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Sandro Schwarz: Heimatbesuch in Mainz

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Von: Frank Hellmann

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Sandro Schwarz.
Sandro Schwarz. © dpa

Sandro Schwarz spielt mit Hertha BSC bei seiner alten Libe in Mainz - und geht nicht davon aus, mit Bier beworfen zu werden / Von Frank Hellmann

Hinter seiner tief ins Gesicht gezogenen Kappe war das Grinsen noch zu erkennen. Sandro Schwarz musste selbst lachen, als er seine Gefühlslage vor dem Freitagsspiel zwischen dem FSV Mainz 05 und Hertha BSC (20.30 Uhr) beschrieb: „Das ist das erste Mal in der Tat, wo ich wieder zurückkehre und wir wissen ja, im Leben – man weiß es nie beim ersten Mal, wie es so ist“, erklärte der Hertha-Trainer, der erstmals die Mainzer Arena als Gästetrainer betritt. Was ihm dann durch den Kopf geht, vermag der 43-Jährige nicht sagen, nur dass es ihn nach fast anderthalb Jahrzehnten im Klub in verschiedensten Rollen nicht kalt lassen kann.

Er ist in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz geboren, kam als Jugendlicher vom VfB Ginsheim zu den Nullfünfern, bekam einen Profivertrag, machte 101 Zweitligaspiele, vergoss unter dem Kulttrainer Jürgen Klopp viele Tränen über verpasste Aufstiege, um nach einigen Zwischenstationen hier auch als Trainer voranzukommen. Er selbst habe von „echten Persönlichkeiten“, zuerst Wolfgang Frank und natürlich Klopp gelernt, ehe er 2017 selbst Bundesligatrainer wurde. Positiv sei diese Zeit gewesen. Und prägend sowieso. Die Entlassung im November 2019 haben beide Seiten längst überwunden.

„Sandro ist ein Freund. Wir kennen uns seit über 25 Jahren“, betont der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel.

Der Berliner Cheftrainer hat derweil beteuert, „dass ich sehr glücklich über meinen Werdegang bin“. Auch ohne Mainz. Er steht dazu, dass er nach Russland ging, wo er auch nach Kriegsbeginn noch bei Dynamo Moskau weitergearbeitet hat, weil er sich den Menschen im Verein verbunden fühlte. Diese Verlässlichkeit, die er nach eigenem Bekunden auch „in der Hertha-Familie“ vorfindet, steht für den Harmoniemenschen über allem. Das ist seine Stärke, aber auch seine Schwäche. Schwarz findet, dass es nur funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen – für die lange zerstrittene Alte Dame an der Spree ist das vermutlich auch die beste Prämisse. Der Blick nach Mainz ist für den Hauptstadtklub durchaus dienlich: Seit Heidel, Martin Schmidt und Bo Svensson die Kommandobrücke betraten, werden die Rheinhessen jeden Monat noch ein bisschen besser. Geschlossenheit (in Mainz) bewirkt da mehr als Geld (in Berlin).

Großen Anteil hat der Fußballlehrer Svensson, der noch für die Mainzer U 19 arbeite, als Schwarz bereits Bundesligacoach war. Sein Ex-Klub habe eine Mannschaft, „die sehr stabil ist und sehr aktiv Fußball spielt“, lobte Schwarz. Er schreibt sich mit Svensson ab und an, die beiden werden sich herzlich begrüßen. Schwarz geht davon aus, dass das schon oft für seine Fairness gerühmte Mainzer Publikum nicht vergisst, was er geleistet hat. „Ich gehe mal nicht davon aus, dass irgendwer einen Bierbecher auf mich schmeißen wird.“

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