehmen konnte, sorgte dies für großen Jubel bei den Fans des nordenglischen Traditionsvereins. Beim ersten Spiel nach der Übernahme gegen Tottenham waren manche Fans mit weißen Roben und Geschirrtüchern auf dem Kopf verkleidet im Stadion erschienen. Der Verein bat die Fans daraufhin, aufgrund der möglichen kulturellen Unangemessenheit in Zukunft darauf zu verzichten.

Dennoch hat der Staat Saudi-Arabien seit jeher einen Fuß in der Tür der finanzstärksten Fußballliga der Welt und folgt damit dem Beispiel der Vereinigten Arabischen Emiraten, die durch die staatsnahe „Abu Dhabi United Group“ 75 % Prozent am Spitzenclub Manchester City hält. Oder etwa der „Qatar Sports Investments“, einer Sparte des katarischen Staatsfonds, der seit Mai 2011 die Mehrheitsanteile an Paris St. Germain hält – kurz nach der WM-Vergabe an das Emirat.

Saudi-Arabien und die Premier League – auf den Spuren Katars

So hat der saudi-arabische Sportminister Prinz Abdulaziz bin Turki Al-Faisal erklärt, seine Regierung würde Übernahmeabsichten aus dem Privatsektor, etwa für Manchester United oder den FC Liverpool, unterstützen. Private Unternehmen im Land hätten starkes Interesse an den erfolgreichsten englischen Fußballvereinen. Weiter spricht Al-Faisal mit BBC Sport von der großen Fußballbegeisterung, vor allem für die Premier League, die in Saudi-Arabien die meistgesehene Liga sei. Somit seien weitere Investments insofern sinnvoll, als sie sich „positiv auf den Sport im Königreich auswirken“.

Der Minister äußerte zudem den Wunsch, den seit kurzem vereinslosen Cristiano Ronaldo in Saudi-Arabien spielen zu sehen, auch wenn dieser ein hoch dotiertes Angebot durch einen saudischen Verein bereits ablehnte. „Es würde der Liga und dem Sport-Ökosystem in Saudi-Arabien guttun und die Jugend für die Zukunft inspirieren. Er ist ein Vorbild für viele Kinder und hat eine große Fangemeinde in Saudi-Arabien.“ Auch hier zeichnet sich in der Verpflichtung bekannter Spieler zur Steigerung der Popularität des Fußballs eine Parallele zu Katar ab. So schnürten Stars wie Raúl, Pep Guardiola und die de Boer Brüder im Spätherbst ihrer Karriere die Schuhe im Emirat. Xavi Hernandez trainierte vor seinem Engagement beim FC Barcelona zuletzt den al-Sadd Sport Club aus Doha.

Saudi-Arabien im internationalen Sport – Premier League, Winterspiele und die Fußball-WM 2030?

Doch vor allem in Bezug auf die Steigerung des eigenen Gewichts in der internationalen Sportwelt könnte Saudi-Arabien mehr und mehr dem Vorbild Katars folgen. Dafür spricht die Vorgehensweise, ähnlich der katarischen, sich über finanzielles und organisatorisches Engagement im Weltsport seine Relevanz auf politischer Ebene zu sichern und zu vergrößern. So hat Saudi-Arabien sich bereits in den vergangenen Jahren zunehmend als Ausrichter internationaler Sportveranstaltungen positioniert, unter anderem von Formel-1-Rennen und Box-WM-Kämpfen. 2029 soll das von Wüste geprägte Land auch die Asien-Winterspiele ausrichten. Staatlich alimentierte Übernahmen englischer Großklubs könnten der eigenen Wertsteigerung dienlich sein.

Auch die Absichten für eine eigene WM-Bewerbung konkretisieren sich. Seit Anfang September wird die Ambition der Verbände von Griechenland, Ägypten und Saudi-Arabien für ein WM-Turnier auf drei Kontinenten offensiv nach außen getragen. Im Interview mit der BBC im Rahmen der Weltmeisterschaft in Katar, äußerte sich der Sportminister zu einer möglichen Austragung seines Landes, ohne die Absicht allzu sehr zu konkretisieren. „Wer möchte nicht Gastgeber einer Weltmeisterschaft sein?“. (nki)

In einem weiteren Interview mit BBC äußerte sich Al-Faisal darüber hinaus zum Thema Alkoholkonsum auf der arabischen Halbinsel bei Sportveranstaltungen und lehnt den generellen Anspruch auf Alkohol ab.

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