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Teamwork: Sara Däbritz (li.) und Alexandra Popp.

WM in Frankreich

Sara Däbritz: Grätsche ins Glück

Das Siegtor gegen Spanien ist sinnbildlich für die Entwicklung der gereiften Persönlichkeit Sara Däbritz.

Ein rege gepflegter Instagram-Account scheint mehr denn je Pflichtsache für eine deutsche Nationalspielerin. Zeitweise überbieten sich die Protagonisten darin, auf dieser Plattform einen Zusammenhalt zu beschwören, der bisher in zwei WM-Partien auch tatsächlich auf dem Platz auch zu besichtigen war. Sara Däbritz, Siegtorschützin aus dem Spanien-Spiel konnte da natürlich keine Ausnahme machen. „That was Teamwork“ schrieb die Mittelfeldspielerin unter ihrem Account („sara.daebritz13“) und setzte noch ein Feuer-Emoji hintendran.

Ein passendes Sinnbild desKraftaktes von Valenciennes. Lodernde Leidenschaft ersetzte fußballerische Klasse. „Das war ein absoluter Willenssieg der ganzen Mannschaft. Teamwork, Wille, Laufbereitschaft, Kampfbereitschaft. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Fußballerisch war das nicht das Beste von uns. Wir haben nicht gut ins Spiel gefunden“, sagte Däbritz. Die Schlüsselszene aus der 42. Minute beschrieb die 24-Jährige so: „Ich habe irgendwie versucht, noch an den Ball zu kommen und habe die Grätsche gesetzt. Das ist mir dann glücklicherweise gelungen.“

Ständige Positionswechsel 

Die eingesprungene Grätsche ins Glück der Nummer 13 erinnerte an jene Zeichen, die sonst für deutsche Fußballerinnen bei EM- oder WM-Turnieren oft Simone Laudehr setzte. Ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Die Allrounderin vom FC Bayern hatte deswegen bis zuletzt auf ein WM-Ticket gehofft - nach ihrer Nicht-Nominierung war die 32-Jährige sofort angesäuert aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Nun zeigt ihre Klubkollegin, dass sie für ihr elftes und wichtigstes Länderspieltor dieselbe Mentalität von einer ähnlichen Position in die Waagschale warf. Däbritz gehört zu denjenigen, die mit den ständigen Positionswechseln unter Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg klarkommen müssen. Wie schon gegen China wurde die Fußballerin aus der Oberpfalz auch gegen Spanien aus dem zentralen Mittelfeld auf die offensive linke Außenbahn verschoben, wo sie besser aufgehoben wirkte.

„Ich spiele beide Positionen gerne“, versicherte die 62-fache Nationalspielerin, die dank ihrer guten Technik viele Rollen ausfüllen kann. Ihren Wert für die DFB-Auswahl hat sie ganz kontinuierlich gesteigert. Beim EM-Sieg 2013 war sie zum Lernen dabei, bei der WM 2015 erzielte sie als Einwechselspielerin ihr erstes Länderspieltor, um beim Olympiasieg 2016 bereits mittendrin zu sein. Inzwischen ist sie als gereifte Persönlichkeit zur wichtigen Stütze geworden. Sie steht für Ehrgeiz und Disziplin, aber auch für Lockerheit und Fröhlichkeit. Und sie weiß, was sie will: Nebenher noch absolviert sie noch ein Fernstudium in Wirtschaftspsychologie. „Nur Fußball, das reicht mir nicht“, sagte sie einmal.

Ein amerikanischer Sportartikelkonzern hat die in Amberg geborene Sportlerin nicht zufällig in die Kampagne zur weltweiten Stärkung des Frauenfußballs eingebunden, in der die Losung lautet: „Verändere die Welt, nicht deinen Traum“. Die bodenständige Däbritz begann in ihrem Heimatort Ebermannsdorf als Fünfjährige, spielte bis 16 mit einer Sondergenehmigung in Jungen-Mannschaften. Zur Frauen-WM in Frankreich, in dem Land, in dem sie bald für Paris St. Germain spielen wird, möchte sie vor größeren Kulissen als im grauen Vereinsalltag eine übergreifende Botschaft aussenden: „Ich hoffe, dass dadurch allgemein das Interesse an Frauenfußball langfristig gesteigert wird.“ Sie hat dafür gerade einiges getan. Nicht nur bei Instagram.

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