Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zornig: Dirk Zingler. dpa
+
Zornig: Dirk Zingler. dpa

Corona

Rundumschlag aus Berlin

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin, schimpft auf die Politik: „Unser Land ist in einem katastrophalen Zustand.“

Es war im Mai 2018, als bei einem Empfang in der bayerischen Staatskanzlei zwischen Markus Söder und den Bossen des FC Bayern ein Trikot mit der Nummer 12 den Besitzer wechselte. Der bayerische Ministerpräsident stülpte es sofort über – doch zog er es falsch herum an. Nummer und Name zeigten nach vorne. Damals gab es viel Hohn im Netz, neuerdings ist Söder derjenige, auf den sich der Zorn aus der Liga entlädt. Über einen „Clown aus München“ hat Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin, gespottet, als er an der aktuellen Corona-Politik kein gutes Haar ließ. „Es wird sich aufgeregt über volle Stadien. Aber wir regen uns nicht auf über lange Schlange an Impfzentren, die mit zu geringer Kapazität und zu wenig Impfstoff arbeiten.“

Zingler ist erzürnt darüber, dass der Profifußball am Pranger steht, wo sich Missmanagement aus seiner Sicht an ganz anderer Stelle zeigt: „Unser Land ist in einem katastrophalen Zustand, weil es katastrophal geführt wurde und katastrophal kommuniziert wurde.“

Das Abwälzen der Verantwortung auf Menschen, Veranstalter und Unternehmer ist kaum noch zu ertragen.“ Starker Tobak. Dem Logistikunternehmer ging es nicht allein um Söders Forderung nach flächendeckenden Geisterspielen, die dieser in Bayern anordnete, sondern die Versäumnisse der Politik. „Durch Krisen muss geführt werden und dabei gut kommuniziert werden. All das tun wir nicht.“ Der Begriff „Vollchaos“ fiel.

Keiner hat bislang derart zum Rundumschlag ausgeholt wie das Oberhaupt der Eisernen. Zingler kritisierte auch den Umgang mit Impfskeptiker Joshua Kimmich: „Dass sich unsere Bundesregierung mit einer Einzelperson einer Berufsgruppe befasst, die zu 90 bis 95 Prozent geimpft ist, ist ein Skandal – und nicht Joshua Kimmich. Wenn wir gesellschaftliche Solidarität einfordern, soll das Land mal liefern, dann soll der Staat solidarisch mit seinem Volk sein und seine Hausaufgaben machen: Impfstoff zur Verfügung stellen, 30 000 Pflegekräfte einstellen und Krankenhausbetten organisieren.“

Da hat einer ungeschminkt ausgesprochen, was auch einige andere Liga-Vertreter denken – aber oft nur höchst vertraulich hinter vorgehaltener Hand äußern. Dass gutes Krisenmanagement anders geht; dass die Menschen besser mitgenommen werden müssten: Diese Haltung vertritt auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in Person von Christian Seifert.

Doch hütet sich der scheidenden Bundesliga-CEO vor brachialer Rhetorik, sondern streut lieber feine Spitzen wie jüngst im Interview mit der „SZ“: „Angesichts von teilweise mehr als 70 000 täglichen Neuinfektionen frage ich mich, ob es im Land nicht drängendere Probleme gibt als 86 ungeimpfte Fußballer.“ Dass es zum dritten Male in einigen Bundesländern wieder Geisterspiele gibt, gefällt den Klubs nicht. Dass ausverkaufte Arenen nicht mehr passen, war indes unstrittig. Die vorübergehende Beschränkung von Fans sei „dem Grunde nach verständlich“, teilte Seifert mit. In seiner Stellungnahme zu der Beschränkung auf eine maximalePublikumszahl von 15 000 bedauerte er, „dass aufgrund der nach wie vor zu niedrigen Impfquote in Deutschland Einschränkungen in vielen Lebensbereichen überhaupt wieder erforderlich sind.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare