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Marco Rose ist der Triner von RB Salzburg.

Europa League

Salzburgs Trainer Marco Rose kehrt in seine Heimat zurück

Marco Rose hat fern der Heimat in Salzburg einen Raketen-Start in seiner Karriere als Profi-Trainer hingelegt. Der 42-Jährige steht für modernen, attraktiven Fußball. Und das will er auch im brisanten Duell mit RB Leipzig unter Beweis stellen.

Diese Reise in „seine Stadt“ wird für Marco Rose eine andere als sonst. Zwar ist der 42-Jährige mindestens einmal im Monat zu Hause. Aber der gebürtige Leipziger kehrt erstmals als Cheftrainer in seine Heimat zurück.

Und die Brisanz könnte größer nicht sein: RB Leipzig gegen RB Salzburg. Das viel beachtete Duell der von Getränke-

Milliardär Dietrich Mateschitz alimentierten Schwesternclubs ist im Fußball-Geschäft keine Alltäglichkeit. Und Rose trifft auf seinen früheren Trainer Ralf Rangnick, der ihn einst als Spieler nach dem Bundesliga-Aufstieg mit Hannover wegkomplimentierte.

Doch Rose will aus dem Duell nicht mehr machen, als es ist. „Ein Fußballspiel. Wir haben eine Gruppe zu spielen, in der wir uns durchsetzen wollen. Und ein Gegner davon ist Leipzig. Dass das ein spezieller Gegner für uns ist, ist aber auch klar“, sagte Rose der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf den Auftakt der Europa-League-Gruppenphase am Donnerstag (21.00 Uhr).

Bei der Auslosung am 21. August dürfte weder in Salzburg noch Leipzig die Freude groß gewesen sein. Galten doch beide Clubs bis vor kurzem aufgrund ihres Konstrukts als eng verflochten. Salzburg als der Ausbildungsclub, fast schon ein Bedienladen für die Sachsen.

Doch unter Rose, der 2013 vom Regionalligisten Lok Leipzig auch unter Zutun von RB-Chefcoach Rangnick in die Nachwuchsakademie von Salzburg wechselte und dort 2017 sensationell die UEFA Youth League gewann, ist ein Wandel eingetreten. Salzburg tritt forscher auf, eine Emanzipation von Leipzig sei nicht mehr nötig. „Wir haben nicht das Gefühl, dass wir das noch machen müssen. Wir haben vor allem letzte Saison unsere eigene Geschichte geschrieben“, sagt Rose.

Das neue Selbstbewusstsein zeigt sich auch darin, dass der von Rangnick begehrte Amadou Haidara nicht Richtung Leipzig abgegeben wurde. Es soll eine Forderung von Rose gewesen sein, der schon in dieser Saison einen Posten in der Bundesliga hätte annehmen können, von Salzburg aber (noch) keine Freigabe erhielt. Rangnick war Insidern zufolge ob der Personalie Haidara nicht erfreut.

Rose verlängerte bis 2020. Über kurz oder lang wird sein Weg in die Bundesliga führen, will er den nächsten Entwicklungsschritt gehen. Er hält sich jedoch bedeckt: „Ich fühle mich wohl in Salzburg, habe keinen Karriereplan.“ Bei Erfolgen würden sich Dinge von allein ergeben. Er sei offen für alles. Ob Leipzig mal eine Option werden könnte, lässt er unkommentiert. Eine Zusammenarbeit mit Machtmensch Rangnick könnte schwierig werden. Zumal Rose, der seinen früheren Coach nach wie vor schätzt, eine meinungsstarke Persönlichkeit ist.

Mit einem Erfolg in Leipzig könnte Rose seiner bemerkenswerten Premierensaison als Proficoach ein weiteres Kapitel hinzufügen. In der österreichischen Liga und in der Europa League war Red Bull Salzburg unter Rose ein halbes Jahr unbesiegt. Vor allem der famose Durchmarsch bis ins Halbfinale der Europa League mit Erfolgen gegen Dortmund und Lazio Rom lenkte den Fokus auf Rose, der vor kurzem zwei Auszeichnungen als „Trainer des Jahres“ in Österreich erhielt.

Doch Rose weiß um die Schnelllebigkeit des Geschäfts, wehrt sich gegen einen Hype, der dann oft schnell entsteht. „Erst bist du eine heiße Aktie, dann eine kalte Kartoffel“, sagt der frühere Mainzer Bundesliga-Profi, der nach eigenen Angaben viel von der hervorragenden Arbeit mit seinem Trainerteam profitiert. Zu dem gehört unter anderen der frühere Bayern-Stürmer Alexander Zickler.

Als Coach hat der Gerechtigkeitsfanatiker und Familienmensch Rose hohe Ansprüche an sich selbst, fordert aber im Gegenzug auch viel. War er als Spieler manchmal zum Teil jähzornig bis cholerisch, strahlt der im Freundeskreis als großzügig und loyal geltende Sachse jetzt Ruhe und Souveränität aus. Auch das erneute Scheitern in der Champions-League-Qualifikation nimmt er eher als Motivation denn als Rückschlag. Sein Team folgt ihm bedingungslos.

Für seinen Traum vom Trainer-Dasein geben Rose und seine Familie jedoch viel auf. Seine langjährige Lebensgefährtin Nikola Pietzsch, selbst als Handball-Nationalspielerin mit Titeln dekoriert und seit Jahren erfolgreiche Rechtsanwältin, lebt mit der gemeinsamen zehnjährigen Tochter nahe Leipzig.„Es ist nicht einfach, aber wir haben uns für dieses Lebensmodell entschieden, und bisher läuft es sehr gut. Ich bin stolz auf meine Mädels, wie sie das machen“, sagt Rose. „Aber das kann sich auch mal ändern, und vielleicht kommt der Tag, wo man sagt, bis hierhin und nicht weiter.“

(Von Sandra Degenhardt, dpa)

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