1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Sadio Mané zu den Bayern: Mit Zigarre im Sessel

Erstellt:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Damals noch Gegner: Sadio Mané (re.) im Duell mit Robert Lewandowski. Mané erzielte zwei Tore beim 1:3 gegen die Bayern.
Damals noch Gegner: Sadio Mané (re.) im Duell mit Robert Lewandowski. Mané erzielte zwei Tore beim 1:3 gegen die Bayern. © imago/Revierfoto

Angreifer Sadio Mané kommt und bringt die Bayern in eine verzwickte Situation.

Dean Saunders, die sehr viel Jüngeren werden sich dunkel erinnern, war früher mal ein ziemlich guter Stürmer, der gemeinsam mit Ian Rush ein formidables Duo in der walisischen Nationalelf bildete. Er war auch mal ein ganzes Jahr Spieler beim FC Liverpool, von 1991 bis 1992, da bestritt er 42 Spiele und erzielte elf Tore. Das ist sicher nicht schlecht, aber für den Titel „Liverpool-Ikone“ reicht das lange nicht, nach einer Saison wurde er an Aston Villa verkauft.

Inzwischen ist der Mann 57, er hat sein Auskommen unter anderem beim Sportradiosender „talksport“. Und vor allem hat er eine Meinung zum Wechsel von Sadio Mané von den „Reds“ zu Bayern München - er findet: Das sei für den 30 Jahre alten Stürmer ein Rückschritt, und was für einer. „Er wird sich in seinen Sessel setzen, eine Zigarre anzünden, für Bayern im dritten Gang spielen und zwei Jahre lang die besten Jahre seines Lebens als Fußballer ruinieren“, sagte Saunders im Radio. So kann man das natürlich auch sehen.

Das letzte Mal, als Sadio Mané, der in Bambali im Senegal geboren und mit 19 Jahren zum FC Metz gekommen ist, in Fröttmaning spielte, war das für den einen oder anderen Bayern-Spieler eher unangenehm, Manuel Neuer zum Beispiel hat ganz schlechte Erinnerungen. Mané hatte ihn, seinerzeit 2019 in der Champions-League-Begegnung um den Einzug ins Viertelfinale, schwer verladen. Viel zu weit und unnötig war der Nationaltorhüter aus seinem Kasten nach vorne gerannt, wie er das so oft und meistens auch gut macht. Dieses Mal aber war er an den Falschen geraten. Mané hatte den Braten gerochen und die Kugel locker über den Ballfänger gechippt. Es war der Anfang vom Ende, später legte der flinke Außen noch einen drauf, 1:3 unterlagen die Bayern zu Hause (nach einem 0;0 im Hinspiel) dem FC Liverpool, raus im Achtelfinale, und der Trainer Niko Kovac sollte nicht mehr lange Trainer bei den Bayern bleiben.

Schnell wie der Blitz

Nun kommt Sadio Mané wieder, der „Wahnsinnskicker“, wie Frankfurts Martin Hinteregger dieser Tage sagte, der den 30-Jährigen noch aus einer gemeinsamen Zeit beim FC Salzburg (2012 bis 2014) bestens kennt. Mané wird am morgigen Dienstag den Medizincheck beim Branchenführer absolvieren, dann offiziell vorgestellt, Rund 41 Millionen Euro lassen sich die Bayern (inklusive Bonuszahlungen) die Dienste des flinken Stürmers kosten, er erhält einen Dreijahresvertrag und soll, zumindest ist das der Plan der Bayern, beileibe nicht im Sessel sitzen und Zigarre rauchen, sondern im besten Fall Robert Lewandowski ersetzen, möglichst im ersten Gang.

Ob das der 1,75 Meter große Linksaußen schafft, ist die große Frage in München und anderswo, etwa im Hause Saunders. Mané ist ja ein anderer Spielertyp als der ewig treffsichere Strafraumspieler aus Polen, er kommt über den Flügel, ist eher ein Vorbereiter als ein gnadenloser Immer-Knipser, selbst wenn seine Torquote beim FC Liverpool beeindruckend ist: In 269 Pflichtspielen hat er 120 Treffer erzielt, 48 Vorlagen geliefert. Auch in den Nationalmannschaft ist seine Bilanz beachtlich: 91 Spiele, 31 Tore, dazu hat er den Senegal beim Afrika-Cup im Februar zum Titel geschossen. Den entscheidenden Strafstoß im notwendig gewordenen Elfmeterschießen gegen Ägypten hat der Kapitän höchstselbst verwandelt. Damit gewann der Senegal das erste Mal in seiner Geschichte die Afrika-Meisterschaft. In dieser Saison, in der die Reds in der Premier League haarscharf hinter Manchester City Zweiter wurden, erzielte er in 51 Pflichtspielen 23 Tore. Dazu ist er schnell wie der Blitz.

Robert Lewandowski zum Vergleich schaffte in 46 Partien schier unerreichbare 50 Treffer. Weiterhin deutet alles darauf hin, gerade auch der Wechsel von Mané, dass der 33-Jährige demnächst den Klub verlässt.

Und die Frage ist auch: Kommt es im Sturm, vor allem auf den Flügeln, bei den Bayern nicht zu einem Gedränge? Leroy Sané, Serge Gnabry, Kingsley Coman, Alphonso Davis lieben es, über die Außenposition zu kommen. Da könnte schnell ein Überangebot an hochklassigen Offensiven entstehen.

Mané ist gläubiger Moslem, seine Idole sind Ronaldinho aus Brasilien und El Hadji Diouf, ein Landsmann, und Mané hat trotz seines Reichtums seine Wurzeln nicht vergessen. Sein Heimatdorf Bambuli unterstützte er mit Geld, er finanzierte den Bau einer weiterführenden Schule. Bei seinem ersten Probetraining beim Klub Generation Foot erschien er ohne Fußballschuhe, barfuß, neun Jahre war er da. Die anderen Kinder lachten ihn aus. Er kam mit seinem Onkel, sein Vater hatte ihm einst untersagt, Fußball zu spielen. Gut, das er sich nicht daran gehalten hat. mit dpa/sid

Auch interessant

Kommentare