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Erzielte in Italien seine Treffer zwei und drei im Dress der deutschen U21-Nationalmannschaft: Luca Waldschmidt.

Luca Waldschmidt

In Ruhe reifen

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Luca Waldschmidt macht in Freiburg den nächsten Schritt - davon profitiert auch die U21.

Es war ein Tor, wie es typisch für den feinen Techniker Luca Waldschmidt sein sollte. Es war aber eben auch ein Tor, wie es bis vor einigen Monaten noch untypisch für Luca Waldschmidt war. Der 22-Jährige hatte immer so ein bisschen das Problem, dass er seine zweifelsohne vorhandene fußballerische Veranlagung zu selten in Ertrag ummünzte. Am Montag also, da machte es der Angreifer der deutschen U21-Nationalmannschaft besser. Er zog von der rechten Seite in den Strafraum, umkurvte einen Gegenspieler, hob kurz den Kopf, schüttelte unterbewusst noch einmal seine wallende Lockenpracht zurecht und schlenzte den Ball aus 13, 14 Metern mit dem starken linken Fuß ins lange Eck. Nett gemacht, gewollt und gekonnt.

Dieser 2:1-Siegtreffer nach 48 Minuten im Testkick gegen Italien war bereits Waldschmidts zweites Tor an diesem nasskalten Abend in Reggio Emilia, fünf Minuten zuvor hatte er die Führung der Gastgeber per verwandeltem Handelfmeter, den er selbst herausholte, ausgeglichen. Entsprechend gefragt war der junge Mann nach dem Abpfiff. Ein Doppelpack gegen Italien? „Das hört sich gut an“, antwortete Waldschmidt: „Es ist nicht so einfach in Italien, die waren eklig. Es spricht für uns als Team, dass wir nach dem Rückstand zusammengehalten und das noch gedreht haben.“

Freiburg zahlt fünf Millionen

Dass die Deutschen das Spiel noch drehten, war eng mit Luca Waldschmidt verknüpft. Ganz unabhängig von seinen beiden Treffern war der beim SC Freiburg unter Vertrag stehende Profi der beste Mann auf dem Rasen. Seine Dribblings funktionierten, das Passspiel war sauber, die Laufleistung ansprechend. Kurzum: Luca Waldschmidt präsentierte sich bei der U21-Auswahl, die durch den Erfolg in Italien das Kalenderjahr ohne Niederlage beendete und auf einem guten Weg zur EM-Titelverteidigung im kommenden Juni zu sein scheint, ähnlich formstark wie in den vergangenen Wochen in der Bundesliga im Freiburger Dress.

Dabei hatten nicht gerade Wenige gestutzt, als der Offensivspieler vor der Saison für fünf Millionen Euro vom Hamburger SV nach Freiburg transferiert wurde. Fünf Millionen für den Ersatzmann eines Absteigers, für einen zweifelsohne talentierten Kicker, der es aber weder beim HSV noch zuvor bei Eintracht Frankfurt über die Reservistenrolle hinaus gebracht hatte; das war tatsächlich ein Haufen Geld. Zumal Waldschmidt, der bereits mit 14 ins Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht aufgenommen wurde und seit der U16 alle Juniorenteams des DFB durchlief, immer eine gewisse Nachlässigkeit unterstellt wurde. Ein junger Mann, der aus seinen fußballerischen Anlagen zu wenig macht, der nicht genug Biss hat, um sich im harten Bundesligageschäft durchzusetzen.

Bei Eintracht einst nur Joker

Bei der Eintracht etwa durfte Waldschmidt zwar schon mit 18 bei den Profis mitmischen, brachte es aber nur auf 14 Kurzeinsätze in Liga eins. Den HSV, der 2016 rund 1,3 Millionen an die Hessen gezahlt hatte, rettete er 2017 mit seinem Siegtreffer gegen Wolfsburg vor dem Abstieg, nach zwei Jahren sind aber auch hier nur 35 Einsätze notiert, davon 27 als Joker.

Im Sommer also der Wechsel von der Millionenstadt Hamburg in die Freiburger Idylle – offensichtlich eine richtige Entscheidung. Christian Streich, Trainer des SCF, probierte seinen Neuen, der gleich mal mit einem Vertrag bis 2022 ausgestattet wurde, anfangs auf dem Flügel aus, mit mäßigem Erfolg. Zu überhastet, zu fehlerhaft, nicht effektiv genug. Mittlerweile darf Waldschmidt als hängende Spitze ran, wirkt deutlich zielstrebiger, verbuchte bisher zwei Tore und drei Vorlagen und avancierte zum Stammspieler. Für Christian Streich kommt diese Entwicklung nicht überraschend, der Trainer hat dafür sogar eine ziemlich logische Erklärung parat: „Luca kann sich bei uns in Ruhe entwickeln.“

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