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Werder Bremen, Vorletzter der Bundesliga, kämpft auf dem grünen Rasen und am grünen Tisch gegen den Abstieg.

Fußball

Corona-Krise in der Bundesliga: Wer steigt ab - und wenn ja, wie viele?

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    Jan Christian Müller
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Die Bundesligaklubs sind uneins über das Vorgehen bei einem vorzeitigen Saisonabbruch: Die DFL will an zwei Absteigern festhalten, doch acht von zehn Erstligisten sträuben sich.

  • DFL-Pläne zu Saisonabbruch in der Bundesliga
  • Eintracht Frankfurt und Mainz 05 äußern sich nicht
  • Dynamo Dresden wehrt sich gegen Unterstellungen

Frankfurt - Die Pläne der Deutschen Fußball Liga, auch für den Fall eines Saisonabbruchs auf alle Fälle zwei Absteiger aus Erster und Zweiter Bundesliga zu benennen, haben zu einer heftigen kontroversen Debatte geführt. Das hat das Fachblatt „Kicker“ aus Teilnehmerkreisen erfahren. Acht Erstligaklubs votierten bei einer Telefonkonferenz danach gegen einen erst am Vorabend verschickten Antrag des DFL-Präsidiums. Zehn Klubs sind demnach dafür, dass auch bei Abbruch am „Grundprinzip eines sportlichen Auf- und Abstiegs zwischen der Bundesliga und der Zweiten Bundesliga und zwischen der Zweiten Bundesliga und der Dritten Liga“ festgehalten werden soll. Außerdem sollen in diesem Fall je 18 Klubs in den beiden Ligen verbleiben und die Relegationsspiele wegfallen, was dem Dritten der zweiten und dritten Liga jeweils die Chance zum Aufstieg nähme.

Bundesliga: Eintracht Frankfurt und Mainz äußern sich nicht

Während es Mainz 05 und Eintracht Frankfurt auf FR-Anfrage ablehnten, sich vor der am Donnerstag stattfindenden Mitgliederversammlung aller 36 Lizenzklubs öffentlich zu äußern, machte man seinem Ärger bei Werder Bremen, als aktueller Tabellen-17. akut betroffen von den Plänen der Liga, bereits am Mittwoch Luft. „Der Antrag war nicht sinnvoll“, sagte Aufsichtsratschef Marco Bode in einer Telefonkonferenz, „und nicht nur wir waren davon überrascht.“ In den vergangenen Wochen sei über dieses Thema nie gesprochen worden. „Es ist sehr unglücklich, dann drei Tage, bevor die Saison wieder losgeht, damit anzukommen“, urteilte der 50-Jährige und bezeichnete den Antrag auch als „wenig sorgfältig“ ausgearbeitet. Dabei sei diese Entscheidung von enormer Tragweite, vor allem für die Mannschaften, die sich im Abstiegskampf befinden. Sie würden dann quasi in doppelter Abstiegsangst leben – einerseits sportlich, andererseits könnte eine mögliche Aufholjagd durch einen Saisonabbruch gestoppt werden.

Der SV Werder ist neben Schlusslicht SC Paderborn am unmittelbarsten von dem DFL-Plan betroffen. Beide Klubs müssten der umstrittenen Beschlussvorlage zufolge in die zweite Liga, würde die Saison schon jetzt zum Beispiel wegen weiterer Corona-Fälle in der Liga abgebrochen werden.

Mit ihren Planungen will die DFL offenbar auch verhindern, dass abgeschlagene Vereine einen Abbruch provozieren – zum Beispiel durch herbeigeführte Infektionen oder Ansammlungen von Fans. Diese Vereine hätten bislang darauf hoffen können, dass es keine Absteiger gibt. Dazu sagte Bode verärgert: „Ich finde es nicht angebracht, dass man uns, Paderborn und vielleicht auch andere Klubs, die in der kritischen Region stehen, unter den Verdacht stellt, irgendwie zu tricksen und aktiv einen Abbruch herbeizuführen.“ Werder jedenfalls habe „ganz klar das Interesse“, sich „sportlich für einen Verbleib in der Bundesliga zu qualifizieren“, betonte Bode.

Bundesliga: Dynamo Dresden wehrt sich

Auch Zweitliga-Schlusslicht Dynamo Dresden wehrte sich am Mittwoch gegen Unterstellungen, den Klassenerhalt am grünen Tisch forcieren zu wollen. „Wir haben klar und deutlich gesagt, dass wir die Saison sportlich zu Ende spielen wollen“, sagte Sportdirektor Ralf Minge, „das ist gar keine Frage bei uns. Dynamo war vom Gesundheitsamt nach zwei positiven Corona-Fällen in eine 14-tägige Quarantäne geschickt worden, was den ganzen Spielplan durcheinanderwirbelt.

Peter Peters, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Fußball Liga, hatte noch am Mittwochmorgen, vor der Teilkonferenz der ersten Liga, verraten: „Für den absolut unwahrscheinlichen Fall“ eines vorzeitigen Saisonabbruchs „steht für mich fest: Es wird keine Aufstockung – und es muss auch Auf- und Abstieg geben.“ Er sei „überzeugt, dass alle Klubs diesem Vorschlag zustimmen“, äußerte sich der 57 Jahre alte langjährige Stellvertreter und Vertraute von Boss Christian Seifert im DFL-Präsidium sehr zuversichtlich. Peters, Finanzchef des darbenden FC Schalke 04 und bei vielen Klubs ohnehin kritisch beäugt, hatte sich dabei offenbar reichlich weit aus dem Fenster gelehnt und wurde zumindest von acht Erstligisten erst einmal zurückgepfiffen.

Wie dem auch sei: Sollte es nicht vorsorglich in den Statuten geregelt werden, sähe Peters bei einem Abbruchszenario sicher nicht zu Unrecht einen „Berg von Problemen“ auf die DFL zukommen. Er fürchtet lange juristische Auseinandersetzungen, weil es in solch einem Fall immer „negativ Betroffene“ gebe. „Dann müssten wir viele Regelungen treffen, deren Folgen noch gar nicht absehbar sind. Das ginge nicht ohne große Komplikationen. Wenn man von Fairness spricht, ist es am besten, die Saison auf dem grünen Rasen zu Ende zu bringen, als Entscheidungen am grünen Tisch zu treffen.“

Bundesliga: Was passiert bei Abbruch?

Die Frage ist allerdings: Was passiert, wenn der Tabellen-16. den Abbruch auslöst und sich dadurch den Klassenerhalt sichert? Diese Thematik könnte auch im Kampf um den Titel oder die internationalen Plätze sehr interessant werden.

Mit der Idee eines Zwangsabstiegs bei Abbruch hatte die DFL am Dienstagabend eine Vielzahl ihrer 36 Mitgliederklubs überrascht. Die Beschlussvorlage gehörte zu einem Antragspaket, dass den Vereinen im Vorfeld der Mitgliederversammlung am Donnerstag zugeschickt worden war. Das DFL-Präsidium hatte unter Federführung von Christian Seifert, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, einen entsprechenden Vorschlag ausgearbeitet.

Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, wer die weiteren acht Mitglieder des Präsidiums sind. Neben dem Schalker Peters noch Oliver Leki (SC Freiburg), Steffen Schneekloth (Holstein Kiel), Jan-Christian Dreesen (FC Bayern), Rüdiger Fritsch (Darmstadt 98), Oke Göttlich (FC St. Pauli), Ansgar Schwenken (DFB) und Alexander Wehrle (Köln). Allesamt Männer, deren Klubs sich nicht in unmittelbarer Abstiegsgefahr befinden. (mit dpa)

Von Jan Christian Müller und Björn Knips 

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