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Will das im Fußball alles so bleibt, wie es ist: Karl-Heinz-Rummenigge.

Bayern-Boss übt Kritik

Rummenigge und das Rattenrennen

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Der ehemalige Nationalspieler warnt eindringlich vor einer weiteren Aufblähung der Wettbewerbe und appelliert an die Verantwortung des Fußballs.

Eine gewisse Flexibilität ist Karl-Heinz Rummenigge nicht abzusprechen. Ursprünglich hatte der Vorstandsboss des FC Bayern auf dem Sportbusinesskongress Spobis am Mittwoch mit dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner über Führung und Verantwortung sprechen sollen. Doch nachdem der Politiker es kurzfristig vorzog, wegen des Gedenkens an Auschwitz im Berliner Bundestag zu bleiben, konnte einer der mächtigsten Männer des deutschen Fußballs an der Düsseldorfer Messe über ein anderes, ihm unter den Nägeln brennendes Thema sprechen. Rummenigge warnte eindringlich davor, immer neue Wettbewerbe zu erfinden oder aufzublähen. „Wir sind an einem Punkt für einen Stopp angelangt, dass die Klubs und Spieler aufstehen und sagen bis hierher und nicht weiter.“

Während der 64-Jährige eine Reform der von der Fifa bereits beschlossenen Klub-WM im Sommer 2021 mit 24 Teams grundsätzlich noch befürwortet, kann er einer Champions League in vier Achtergruppen gar nichts abgewinnen. „Das muss man total ablehnen. Wir sollten den Kalender nicht noch mehr aufpumpen. Es gib die Termine dafür nicht, dass die beiden Finalisten in diesem Modell insgesamt 21 Spiele bestreiten. Die Spieler haben kaum noch Luft zum Atmen. Ich bin aus sportlichen und finanziellen Gründen dagegen. Mir fehlt in allen Diskussion, ist das gut für den Fußball? Braucht das der Fußball?“

Speziell bei der Königsklasse gebe es doch gar keine Notwendigkeit, alles auf den Kopf zu stellen. „Ich kenne wenig bis gar keinen Klubs, speziell in Deutschland, der mit dem Format unzufrieden ist. Ich glaube, es gibt gar keinen Veränderungsbedarf. Der Radikalismus geht mir zu weit. Es gibt dafür einen schönen Spruch: Repariere nicht, was nicht kaputt ist!“ Seine Drohung: „Wir werden nicht an der Champions League teilnehmen, wenn irgendwelcher Unfug beschlossen wird.“

Rummenigge erneuerte das Bekenntnis, dass sich der FC Bayern nicht in einer wie auch immer gearteten Super League verabschieden werde. „Wir würden dann eher von unseren Fans gesteinigt. Die Bundesliga ist das Brot-und-Butter-Geschäft.“ Als Beleg für seine Haltung führte der Klubboss an, dass die Bayern weder einem Fifa-Meeting im November in Zürich beigewohnt hätten, um Mitglied in der zwielichtigen World Club Football Association (WCFA) zu werden, noch würde der deutsche Rekordmeister an einer „Champions League on Tour“ teilnehmen, an der neuerdings 16 europäische Topklubs im Sommer zwei bis drei Wochen mitspielen sollen. „Unsere Trainer werden mir ins Kreuz reinspringen. Wir haben überhaupt kein Interesse da teilzunehmen.“ Auch das sei ein sinnloses Expansionsprojekt. Genau wie ihm, der selbst bei zwei Fußball-Weltmeisterschaften mit 24 Mannschaft gespielt hat, eine Mammut-WM mit 48 Teilnehmern missfällt.

Der 2022 scheidende Rummenigge erinnerte sich an seine Abschiedsrede, die er als scheidender Präsident der Klubvereinigung ECA gehalten habe, als er Fifa-Boss Gianni Infantino und Uefa-Chef Aleksander Ceferin ins Gewissen redete, in Harmonie und Loyalität zu leben – das Gegenteil ist seitdem passiert. Fifa und Uefa überbieten sich in ihrem Machtstreben in den krudesten Ideen. Es muss hellhörig machen, wenn sogar für Rummenigge der Fußball „zu politisch und zu finanziell“ geworden ist. „Das Wohle des Fußballs wird zu wenig berücksichtigt.“

Seine Bestandsaufnahme für die überhitzte Branche klang wenig schmeichelhaft: „Bei Gehältern und Ablösen geht es immer höher, immer weiter, immer schneller. Wo geht das Geld immer hin? Wir nehmen rechts mehr ein und verteilen es nach links in die Gehälter der Spieler, die Ablösen und an die Berater. Das ist ein Rattenrennen.“ Deshalb dürfe auch nicht jede Veränderung mitgemacht werden. „Wir dürfen nicht überdrehen. Wir neigen dazu, die Finanzen ein bisschen dem Fußball überzuordnen.“

Gleichwohl sei er kein Pharisäer, wenn auch der FC Bayern hohe Einnahmen benötige, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die zuletzt erwirtschafteten 750 Millionen Euro Jahresumsatz seien eine sehr „ordentliche Summe, aber der FC Barcelona und Real Madrid werden immer höhere Umsätze haben“. Rummenigge missfällt im Vergleich mit dem europäischen Topklubs, dass rote Zahlen zu keinen Konsequenzen führten: „Wenn ich von den Verlusten lese, wundere ich mich schon. Eigentlich gibt es klare Regeln für Finanzspritzen. Es muss seriös und stringent umgesetzt werden. Wenn jemand eine Straftat begangen hat, wird er hier nach dem Gesetzbuch auch bestraft.“

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