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Sasa Kalajdzic traf schon dreimal in dieser Saison. Foto: dpa

VfB Stuttgart

Lang, pfiffig, aufregend

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der österreichische Mittelstürmer Sasa Kalajdzic macht den VfB Stuttgart froh.

Sasa Kalajdzic hat sein drittes Tor im dritten Saisonspiel mit der ihm eigenen Prise Selbstironie kommentiert: „Ich bin in Richtung der zweiten Stange gelaufen, und dann ist mir der Ball perfekt auf den Kopf gefallen.“ Das war natürlich stark untertrieben. Es handelte sich mindestens um eine astreine Kopfballtechnik, mit welcher der Zwei-Meter-Mann den Ball zum glücklichen 1:1 des VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen versenkte.

Jetzt ist der 23-Jährige von Franco Foda sogar erstmals in die österreichische Nationalmannschaft berufen worden. Es war eine Berufung auf Umwegen. Das Handy des Mittelstürmers funktionierte unter der Woche nicht einwandfrei, weshalb Foda ihn zunächst nicht erreichte. „Ich habe erst am Vortag der Veröffentlichung von der Sekretärin des Verbands von meiner Nominierung gehört“, sagte Kalajdzic der „Bild am Sonntag“.

Der in Wien geborene Sohn serbischer Eltern ist vermutlich einer der aufregendsten Spieler der Bundesliga. Es kennt ihn nur bislang kaum jemand. 2019 kam er für 2,5 Millionen Euro vom SC Admira Wacker Mödling zum VfB. Bald darauf zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Schlimmer hätte der Start im Schwabenland nicht sein können. Die Zeit der Verletzungspause sei „sehr schwer“ gewesen, sagt er neulich der „Stuttgarter Zeitung“ - „du verlässt deine Heimat, hast große Hoffnungen - und bist dann erstmal monatelang auf dich alleine gestellt.“

In Stuttgart wusste vor dieser Saison noch niemand, ob der ellenlange Kerl, der größte Feldspieler der Liga, sich in der Ersten Bundesliga würde durchsetzen können. Schon nach drei Spieltagen sind diese Zweifel beseitigt. Beim ersten Eliteligaeinsatz gegen den SC Freiburg war er nur Joker - und traf eindrucksvoll mit einem Lupfer. Am zweiten Spieltag in Mainz gehörte er zur Anfangsformation - und glänzte mit feiner Technik, klugen Ablagen und seinem zweiten Saisontor. Gegen Leverkusen folgte nun das dritte, weshalb der lange Kerl entscheidend mitverantwortlich für den recht gelungenen Saisonstart der Schwaben ist.

Aufgrund seiner Körpergröße wird Sasa Kalajdzic, Ironie des Schicksals, gerne unterschätzt. Früher hat er sich oft anhören müssen: „Der Typ ist so groß, der kann sicher nur köpfeln.“ Er profitiere extrem davon, in noch jüngeren Jahren im Mittelfeld, „ob auf der Sechs, der Acht, der Zehn“, gespielt zu haben. Tatsächlich ist sein Spielverständnis auffällig, hinzu kommt ein gesundes Selbstvertrauen. „Ich bin ein ungewöhnlicher Spieler mit Eigenschaften, die nicht so häufig vorkommen. Ich bin nicht der klassische Riese, der vier Meter breit ist und sich vor lauter Kraft kaum bewegen kann, Sondern eher der Schlaks, der auch mit dem Ball umgehen kann. Ich habe einfach andere Hebel.“

Kalajdzic gehörte nie einem Nachwuchsleitungszentrum an, er kickte lange bei First Viena FC, dem ältesten Fußballverein Österreichs, und hat sein technisches Abitur absolviert. „Der Schwerpunkt lag eher auf der Schule.“ Herausgekommen ist ein pfiffiger Typ, der nachgewiesen mehr kann als nur köpfeln und sich bei Interviews in profifußballtypische Floskeln zu flüchten.

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