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In Moskau feiern Fans den Sieg ihrer Mannschaft. (Symbolbild)
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In Moskau feiern Fans den Sieg ihrer Mannschaft. (Symbolbild)

Fußball-WM

Russlands spezielle #MeToo-Debatte

In Russland feiern Fußballfans aus der ganzen Welt - mittendrin auch junge Russinnen und Russen. Frauen werden bloßgestellt und als "Nutten" beschimpft.

Abends wird die Moskauer Einkaufsstraße Nikolskaja zu einer brodelnden Partymeile. Tausende Fußballfans aus aller Welt drängen sich während der Weltmeisterschaft an Kneipen und Boutiquen vorbei, trinken Bier und Wodka - mittendrin auch junge Russen und Russinnen, die mit den ausländischen Fans feiern. Doch was einige russische Männer zur Weißglut treibt: Die eine oder andere Russin verbrüdert sich mit einem der internationalen Besucher oder bandelt gar mit ihm an.

In den sozialen Netzwerken hetzen Wütende gegen „Nutten, die dem Land Schande bereiten“. Wegen Fotos, die sie mit ausländischen Fans im Arm zeigen oder beim harmlosen Küsschen auf die Wange werden Frauen im Netz beleidigt und bloßgestellt. Es gibt sogar Videoclips, die zeigen, wie Russinnen in Begleitung ausländischer Fans attackiert werden.

Die Diskussion hat auch die Presse erreicht: Die Boulevardzeitung „Moskowski Komsomolez“ veröffentlichte einen Text des Schriftstellers Platon Bessedin - Überschrift: „Zeit der Nutten“. „Wir haben eine Generation von Nutten groß gezogen, die bereit sind, bei den ersten ausländischen Tönen die Beine breit zu machen“, schimpft der Autor. Er sieht einen allgemeinen Verfall der moralischen Werte im Land seit dem Ende der Sowjetunion. „Der Westen ist schlecht und böse - aber man muss ihn nachmachen“, beurteilt Bessedin die Gefühlslage.

Der große Einfluss der orthodoxen Kirche

Russland unter Präsident Wladimir Putin ist auf einem konservativen Kurs, entsprechende Gesetze wurden vom Parlament schnell abgenickt. So wurden die Strafen für häusliche Gewalt gesenkt. Explizit vor dem Hintergrund der Debatte um russische Frauen und ausländische Fans rät nun ein hoher Geistlicher davon ab, einen Ehepartner mit anderem religiösen Hintergrund zu wählen. Dieselbe Religion zu haben, sei zwar keine Garantie für Eheglück, sagte der Metropolit Ilarion von Wolokolamsk. „Aber gemeinsames Kirchenleben, gemeinsames Gebet und Teilnahme am Gottesdienst - das bringt die Menschen einander näher.“

Ohnehin ist der Einfluss der orthodoxen Kirche groß: Nachdem Mitglieder der Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot 2012 in der wichtigsten Kirche des Landes gegen Putin protestiert hatten, wurde die Strafe für „Beleidigung religiöser Gefühle“ deutlich verschärft. Und bereits zuvor war die Zurschaustellung von Homosexualität vor Minderjährigen gesetzlich verboten worden.

Da sorgte es auch in Russland kaum für Irritationen, als kurz vor der WM die Vorsitzende des Familienausschusses der Staatsduma, Tamara Pletnjowa, russische Frauen vor Sex mit Ausländern warnte und besonders vor Kindern mit ihnen. „Wir müssen unsere eigenen zur Welt bringen“, sagte sie dem Radiosender Goworit Moskwa. Zwar reagierte sogar Putins Sprecher Dmitri Peskow: „Die russischen Frauen können das wahrscheinlich für sich selbst entscheiden. Sie sind die besten Frauen der Welt.“ Doch bemängelt wurde, dass Pletnjowa nicht schärfer zurückgewiesen wurde.

Fußball ist nicht das Wichtigste

Doch mittlerweile gibt es Kontra. VKontakte, das größte soziale Netzwerk, droht nun, Gruppen mit frauenfeindlichen und rassistischen Kommentaren zu schließen. Und auch selbstbewusste Russinnen melden sich zu Wort. „Sag Nein zu russischen Männern“, rät die Bloggerin Lena Miro ihren Leserinnen in einem Eintrag, über den zuvor „Spiegel Online“ berichtete. „Russland ist ein Land mit hässlichen Männern, denen es gut geht, und schönen Frauen, denen es schlecht geht.“

Die russische Ausgabe der „Cosmopolitan“ kommt sogar zu dem Schluss, dass Fußball nicht das Wichtigste sei bei der WM. Sondern: „Es hat sich herausgestellt, dass Frauen auch Menschen sind und Sex aus Spaß haben können und nicht allein deshalb, um russischen Bürschlein Freude zu bereiten.“ Und diese Erkenntnis gefalle den russischen Männern überhaupt nicht. (dpa)

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