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Erlaubte Meinungsbekundung: Schalker Fans am Dienstagabend mit Bannern gegen den DFB. 

DFB

Runder Tisch mit Ecken und Kanten

Schwierige Befriedung: Fangruppierungen kritisieren DFB für dessen Öffentlichkeitsarbeit.

Kurz vor einem Krisentreffen sehen sich gewichtige Fanverbände vom Deutschen Fußball-Bund getäuscht. „Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen“, hieß es in einer Erklärung, die von der Organisation „Unsere Kurve“ als Reaktion auf die Bekanntmachung des DFB zur Einberufung eines Runden Tisches im Streit mit der Ultraszene veröffentlicht wurde. Die Fans werfen dem DFB vor, Absprachen zur Vertraulichkeit des Sitzungstermins gebrochen zu haben und nicht wie behauptet selbst Initiator des Treffens gewesen zu sein. „Wir haben den Dialog eingefordert, um auszuloten, ob und wie die Situation deeskaliert werden kann“, schrieben die Verfasser. Irritiert zeigten sich die Fans, dass der DFB keine Veröffentlichung des Termins gewünscht habe, dies dann am Dienstag aber doch selbst tat. „Damit vereinnahmt er bereits vor der Sitzung die Deutungshoheit. Über den Dialog und über die Inhalte. Das ist keine gute Grundlage für eine Deeskalation“, warnten die Verfasser.

Der DFB hat prompt eingelenkt. Auf der Homepage heißt es nun ausdrücklich: „Auf Initiative der Fanorganisationen in der AG Fankulturen findet noch vor dem kommenden Bundesliga-Wochenende eine außerordentliche Sitzung des Gremiums statt. Hier soll der konstruktive Dialog mit den Fanorganisationen auch in dieser emotionalen Thematik fortgesetzt werden. Dabei möchte der DFB einen Diskurs starten, welche Formen der Kritik gangbar sind und wo eine rote Linie verläuft. Dies gilt es gemeinsam zu diskutieren.“

Weiter befeuert wurde der Konflikt mit den Fans durch Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Gegen die Beleidigungen von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp müsse „mit aller Gewalt vorgegangen werden“, forderte Löw. Koch will, genau wie das DFB-Sportgericht, auch künftig nicht grundsätzlich auf Kollektivstrafen bei Fan-Vergehen verzichten und sagte: „Da ist eine rote Linie überschritten, und wenn alle anderen Mittel nicht ausreichen, wir nicht zu anderen Lösungen kommen, dann muss man in letzter Konsequenz bereit sein, deutlich zu machen, unter solchen Rahmenbedingungen können wir nicht Fußball spielen, und dann muss solch ein Block auch mal gänzlich geräumt werden.“ Ähnlich sehen es die meisten Klubvertreter und die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die sich allerdings dahingehend öffentlich nicht weiter äußern will.

Auch die Münchner Ultra-Gruppe „Schickeria“ warnte den DFB vor einem weiteren verschärften Vorgehen gegen die Fans. „Wenn der DFB sich nun zum Ziel setzt, dass Kurven sauber sein müssen und vom DFB reguliert werden können, dann wird das Widerstand hervorrufen“, schrieb die Vereinigung, die mit Bannern gegen Milliardär Hopp den Eklat beim Bayern-Spiel in Sinsheim ausgelöst hatte.

Ein Spielabbruch sei nie die Intention gewesen, versicherte die „Schickeria“. „Der DFB versucht durch das Setzen neuer Maßstäbe jegliche Kritik in eine verbotene Ecke zu stellen“, so die Münchner Fangruppe. Zudem zeigte sich die traditionell eher dem linken Spektrum zuzuordnende „Schickeria“ erbost darüber, dass ihre Schmähungen in Zusammenhang mit dem rassistischen Anschlag von Hanau gestellt wurden. Dies mache „sprachlos“.

Der Verband sieht das anders: Es sei „unerträglich, drei Tage nach den rassistischen Morden von Hanau in Fußballstadien in Deutschland Banner zu sehen, auf denen ein Mensch im Fadenkreuz steht“, hieß es auf der Verbandshomepage.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff fühlt sich negativ an seine Zeit in Italien erinnert. „Da habe ich das erleben müssen, wie auch Fangruppierungen, die sehr politisch aktiv sind, die sich teilweise gar nicht mehr um den Fußball gekümmert haben, sondern einfach nur Chaos machen wollten, auf den Fußball eingewirkt haben.“

Mainz 05 mischt sich ein

Derweil hat sich nach Werder Bremen auch Mainz 05 in der Debatte zu Wort gemeldet. Es wäre „der falsche Moment zu schweigen“, schrieb der Klub und übte sowohl Kritik an den Schmähplakaten gegen Dietmar Hopp als auch am ursprünglichen Umgang des DFB mit dem Fall. Das Stadion sei „kein wertefreier Raum, selbst wenn der Umgangston hier oft rauer ist.“ Weiter heißt es richtigerweise: „Die aktuelle Auseinandersetzung ist – bei aller Missbilligung der gewählten Formen – auch ein Ausdruck eines tiefer liegenden Konflikts.“

Es könne nicht im Sinne des Fußballs sein, Interessensgruppen pauschal auszuschließen. „Der Wille zur Kommunikation soll im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Dazu gehört auch, dass wir – im Gegensatz zu Beleidigungen – die Meinungsfreiheit auf allen Seiten respektieren.“ Kritik übten die Nullfünfer am Urteil des DFB-Sportgerichtes gegen fans von Borussia Dortmund: „Mainz 05 sieht in Kollektivstrafen keinen Weg aus diesem Konflikt. Die Abkehr vom Verzicht auf Kollektivstrafen“ sei „ein Rückschritt im Bestreben, eine verlässliche Kommunikationsbasis zwischen Verbänden, Vereinen und Fans zu schaffen“. 

dpa/jcm

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